Meisterschaft der Bayern-Frauen Es wird kuschelig auf dem Rathausbalkon

Melanie Behringer mit der Schale - die Frauen des FC Bayern sind Meister.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Das gab es noch nie: Nach Pep Guardiolas Mannschaft gewinnen auch die Fußballerinnen des FC Bayern die Meisterschaft.
  • Es ist das erste Mal, dass ein Verein den Titel bei den Männern und Frauen feiert - bei der Meisterfeier droht eine Unwucht.
Von Christoph Leischwitz

Entweder hatten einige Bühnenbildner nicht so richtig mit dem Titel gerechnet, oder sie hatten einfach wenig Erfahrung mit Meisterfeiern. Jedenfalls dauerte es eine ganze Weile, genau 16 Minuten, ehe die kleine Bühne auf dem Rasen des Grünwalder Stadions aufgebaut war. Schnell fanden sich die Spielerinnen ein, die Spielführerin Melanie Behringer unter dem Applaus der 5200 Zuschauer als Letzte. Und wenige Sekunden später hielt sie die silberne Schale, die ein bisschen aussieht wie eine silbern glitzernde Radkappe, in der Hand.

"Was ich da gedacht habe? Ich weiß nicht. Vielleicht, dass wir jetzt deutscher Meister sind", sagte Behringer später. Es war ein unverhoffter Titel gewesen, den die Bundesliga-Spielerinnen des FC Bayern da gerade gewonnen hatten. Sie selbst hatten eine unspannende, ungleiche Partie gegen die SGS Essen völlig ungefährdet, wenn auch viel zu niedrig 2:0 (2:0) gewonnen. Und sie waren somit auch zu keinem Zeitpunkt Gefahr gelaufen, den sicheren zweiten Tabellenplatz zu verspielen, der die Champions-League-Teilnahme bedeutete.

Doch dann mussten sie eben noch exakt drei Minuten und 20 Sekunden auf die Nachricht aus Frankfurt warten, ehe sie wussten, dass sie die nationalen Champions waren. "Wir hatten keine Ahnung, wir durften in der Kabine auch nicht unser Handy anmachen", berichtete später Melanie Leupolz. Sie hatten auch keinerlei Feierlichkeiten für den Abend geplant, vieles ergab sich dann spontan. Zum Beispiel: gemeinsames Tanzen mit rund 100 Fans und der Meisterschale am Ausgang unter der Haupttribüne.

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Vor dem letzten Spieltag hatten die Spielerinnen nur davon geträumt, neben der Champions-League-Teilnahme auch noch den Titel zu gewinnen. Um sich nicht aus der Konzentration bringen zu lassen, hatte Trainer Thomas Wörle eben jenes Handyverbot verordnet. "Es spielt für uns keine Rolle", hatte der 33-Jährige unter der Woche noch behauptet. "Ich habe selbst erst in der 75. Minute zum ersten Mal nachgefragt", erzählte er später. Seine Spielerinnen hatten keine Zeit mit Träumen verschwendet, sie spielten so wie immer in dieser Saison: konzentriert, ständig auf die zweiten Bälle der Gegnerinnen lauernd, mit oft sehr geradlinigem Spiel nach vorne.

Die SGS Essen kam im ganzen Spiel nur auf einen einzigen Torschuss, die Bayern-Frauen allein in der ersten Halbzeit schon auf ein gutes Dutzend. Nach vier Minuten waren sie durch den ersten Schuss aufs Tor in Führung gegangen, Leupolz hatte aus 15 Metern getroffen. Nach einer halben Stunde fiel das 2:0, Kapitänin Behringer schoss einen Freistoß in die Mauer, Vivianne Miedema nahm den Abpraller direkt und traf ins Kreuzeck.