Bei Chelsea ist er inzwischen Kapitän, wie bei Joachim Löw. Michael Ballack über Ziele mit dem Verein, Jens Lehmann und die Europameisterschaft.

Frage: Sie haben es bei Chelsea in nur vier Spielen vom Dauerverletzten zum unumstrittenen Führungs-Spieler und sogar zum Kapitän gebracht. Sind Sie von sich selbst beeindruckt?

Michael Ballack

Beim FC Chelsea übernahm Michael Ballack nach seiner Verletzung sofort wieder Verantwortung. (© Foto: AP)

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Michael Ballack: Was heißt: Von mir selbst beeindruckt? Ich bin stolz, dass ich sofort nach der Verletzung wieder voll da war. Dass es so gelaufen ist, war nicht unbedingt zu erwarten. Durch unsere vielen Verletzten bei Chelsea bin ich direkt wieder in die Verantwortung geraten, andererseits tut man sich leichter, wenn man in eine Mannschaft zurückkehrt, die keine Verletzungssorgen hat. Aber wir haben das gut hingekriegt. Dass ich gleich Kapitän wurde, habe ich aber zum Beispiel nicht erwartet.

Frage: Haben Sie, wenn Sie jetzt in Zweikämpfe gehen, die Verletzung noch im Hinterkopf?

Ballack: Bei den ersten Trainingsversuchen natürlich - aber das ist jetzt weg.

Frage: Wie weit sind Sie jetzt von der Topfitness entfernt?

Ballack: Schwer zu sagen. Ich bin natürlich noch nicht topfit, das kann ich auch nicht sein. Das braucht sicher noch ein paar Wochen, um dahin zu kommen, wo ich mich optimal fühle. Aber da mache ich mir eigentlich keine Gedanken.

Frage: Was erwarten Sie für sich persönlich für die Saison?

Ballack: Dass ich auch weiterhin wichtiger Bestandteil der Mannschaft bin, wie ich es auch vor der Verletzung war. Gegen Ende letzter Saison lief es eigentlich immer besser für mich, aber dann kam die Verletzung. Da will ich natürlich wieder hin, und Erfolg haben mit der Mannschaft.

Frage: Blicken wir auf die EM. Wo steht im Moment die deutsche Mannschaft?

Ballack: Wir haben nach der WM sehr gut weitergemacht, eine gute Qualifikation gespielt und uns relativ früh qualifiziert. Jogi Löw hat viele Spieler herangeführt und wir haben in der Breite zugelegt. Wegen der vielen Verletzungen konnten wir selten mit der Wunschformation spielen, aber wir haben das ganz gut gemacht. Der Konkurrenzkampf ist da, die Mannschaft hat Selbstvertrauen. Jetzt müssen wir abwarten, wie die Form vorm Turnier ist, wie jeder einzelne drauf ist und wie die Spieler harmonieren. Es ist immer schwer, ein halbes Jahr vorher Prognosen abzugeben.

Frage: Ist die deutsche Mannschaft heute weiter als 2006 - trotz der Stagnation von Spielern wie Podolski oder Schweinsteiger?

Ballack: Man kann Qualifikationsspiele nicht mit einer WM vergleichen. Man kann eher die Vorbereitung vor der WM zum Vergleich heranziehen, obwohl das Freundschaftsspiele waren. Ich glaube schon, dass die Mannschaft da einen Fortschritt gemacht hat. Sie hat sich stabilisiert und zeigt nicht mehr so große Leistungsschwankungen. Man sollte sich national aber keinen Honig um den Mund schmieren. Es ist auch wichtig zu sehen, wie wir im Ausland eingestuft werden. Und da haben wir doch Marken hinterlassen und mit guten Spielen beeindruckt, so dass wir auch dort für die EM zum Favoritenkreis gezählt werden.

Frage: Das erwarten Sie dann eher für Südafrika 2010 als für dieses Jahr in Österreich und der Schweiz?

Ballack: Wie gesagt, wir haben einen Schritt gemacht, das glaube ich schon. Aber wir sind noch nicht auf dem Niveau, Favorit zu sein.

Frage: Wer sind denn Ihre Favoriten bei der EM?

Ballack: Weltmeister Italien natürlich, Frankreich, das ist eine starke Gruppe mit Holland und Rumänien. Es ist noch nicht gesagt, dass sich beide durchsetzen. Wer da durchkommt, ist möglicherweise mit dem nötigen Selbstbewusstsein ausgestattet, um ganz weit zu kommen. Spanien und Portugal muss man nennen, Kroatien halten manche für einen Geheimfavoriten.

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