Mehrkampf-Medaille im Turnen Marcel Nguyen, der Erste seit 76 Jahren

Nicht Fabian Hambüchen holt die Turn-Medaille für Deutschland, sondern der in Stuttgart trainierende Marcel Nguyen. Nach Problemen zu Beginn kommt er im Mehrkampf-Finale immer besser zurecht, wird überraschend Zweiter und gewinnt als erster Deutscher seit 1936 in der Königsdisziplin des Turnens eine Medaille.

Am Ende jubelte Marcel Nguyen über den größten Erfolg seiner Karriere. Der 24-Jährige gewann am Mittwoch im olympischen Mehrkampf die Silbermedaille. Mit 91,031 Punkten holte er in der North Greenwich Arena von London damit das erste deutsche Edelmetall in der Königsdisziplin seit 76 Jahren. Nur der dreimalige Weltmeister Kohei Uchimura war diesmal noch zu stark für den Unterhachinger, der seinen Platz kaum fassen konnte. Der Japaner sammelte 92,690 Zähler und gewann letztlich ungefährdet, Bronze ging an Danell Leyva aus den USA (90,698).

Freude bei Marcel Nguyen.

(Foto: dapd)

Sogar am Reck war Fabian Hambüchen, eigentlich Deutschlands bester Turner, diesmal nicht in Form und musste das Gerät vorzeitig verlassen. Der Wetzlarer hatte nach zwei Patzern am Seitpferd und einem Sturz beim Sprung den internen Vergleich mit Nguyen schnell verloren. Am Ende fand sich der ehemalige Reck-Weltmeister mit 87,765 Punkten auf dem 15. Platz wieder.

Nach solidem Beginn am Boden warf Hambüchen das gefürchtete Seitpferd zwar nicht ab, aber im Zwischenklassement bis auf Rang 22 weit zurück. Gleich zu Beginn seiner Übung missriet ihm die Schere in den Handstand, auch der Abgang war unsauber. Zwar protestierte die deutsche Teamleitung umgehend gegen die niedrige Bewertung von 13,266 Punkten, doch der Einspruch wurde abgewiesen.

Nguyen hingegen steigerte sich nach Problemen am Seitpferd und Rang 24 unter 24 Teilnehmern von Gerät zu Gerät. An den Ringen erntete der zweimalige Barren-Europameister einen zustimmenden Klaps seines Heimtrainers Valeri Belenki. Beim Sprung gab es einen kleinen Sidestep, aber an seinem bevorzugten Gerät sammelte der Athlet herausragende 15,833 Zähler. Als auch am Reck alles gut lief für den in Stuttgart trainierenden Sportsoldaten, schien Nguyen an die Überraschung zu glauben. Er lief aufgeregt hin und her und konnte es kaum erwarten, den Wettkampf am Boden abzuschließen.

Ushimura zeigte sich gegenüber seinen Auftritten mit der japanischen Riege deutlich verbessert und ließ seiner Silbermedaille von Peking 2008 den Olympiasieg folgen. Nach drei von sechs Durchgängen übernahm der Asiate die Gesamtführung und gab sie vor 15.500 Zuschauern bis zum Schluss nicht mehr ab.

Die olympischen Kunstturn-Wettbewerbe werden am Donnerstag mit der Mehrkampf-Entscheidung bei den Frauen fortgesetzt. Einzige deutsche Teilnehmerin ist die Europameisterschafts-Zweite Elisabeth Seitz aus Mannheim.