Michael Köllner beim 1. FC Nürnberg Früher Lausbub, heute "Allesköllner"

"Was ändert es, wenn ich es ausspreche, dass wir aufsteigen wollen?" - Michael Köllner.

(Foto: dpa)

Michael Köllner war einst Zahnarzthelfer, jetzt könnte er als Trainer mit dem 1. FC Nürnberg in die Bundesliga aufsteigen. Um zu verstehen, wer er ist, muss man viele Jahre zurückgehen in einen kleinen Ort.

Von Gerhard Fischer

Wenn man auf die Sportanlage des 1. FC Nürnberg kommt, sieht man linker Hand die "Stuhlfauth-Stuben". Der Torwart Heiner Stuhlfauth (1896 bis 1966) ist ein großer Sohn der Stadt, noch ist er größer als Markus Söder. Einen Steilpass von den Stuben entfernt führt die Hans-Kalb-Straße vorbei. Der Mittelläufer Hans Kalb (1899 bis 1945) ist auch eine Club-Legende, er war trinkfest und stimmgewaltig und soll am Ende seiner Karriere 25 Kilo Übergewicht gehabt haben. Für Sepp Herberger war er trotzdem "der beste deutsche Fußballer der 1920er Jahre". Außerdem war Kalb Zahnarzt. Der aktuelle Club-Trainer Michael Köllner war mal Zahnarzthelfer.

Köllner sitzt oben in der Geschäftsstelle in einem schweren, schwarzen Ledersessel und sagt, das Wissen um die Tradition seines Vereins sei für ihn "zwingend und selbstverständlich". Er lese Bücher über den 1. FC Nürnberg und gehe zu den Stammtischen der Meisterelf von 1968. Leupold, Popp, Strehl - diese Namen kennt er noch besser als Stuhlfauth oder Kalb. "Ich brauche das Gefühl, was einen Verein ausmacht - dazu gehört das Verständnis für seine Historie", sagt er. Von seinen Spielern verlangt er das auch.

Manchmal bittet er die Spieler die Smartphones abzuschalten

Köllner ist ein Fußball-Verrückter, das schon. Aber der 48-Jährige, der vor den Club-Profis fast nur Jugendmannschaften trainiert hat (sehr lange jene des DFB), will seinen Jungs auch andere Horizonte eröffnen. "Bildung hat noch keinem geschadet", hat er mal gesagt. Im Trainingslager ging er mit ihnen ins Kloster, vor der Bundestagswahl diskutierte er über Politik, zuletzt legte er den Spielern das Mertesacker-Interview ins Fach; Per Mertesacker hatte offenherzig über Druck im Profifußball gesprochen, und darüber, dass er vor jedem Spiel Durchfall oder Brechreiz hatte.

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Oder die Sache mit den Smartphones. Köllner bittet die Spieler schon mal, sie abzuschalten und stattdessen miteinander zu reden. "Die Spieler machen das dann auch und bleiben zum Beispiel beim Essen länger sitzen", sagt er, "das ist ein Nährboden für eine gute Gesprächskultur."

Michael Köllner, der seit einem Jahr Club-Trainer ist, wurde in Artikeln, die man im Archiv über ihn findet, als "fürsorglich" und "zugänglich" bezeichnet. Es gibt aber auch Artikel, in denen er als "kantig", "schwer zugänglich" oder "eigenwillig" beschrieben wird. Er sei ein "Besserwisser" und - das war wohl nicht nett gemeint - ein "Allesköllner".