Mögliches BBL-Team in Hamburg Basketball wie in München - nur anders

Bringt Pascal Roller Spitzenbasketball an die Elbe? Seit dem Abschied der BCJ Tigers vor elf Jahren hat Hamburg keinen Basketball-Bundesligisten mehr - jetzt gibt es wieder einmal neue Pläne. 

(Foto: dpa)

Eine Liga auf Expansionskurs: Nach München soll auch Hamburg aus dem Nichts einen Basketball-Erstligisten bekommen. Der frühere Nationalspieler Pascal Roller ist der treibende Kopf hinter dem Projekt, er hofft auf eine Wildcard durch die BBL. Das kann schnell gehen - oder sich lange hinziehen.

Von Carsten Eberts, Hamburg

"Die Frage ist, wann das Projekt kommt. Nicht, ob es kommt." Pascal Roller sagt diesen Satz häufig. Es ist quasi das Mantra seines Vorhabens. Hamburg, die zweitgrößte Stadt Deutschlands, soll elf Jahre nach dem Niedergang der Hamburg Tigers wieder einen Basketball-Erstligisten bekommen. Ob bereits zur kommenden Saison, ist ungewiss, vielleicht auch erst in zwei Jahren. Aber einen Namen gibt es schon: die "Hamburg Towers".

Roller ist den deutschen Basketballfans bestens bekannt. Nationalspieler war er, fast zwölf Jahre war der kleine Regisseur bei den Skyliners Frankfurt aktiv, wurde deutscher Meister und Pokalsieger. 2004 wählten die Fans den Mann mit der Glatze zum "Spieler des Jahres". Im Sommer 2011 beendete er seine Profi-Karriere - und plante seine Zukunft. Möglicherweise bald als Sportdirektor eines Bundesligateams.

In der Lobby eines Hamburger Hotels erzählt der 36-Jährige, was er in den Monaten seit seinem Karriereende getrieben hat. Er ist nicht allein gekommen, sondern mit zwei Geschäftspartnern: mit dem Hamburger Unternehmer Wolfgang Sahm und dem Marketingberater Gunnar Klink. Zu dritt wollen sie das Basketball-Projekt in Hamburg stemmen. Roller sagt: "Das Feedback ist enorm positiv. Die Zeit ist reif." Eine Großstadt bekommt aus dem Nichts eine BBL-Mannschaft. Solche Pläne erinnern zunächst an die Situation in München.

Dort entschied der große FC Bayern, sich neben den weltbekannten Fußballern ein zweites Standbein aufzubauen: im Basketball. Ein stattlicher Etat wurde aufgestellt (angeblich sogar einer der höchsten der Liga), mit Svetislav Pešić mittlerweile der zweite frühere Bundestrainer verpflichtet. Präsident Uli Hoeneß gilt als größter Fan. Die Bayern, ein Verein mit gewachsener Basketball-Tradition, wollen Meister werden. Nicht nur im Fußball. Rollers Kalkulation für Hamburg ist deutlich defensiver.

Im Grunde sind beide Projekte kaum zu vergleichen. Eine Kooperation mit einem großen Verein (etwa dem Hamburger SV) gibt es nicht, der avisierte Etat soll deutlich unter dem Münchner, gar unter dem Ligaschnitt von 4,3 Millionen Euro liegen. Auch die Zuschauererwartung ist mit 2800 Fans vorsichtig kalkuliert.

Das kommt nicht von ungefähr. Hamburg hat schon mitunter größenwahnsinnige Versuche erlebt, Basketball in der Stadt zu etablieren. Zuletzt 2009, als der US-Investor Henry Feinberg die Nummer eins in Europa werden wollte und einen Etat im zweistelligen Millionenbereich in Aussicht stellte. Die Finanzkrise kam dazwischen, auch diese Unternehmung scheiterte. "Wir wollen nicht erneut eine übertriebene Erwartungshaltung schüren", sagt Roller deshalb. Läuft das Projekt gut an, "können wir immer noch einen Schritt nach vorne machen".

Die Liga-Verantwortlichen der BBL stehen den Gedankenspielen positiv gegenüber. Hamburg ist ein weißer Fleck auf der Landkarte, gerne wäre die Liga auch in der norddeutschen Medienmetropole vertreten. Geschäftsführer Jan Pommer sagt gar: "Hamburg interessiert mehr Menschen, bei allem Respekt vor den Kollegen vor Ort, als wenn wir ein weiteres Crailsheim oder Kirchheim haben." Bei Roller kam der Vertrauensvorschuss gut an. In der zweiten Liga in Crailsheim oder Kirchheim eher weniger.

Die Frage nach dem "Wann" ist der Knackpunkt für das Gelingen des Hamburger Vorhabens. Laut Roller steht das Projekt so weit, die Liga wäre bei zuverlässiger Finanzierung auch dabei. Es kann dennoch sein, dass sich der Ligaeintritt lange hinauszögert. Grund sind die komplizierten Statuten der BBL, die Roller und seinen Kollegen einerseits Türen öffnen. Andererseits machen sie echte Planungssicherheit so gut wie unmöglich. Laut BBL kann ein Klub quasi aus dem Nichts in Deutschlands bedeutendster Basketballliga mitspielen. Ein sportlicher Aufstieg ist nicht zwingend nötig. Wird ein Platz unerwartet frei, kann ein Wildcard-Verfahren eröffnet werden.