Markus Babbels Entlassung in Hoffenheim Grenzen des Nadelstreifen-Geschäfts

Hinter den sportlichen Krisen in Hoffenheim und Wolfsburg ist ein gemeinsames Muster erkennbar, das sie in Mainz, Freiburg, Düsseldorf und Nürnberg als tröstlich empfinden dürften. Es ist die Erkenntnis, dass Geld aus Konzernhänden allein nicht ausreicht, um im Fußball Erfolg herbeizuzüchten - das gilt auch für Traditionsklubs.

Ein Kommentar von Christof Kneer

Den Namen Müller kann man sich gut merken. Fürs Verständnis des aktuellen Falles ist es also von Vorteil gewesen, dass es ein Müller war, der zuletzt ständig im Fernsehen kam. Für alle, die trotzdem nicht drangeblieben sind, hier eine Kurzfassung: Andreas Müller, Manager in Hoffenheim, hat sich so lange vor, neben und hinter den Trainer Markus Babbel gestellt, bis er dessen Entlassung verkünden musste.

Wenn Müller im Fernsehen über Babbel spricht, dann hat der Fußballfan neben den trostlosen aktuellen Bildern ja immer auch die herrlichen alten Bilder vor Augen: Müller, den Schalker "Eurofighter" von 1997; Babbel, den DFB-Europameister von 1996.

Die Besetzungsliste der großen Seifenoper ist in all den Jahren überschaubar gewesen, man hat sich oft nur merken müssen, wer von all den bekannten Namen gerade wo spielt, trainiert oder managt. Im aktuellen Fall ist es aber so, dass sich unbekannte Namen in die Handlung geschlichen haben, getarnt unter dem Sammelbegriff "Gremien". Über Babbel berieten Männer namens Waldi und Briel, und im Zuge der Entlassung des großen Namens Magath in Wolfsburg hörte man von Menschen namens Garcia Sanz und Hotze.

Es muss kein Nachteil für den Fußball sein, wenn er neues Personal generiert, wie Herr Waldi und Herr Hotze das vermutlich formulieren würden. Immerhin sind sie in Wolfsburg damit Meister geworden, und in Hoffenheim haben sie sich eine Weile rechtschaffen bemüht, zum Innovationslabor der Republik zu werden. Dennoch bleibt hinter beiden Geschichten ein gemeinsames Muster erkennbar, das sie in Mainz, Freiburg, Düsseldorf und Nürnberg als tröstlich empfinden dürften.

Es ist die Erkenntnis, dass der Fußball seinen eigenen Kopf behält, dass er sich seine Pfostenschüsse ebenso wenig nehmen lässt wie die unvorhersehbaren Blessuren an Syndesmoseband und Schienbeinköpfchen - dass er also nicht im Traum dran denkt, sich der klassischen Entscheiderlogik zu unterwerfen, die in den Firmenzentralen von SAP (Hoffenheim) oder VW (Wolfsburg) von den unbekannten und den bekannten Namen (Hopp, Winterkorn) gepflegt wird.

Hoffenheim und Wolfsburg sind dankbare Opfer für die Fußballfeuilletons, aber es wäre ungerecht, deren sprunghafte Trainer- und Managerpolitik auf den Retorte-Faktor zu reduzieren. Auch an einem Traditionsbetrieb wie dem VfB Stuttgart lässt sich erkennen, wozu das führen kann, wenn die Denkungsart eher sportferner Autoritäten die Unternehmenskultur prägt. Solche Klubs schmücken sich besonders gerne mit Meistertrainern wie Magath, McClaren oder Trapattoni, sie sind besonders anfällig für Alleinherrscher, Günstlingswirtschaft, Einflüsterer oder abrupte Strategiewechsel, und sie besitzen meist nur wenig gewachsene Fachkompetenz im Haus oder sie machen ihr (siehe Stuttgart) das Leben schwer.

In Wolfsburg haben die Männer in Nadelstreifen jetzt die Fachkompetenz von Klaus Allofs eingekauft, und es hat eine gewisse Ironie, dass ihm bei seiner ersten strategischen Entscheidung ausgerechnet Hoffenheim in die Quere kommt. Beide Klubs müssen jetzt auf einem leeren Trainermarkt einen Trainer finden.