Marco Sturm im Interview "Dieser Hype muss weitergehen"

Bundestrainer Marco Sturm gibt seiner Mannschaft bei den Olympischen Winterspielen Anweisungen.

(Foto: Getty Images)

Der Eishockey-Bundestrainer spricht nach der Olympia-Silbermedaille über die Zukunft seiner Sportart in Deutschland, hohe Erwartungen und darüber, wann er seinen Job als Nationalcoach aufgeben würde.

Von Johannes Kirchmeier und Johannes Schnitzler

Laut Bundestrainer Marco Sturm warten nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen große Herausforderungen auf das deutsche Eishockey. "Dieser Hype muss weitergehen", sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. "Jetzt müssen wir dranbleiben: in der Nachwuchsarbeit, in der Trainer-Ausbildung, der Verband, die Nationalmannschaft, die DEL, alle. Wir müssen das jetzt mitnehmen. Der größte Fehler wäre, uns auf dieser Silbermedaille auszuruhen."

Der Erfolg in Pyeongchang sei schwierig zu wiederholen - und ohne Veränderungen im deutschen Eishockey unmöglich. Sturm spricht sich insbesondere für ein Umdenken in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aus, die an diesem Mittwoch in die Playoffs startet - und an vielen Standorten von Spielern aus Nordamerika geprägt wird. "Mein Ziel ist es", sagt Sturm, "dass wir mehr junge deutsche Spieler fördern und ihnen eine faire Chance geben, sich in der Liga zu beweisen. Wir müssen jünger werden."

Seine persönliche Zukunft lässt Sturm offen, zumindest langfristig, über die Weltmeisterschaft in Dänemark im Mai hinaus. Der frühere NHL-Spieler will eines Tages nach Amerika zurückwechseln. "Wenn ich irgendwann mal in der besten Liga der Welt arbeiten kann, dann mache ich das. Das ist mein Ziel. Aber wann das ist? Momentan gehe ich davon aus, dass ich Bundestrainer bleibe." Bei der WM geht es ihm nun zunächst darum, die hohen Erwartungen "unter Kontrolle zu bekommen". Er sagt: "Wir müssen uns neu beweisen."

Im SZ-Interview lässt Sturm nochmals das wundersame Turnier Revue passieren, den schwachen Start, den ersten Sieg gegen Norwegen, bis zum ersten Schmerz nach der Finalniederlage gegen Russland. Er erzählt, was auf einem Team-Meeting in Füssen geschah, an das sich die Mannschaft in Pyeongchang immer wieder erinnerte. Er spricht über seine Reaktion nach dem Sieg gegen Kanada, als feststand, dass Deutschland eine Medaille gewinnen würde: "Das war nicht cool, das war Schockzustand! Dieser Moment, das Kanada-Spiel, war für mich das Highlight überhaupt." Und Sturm verrät, welche Musik in der Kabine lief: "Don't worry, be happy."

"Das hatte nichts mit Coolness zu tun"

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