Kanzlerin Merkel beim EM-Viertelfinale Diplomatie vor dem Anpfiff

Lange saß Merkel genau wie alle anderen wie auf glühenden Kohlen. Dann traf Philipp Lahm. Es folgte der kurze Schock durch Georgios Samaras in der 55. Minute, als der Grieche den vorläufigen Ausgleich erzielte. Kaum fünf Minuten später fand der Schrecken ein Ende. Die Bilder, die von diesem Spiel übrig bleiben, zeigen eine begeisterte Kanzlerin: die Arme in die Luft gestreckt, den Mund zum Jubelschrei geöffnet.

Surfer, Häuptling, Trostpreisempfänger

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Nur zehn Minuten nach dem Abpfiff gratulierte sie den Spielern gemeinsam mit Niersbach und Liga-Präsident Reinhard Rauball in der Kabine: "Glückwunsch, weiter so. Es war wie immer aufregend. In der Anfangsphase habe ich gebibbert. Aber dann habe ich den Eindruck gehabt, dass die deutsche Mannschaft überlegen war." Auch für den DFB-Präsidenten schien es aufregend gewesen zu sein: "Das ist eine persönliche Freude, quasi eingequetscht zu sein zwischen Bundeskanzlerin und Innenminister. Ich weiß gar nicht, welche Schulter mehr lädiert ist", berichtete Niersbach.

Ein Treffen mit dem neuen griechischen Regierungschef Antonis Samaras kam auf der Tribüne nicht zustande. Der 61-Jährige musste sich wegen einer Netzhautablösung einer Augen-Operation unterziehen und verzichtete deshalb auf eine Reise nach Danzig. Auf diese womöglich verbindende Geste musste Merkel also verzichten. Doch ist fraglich, ob das für die griechischen Fans ein Trost gewesen wäre.

Auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, der zwei Plätze neben Merkel saß, wollte von einer Politisierung des Viertelfinals nichts wissen. "Ich glaube, dass da etwas hochgezogen und aufgeblasen wurde. Die Griechen mögen die Deutschen, und die Deutschen mögen die Griechen. Das sieht man ja auch an der tollen Stimmung hier", sagte der deutsche Sportminister nach seinem Rundgang durch die Danziger Altstadt drei Stunden vor dem Anpfiff.

Es war nicht Merkels erster EM-Besuch in Danzig. Drei Tage vor dem Auftaktspiel gegen Portugal hatte sie Löw und den Spielern einen Besuch im Hotel Dwor Oliwski abgestattet und viel Erfolg gewünscht. Spielmacher Mesut Özil postete anschließend auf seiner Facebook-Seite ein Foto mit der 57-Jährigen - und schwärmte: "Eine beeindruckende Persönlichkeit."

Mit Material vom sid

"Wir haben es ein bisschen spannend gemacht"

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