Interview Mario Götze: "Ich habe Fehler gemacht"

Seit 2013 beim FC Bayern: Nationalspieler Mario Götze.

(Foto: dpa)

Mario Götze kämpft mit einem Imageproblem, seit er aus Dortmund zum FC Bayern gewechselt ist. Im SZ-Interview spricht er über seine eigene Schuld daran - und über verdrehte Tatsachen.

Von Christof Kneer und Benedikt Warmbrunn

Mario Götze, der Schütze des Siegtreffers für die deutsche Nationalmannschaft im Finale der Fußball-WM 2014 in Brasilien, hat sich erstmals detailreich zu dem Image-Problem geäußert, das ihn seit dem Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Bayern begleitet. "Ich habe eigene Fehler gemacht, aber auch viele Dinge ertragen müssen, die verdreht wurden", sagt er in einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagausgabe) und fügt an: "Die letzten beiden Jahre waren jedenfalls wie ein Reifeprozess für mich."

Götze war nach dem Transfer, der unmittelbar vor dem Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München 2013 bekannt geworden war, vieles vorgeworfen worden: "Wahrscheinlich haben die Leute gedacht: Der ist da nur wegen Geld hingegangen. Das ist kein guter Mensch", sagt Götze, der im Rückblick erkennt, dass es ein Fehler war, seine Beweggründe für den Wechsel nicht offensiv erklärt zu haben.

Er wirbt allerdings auch um Verständnis: "Man muss sich noch mal die Zeit von damals vor Augen führen: Die Saison lief auf ihren Höhepunkt zu, alle hatten das Finale im Kopf, und ich hatte ganz andere Sorgen als meinen Wechsel. Ich war verletzt, total mit meinem Körper beschäftigt, und dann war ich traurig, als klar wurde, dass ich das Finale in London nicht spielen kann." Es habe einige Zeit gedauert, bis ihm bewusst geworden sei, dass sein Schweigen dazu beigetragen habe, dass "weiter fleißig ruminterpretiert" wurde.

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"Ich hatte kein Interesse, Bayern zu verlassen"

Auch seinen Auftritt in einem Nike-T-Shirt bei der Präsentation beim Adidas-Klub FC Bayern sieht Götze heute selbst kritisch: "Vor der Pressekonferenz habe ich mir mehr Gedanken um meine Aussagen gemacht als über mein Outfit", erzählt er, "ich hatte vorher gesehen, dass Cristiano Ronaldo beim Adidas-Klub Real Madrid auch im Nike-Hemd in der Pressekonferenz gesessen ist. Und deswegen habe ich mir keine Gedanken gemacht, als mein Ausrüster mir das Shirt in die Hand gedrückt hat."

Über die vergangene Saison, in der ihn Bayern-Trainer Pep Guardiola in wichtigen Spielen oft auf der Bank ließ, sagt Götze: "Das war nicht leicht für mich." Trotz der Enttäuschung aber habe er im Sommer keinen Vereinswechsel erwogen: "Ich habe mich nie mit einem Wechsel beschäftigt. Kann gut sein, dass andere Klubs Interesse an mir hatten, aber ich hatte kein Interesse, Bayern zu verlassen."

Der 23-Jährige beteuert: "Ich fühle mich sehr, sehr wohl hier, ich bin froh, Bayern-Spieler zu sein." Für seine Zukunft beim Rekordmeister formuliert Götze: "Ich würde sehr gerne ein Gesicht des FC Bayern werden." Er habe in den ersten beiden Jahren schon eine gute Rolle gespielt, "und ich will eine noch größere Rolle spielen".

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