Tritt Schumacher zurück oder nicht? Das Hin und Her nimmt kuriose Züge an.
Die Meldungen überschlagen sich. Donnerstag, 14.18 Uhr, der Sportinformationsdienst (sid) meldet: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo wird die Entscheidung, welche Piloten 2007 die Formel-1-Wagen der Firma lenken, in einer Woche beim Großen Preis von Italien bekannt geben. 38 Minuten später. Die gleiche Agentur meldet: Ferrari hat dementiert. Die Fahrerpaarung werde nicht schon am Donnerstag bei einer Gala präsentiert. 16.28 Uhr: Der sid meldet noch ein Dementi. Es sei keineswegs sicher, dass Präsident Montezemolo die Entscheidung verkünde. 17.26 Uhr: Die Deutsche Presseagentur verbreitet die Meldung: Die Fahrerbesetzung werde unmittelbar nach dem Rennen in Monza bekannt gegeben, woraus der sid wiederum folgert: ,,Die Nervosität in Maranello steigt offenbar stündlich.''
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Wende in Spanien
Die Aufregung ist tatsächlich groß. Am größten ist sie allerdings offenbar in den vielen Redaktionen, die sich weltweit mit der Formel1 befassen. Denn in der Ferrari-Zentrale dürften die Entscheider schon länger wissen, wie es in den nächsten Jahren mit dem Traditionsrennstall weiter gehen soll. Nicht nur Schumachers Kontrakt läuft aus. Auch die Verträge von Teamchef Jean Todt und Technikchef Ross Brawn. Die französisch-britisch-deutsche Troika hatte das italienische Team in den vergangenen Jahren zur Blüte verholfen. Was Todt und Brawn vorhaben, dürften sie Montezemolo schon lange mitgeteilt haben, und auch Schumacher trifft eine Entscheidung von solcher Tragweite nicht aus einer Tageslaune heraus.
Dass er zuletzt damit kokettierte, ,,vielleicht doch noch ein wenig Zeit zu bekommen'', entspricht vor allem einem Wunsch: Die Frage nach seiner Zukunft nicht ständig gestellt zu bekommen. Ursprünglich wollte der 37-Jährige sich ,,im Sommer'' entscheiden, ob er seine Karriere fortsetzt. Vor dem Großen Preis von Spanien im Mai entschied er sich um. Es könne auch bis zum letzten Rennen im Oktober in Brasilien dauern, bis er sich sicher sei. Nach wenigen Tagen folgte eine Präzisierung, mit der zu rechnen war: Der Entschluss werde beim Italien-Grand-Prix bekannt gegeben. Das Heimrennen zelebriert Ferrari immer mit außerordentlichem Brimborium.
Zum Auftakt der Feierlichkeiten werden Michael Schumacher und sein Teamkollege Felipe Massa am kommenden Mittwoch in einem Helikopter nach Venedig geflogen, wo sie eine neuen Ferrari Devotionalienhandlung eröffnen. Am Abend steht ein Benefiz-Fußballspiel in Monza an. Am Donnerstag beginnt das Rennwochenende. Wie bei jedem Grand Prix sind Besprechungen mit den Ingenieuren und Pressekonferenzen geplant. Am Abend wollte der scheidende Sponsor Vodafone ein Teamdinner geben, das allerdings kurzfristig abgesagt wurde. Am Freitag beginnen die Testfahrten, am Samstag gibt es die Qualifikationsrunde. Danach lädt der Firmen-Präsident zu einer Gala in ein Festzelt neben der Rennstrecke ein. 2005 wurde bei diesem Anlass verkündet, dass die Partnerschaft mit Philip Morris über das Tabakwerbeverbot in Europa hinaus bestand hat. Wichtige Entscheidungen in Monza an die Öffentlichkeit zu bringen, hat bei Ferrari also Tradition. Gute Gelegenheiten gibt es genug.
Um dem Rennen aber nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu entziehen, wurde ein anderer Plan gefasst. Die Mitteilung, wer in den kommenden Jahren in Maranello an den wichtigsten Stellen sitzt, soll unmittelbar nach der Zieldurchfahrt verteilt werden. Die ersten Drei werden jedes Mal zur Pressekonferenz geladen. Ist Schumacher also gut genug, kann er sich gleich zu seiner Zukunft äußern. Falls nicht, droht eine wilde Stimmenjagd im Fahrerlager.
Dass die Entscheidung so lange wie möglich hinausgezögert wird, spricht einerseits dafür, dass Schumacher aufhört. Andererseits: Wäre es eines siebenmaligen Weltmeisters würdig, seinen Abschied mit einer schnöden Presseerklärung anzukündigen? Spekulanten haben Hochkonjunktur. Der australische Pilot Mark Webber hat der Zeitschrift auto, motor und sport verraten, dass sich Schumacher in Hockenheim zum Abendessen erstmals zwei große Bier bestellt habe. Das spricht für Lockerheit. Und das Karriere-Aus. Dagegen spricht, was brasilianische Zeitungen beobachtet haben wollen. Die erkannten in der Türkei bei Felipe Massa trotz seines ersten Erfolges eine seltsame Traurigkeit. Sollte Schumacher bleiben und Kimi Räikkönen wie erwartet kommen, bliebe für Massa lediglich die Testfahrerrolle. Bernie Ecclestone, allmächtiger Vermarkter der Formel 1, hatte zuletzt verkündet, er sei sich sicher: Schumacher macht Schluss. Das wiederum konterte Teamchef Todt jetzt mit dem Satz: ,,Bernie ist ein cleverer Junge, aber manchmal liegen auch clevere Jungen daneben.''
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