Angreifer Miroslav Klose in Italien Perfektes Idol für die Krise

Der scheinbar alterslose deutsche Nationalstürmer Miroslav Klose ist dank seiner Tore bei Lazio Rom der Liebling des italienischen Publikums. Dass er sich bei allem Erfolg still verhält und am liebsten Karpfen angelt, macht ihn sogar noch populärer.

Von Birgit Schönau, Rom

Es ist zwei Jahrzehnte her, da hatte Lazio Rom zwei deutsche Stürmer: Karl-Heinz Riedle und Thomas Doll. Riedle war erfolgreicher, Doll war populärer, er hatte den besseren Draht zu den Fans - andere Zeiten! Deutschland war 1990 in Rom Weltmeister geworden und deutsche Fußballer zogen nach Italien, des Niveaus und der Lire-Milliarden wegen.

Jetzt hat Lazio nach dem Intermezzo mit Mittelfeldspieler Thomas Hitzlsperger wieder einen deutschen Stürmer: Miroslav Klose. Er kam vergangenes Jahr ablösefrei vom FC Bayern und machte 13 Tore, so viele wie Riedle in seiner besten Saison. Sonst ist vieles anders. Klose kam, weil er endlich wieder Fußball spielen wollte, egal für wie viel Glanz und Gloria. Riedle heuerte einst mit 25 bei Lazio an, Klose ist 34.

Auch sonst ist heute vieles anders. Zwar wurde Italien inzwischen einmal in Berlin Weltmeister, 2006, aber das ist auch schon wieder eine Weile her. Die besten Fußballer machen einen Bogen um Italien, weil sie woanders mehr Geld und Ruhm verdienen können. Wie gründlich der Lack ab ist von der Serie A, konnte man am vergangenen Sonntag sehr gut im Stadion San Paolo zu Neapel sehen. Wo einst Maradona die Fußballwelt verzauberte, besiegte nun der SSC Neapel mühsam den AC Florenz 2:1.

Die Neapolitaner zwangen ihre Gegner buchstäblich in den Staub, denn auf dem Stadionboden war kein einziger Grashalm zu sehen. Es wirkte wie eine Partie auf dem Mond, wie ein Neil-Armstrong-Gedächtnismatch. Wenn nur der Ball nicht so verdammt hartnäckig den Gesetzen der Schwerkraft gefolgt wäre - er versank ständig in den vielen Kraterlöchern.

Während Neapel Staub aufwirbelte, tanzte Klose im römischen Regen an die Tabellenspitze. Beim 3:0 gegen US Palermo erzielte der Deutsche zwei Treffer - schnelle, präzise, listige Tore von einem Spieler, der nicht mehr allzu viel rennt aber sehr genau weiß, wo er unweit der Strafraumlinie stehen muss. Klose hat bei Lazio die Rolle des Vollstreckers eingenommen, die Mannschaft sucht ihn, spielt für ihn und er bedankt sich artig dafür.

Klose weiß, dass er gebraucht wird. Die alte Schule ist wieder gefragt, in Italien wie in Deutschland. Dort sucht Joachim Löw "fußball-intelligente und flexible Spieler, die auf engstem Raum eine Vielfalt von Lösungen parat haben". Spieler wie Klose.

Plötzlich außer Puste

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