Mario Götze bei der WM Vereinsamt in großen Versprechungen

Mario Götze (re.): Kämpft mit sich und den Erwartungen

(Foto: Getty Images)

Wo ist Götzinho? Mario Götze hat die besten Anlagen, wie ein Brasilianer zu spielen, doch davon gibt es bei der Fußball-WM wenig zu sehen. Stattdessen hat sich der Münchner einen Panzer zugelegt. Er zeigt keine Regung.

Von Thomas Hummel, Belo Horizonte

Vielleicht liegt es daran, dass er mit Marco Reus seinen besten Kumpel im Team verloren hat. Womöglich redet ihm sein Umfeld ein, dass der eigene Internetauftritt wichtiger ist als eine passable Außenwirkung. Sind ihm die 37 Millionen Euro zu Kopf gestiegen? Oder die kolportierten zwölf Millionen Euro Gehalt im Jahr? Das Gerede vom Jahrhundert-Talent, vom deutschen Messi, von Götzinho?

Irgendetwas ist passiert mit Mario Götze während der vergangenen Monate. Was, das weiß niemand so genau. Und diejenigen, die es wissen könnten, sagen nichts. Bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft macht der junge Mann jedenfalls den Eindruck, als bewege er sich in einer anderen Welt. In der Welt des Mario Götze.

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Rückblick. 10. August 2011, der gerade 19-Jährige von Borussia Dortmund spielt zum ersten Mal in der Nationalmannschaft von Beginn an. Gegen Brasilien, in Stuttgart. Deutschland gewinnt hoch verdient und viel zu knapp mit 3:2. Es ist der erst vierte Erfolg einer Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes gegen Brasilien, nie sind die Südamerikaner so chancenlos gewesen.

Wie beim Blumenpflücken

Der Abend wirkte wie ein Erweckungserlebnis. Mario Götze spielte brillant, war dynamisch, dribbelte und passte immer zur rechten Zeit, bereitete das erste Tor vor, schoss das zweite. Dieses etwas kleinere, trickreiche, schnelle Wunderkind trieb die inzwischen berühmte Elite-Ausbildung im Land auf die Spitze. Mit ihm sollte der deutsche Fußball endlich ganz oben ankommen. In diesem Sinne schließt sich am Dienstag in Belo Horizonte ein Kreis. Wieder geht es gegen Brasilien. Mario Götze kann im Halbfinale der Weltmeisterschaft den deutschen Fußball ganz nah an den Olymp bringen.

Dieser Kreis hat allerdings Beulen und Dellen erhalten. Würde jemand eine Umfrage unter deutschen Fans starten, ob er überhaupt auflaufen solle im Éstadio Minerão, das Ergebnis würde wohl gegen ihn sprechen. Mario Götze ist irgendwo zwischen Stuttgart und Belo Horizonte vom Weg abgekommen. Es gibt Momente, da findet er ihn plötzlich wieder. Doch oft erweckt er den Eindruck, als würde er im angrenzenden Feld sitzen und verträumt ein paar Blümchen pflücken. Währenddessen er natürlich einen Fußball mit allen möglichen Körperteilen in der Luft hält. Irgendwas muss man mit so viel Talent schließlich anfangen.

Verdammter Querfortsatz

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Manche bringen die Veränderungen mit seiner Ankunft in München zusammen. In Dortmund erzählten sie von einem freundlichen, offenen Jungen, der lern- und wissbegierig der Welt entgegenkickte. Es folgte der Wechsel, der FC Bayern zahlte die Ausstiegssumme in seinem Vertrag, sein Jugendklub Borussia Dortmund musste machtlos hinterherwinken. Ein Sturm der Entrüstung brach über ihn herein. Vielleicht bewirkte das die Neigung zur Abschottung.