Motorrad-Weltmeister Casey Stoner Sie standen Stoner im Weg

Der Honda-Pilot war in die Saison, die am Sonntag mit dem Rennen in Valencia enden wird, als Weltmeister gestartet. Danach hat er sich auf der Strecke fast nur noch gelangweilt. Denn 2012 kamen erstmals die sogenannten Claiming Rule Teams (CRT) zum Einsatz, um das Fahrerfeld aufzufüllen. Ohne sie hätte es nach dem Ausstieg von Suzuki nur noch zwölf Prototypen-Maschinen von Honda, Ducati und Yamaha in der Startaufstellung gegeben. Die CRT setzen zwar auf getunte, seriennahe Motoren, die sie in Prototypen-Chassis verstecken. Doch da ihre Elektronik-Systeme bei weitem nicht so gut entwickelt sind wie die der großen Hersteller, tuckerten sie den zwölf echten Motorrädern seither hinterher.

Und sie standen Stoner mehrfach im Weg, weswegen er darin, nicht ganz zu Unrecht, auch ein Sicherheitsrisiko erkannte. Zuletzt beklagte sich Stoner auch über die verbaute Standard-Elektronik, die Drehzahlbegrenzer, die Reifen und überhaupt alles Mögliche. Im Prinzip aber sehnte er sich schlicht nach den Zeiten, als noch Chancengleichheit herrschte.

Als der Weltmeister am Ende der Saison noch von sich behaupten konnte, dass er auch der beste Fahrer sei. Und der ist Stoner wohl noch immer. Hätte er sich nicht in Indianapolis schwer verletzt und drei Rennen pausiert, er hätte seine Karriere wohl mit dem dritten Titel beendet. Und wenn ein Weltmeister abtritt, nur weil er das Reglement blödsinnig findet, dann läuft irgendetwas schief in einem Sport.

Als sich zuletzt noch Valentino Rossi beklagte, weil auch ihm aufgefallen war, dass diese Saison in Langweile vor sich hin waberte, da hielt es Stoner nicht mehr aus: "Er war es doch, der dabei geholfen hat, dass sich die elektronische Seite weiterentwickelt hat", erwiderte er und vergaß auch nicht eine kleine Gemeinheit: "Natürlich ist es für Valentino langweilig. Er ist nicht vorne und kämpft um Siege". Das war fast witzig, zumal ihn Stoner damit auch erinnerte, dass es Rossi niemals schaffte, auf der schier unbezähmbaren Ducati Desmosedici Weltmeister zu werden. Nur der Mann, der einst ins Kiesbett fuhr, weil er noch wilder war als das italienische Motorrad, ihm war das 2007 gelungen.

Sein Sport müsste "deutliche Veränderungen erfahren", ehe er an ein Comeback denken würde, sagt Casey Stoner. Also wird er am Sonntag in Valencia wohl letztmals seine Runden drehen. Doch mit etwas Glück fährt er noch einmal ein kleines bisschen wie Gott.