Marketing mit Fußballern Dein Freund und Follower

Lange genug mit Bällen und Kandidaten jongliert. Mesut Özil hat eine lukrative Ausstatter-Entscheidung getroffen.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Twitter, Facebook und auch sonst überall dabei: Der deutsche Nationalspieler Mesut Özil ist der König der sozialen Netzwerke. Das macht ihn zu einer zentralen Figur im harten Konkurrenzkampf der Sportartikel-Hersteller - denn Fußballer sind als beliebte Werbeträger Millionen wert.

Von Philipp Selldorf

Neulich in Leverkusen: Ein Lieferwagen fährt an der BayArena vor. Mitten im Jahr steht eine Bescherung an, der Mann vom Paketdienst hat einiges zu transportieren. Empfänger sind die Profis von Bayer 04 Leverkusen, Absender ist die Firma Nike, und dies ist der Versuch einer freundlichen Übernahme, denn niemand hat die Waren bestellt, die hier gratis ins Haus geliefert werden.

Bayer wird seit vielen Jahren von Adidas ausgerüstet, aber bei Nike hat man sich offenbar gedacht, es könne nicht schaden, wenn die Leverkusener Profis in ihrer Freizeit auch mal etwas anderes tragen. Und vielleicht taucht dann sogar irgendwo im Internet oder in der Presse ein Foto auf, auf dem ein Spieler statt der drei Streifen den sogenannten "Swoosh" spazieren trägt.

Der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Sportartikel-Giganten ist vielfältig. Methoden der Unterwanderung, kleine und größere Provokationen gehören auch dazu. Der Vorfall mit Mario Götze, der unlängst bei seiner Präsentation als neuer Spieler des FC Bayern ein T-Shirt seines Werbepartners Nike trug, war eine besonders grobe Provokation. Ein Guerilla-Coup mitten im Feindesgebiet.

Nike vs. Adidas beim FC Bayern Guerilla-Coup mit dem eingeschmuggelten Hemd

Bei ihrer offiziellen Vorstellung tragen die neuen Profis Mario Götze und Jan Kirchhoff weithin sichtbare Shirts mit ihrem Privatsponsor Nike, was den FC-Bayern-Miteigner Adidas in Rage bringt. Es folgen Entschuldigungen, doch die Geschichte zeigt, wie hart die Bandagen im Sportartikelgeschäft sind.

Man erzählt sich, dass Götze von einem Nike-Mitarbeiter mit dem T-Shirt ausgestattet wurde, kurz bevor er vors große Publikum trat, wofür es aber selbstredend keine offizielle Bestätigung gibt. Götze bzw. sein Management haben sich entschuldigt, die Bayern verhängten eine 20.000-Euro-Strafe gegen ihren Profi - dürfte klar sein, dass das Knöllchen dem Sünder nicht wehtut. Nike wird Wege finden, den Schaden auszugleichen.

Es ist jetzt überall zu hören, dass sich der traditionelle Wettstreit der Sportartikelfirmen im Sport und besonders im Profifußball zu einem reinen Duell der Giganten entwickelt hat. Nike gegen Adidas, der klassische Fall von kapitalistischer Marktkonzentration. Puma hatte zuletzt keine guten Zahlen und vermag nicht mehr mitzuhalten, im Frühjahr etwa berichtete das Magazin Sponsor News, die Firma habe ihrem Partner Mario Gomez "wegen Sparzwängen" gekündigt; andere Quellen besagen, die Liaison sei auseinander gegangen, weil Gomez plötzlich provokant mit Nike-Schuhen trainiert habe. Vielleicht stimmt beides, Härten gehören zum Geschäft.

Als vorige Woche Adidas seine Partnerschaft mit Mesut Özil bekannt gab, hieß es in Bild, einige Mitspieler in der Nationalelf hätten - womöglich aus Neid über den profitablen Vertrag ihres Kameraden - die Mitarbeit in der von Adidas geplanten Willkommenskampagne verweigert.

Belege dafür wurden nicht geliefert, möglich ist alles in der eitlen Welt der Fußballer, jedoch auch die Version, die aus Özils Management zu hören ist: Diese Geschichte sei eine von der Gegenseite gestreute Gemeinheit. Immerhin: Der auf Twitter gestarteten Aktion "Mesut is my brother" hat sich bisher der Adidas-Kollege Bastian Schweinsteiger angeschlossen.

Sponsoren-Streit FC Bayern bestraft Götze, Gomez und Kirchhoff

Drei Bayern-Spieler erhalten Geldstrafen für ihre Auftritte in Kleidungsstücken ihres Privatsponsors. NBA-Center Dwight Howard wechselt zu den Houston Rockets. 1860-Trainer Alexander Schmidt setzt Benni Lauth als Kapitän ab. Sporticker