Schwimmer Marco Koch Zur Belohnung einen Berg Dreck

Marco Koch: Gut gesättigt nach dem WM-Titel

(Foto: Getty Images)

Als neuer Weltmeister geht Marco Koch erstmal Chicken Wings essen: Der bodenständige Brustschwimmer ist eine große Olympia-Hoffnung - und der Ernährungsexperte der Deutschen.

Von Claudio Catuogno, Kasan

Am Freitagabend hat Marco Koch noch schnell den Plan geändert. Immer schön flexibel bleiben, auch als Weltmeister. "Zu McDonald's war es halt näher als zu Burger King", sagt Koch am Tag darauf, also ist er dorthin losgezogen mit der Physiotherapeutin und dem Team-Arzt vom Deutschen Schwimm-Verband. Um sich "zu belohnen".

Die Belohnung bestand dann aus zwanzig Chicken McNuggets mit süß-saurer Soße sowie "einem kleinen Burger". Bei letzterem hat Koch offenbar sogar das Brötchen mitgegessen. So sieht es also aus, wenn der Schwimmer Marco Koch, 25, aus Darmstadt, der erste deutsche Weltmeister über 200 Meter Brust, mal so richtig über die Stränge schlägt.

Das Entscheidende an den zwanzig Chicken McNuggets ist allerdings gar nicht, dass Marco Koch sich damit seinen hungrigen Schwimmermagen vollgestopft hat am Abend nach dem Rennen, das er in 2:07,76 Minuten als Erster beendete, vor Kevin Cordes aus den USA (2:08,05) und dem Ungarn Daniel Gyurta (2:08,10). Das Entscheidende ist, dass es Marco Koch seit einiger Zeit schafft, das restliche Jahr auf die frittierten Hühnerteilchen zu verzichten.

"Vegan mit Fleisch" ist schon ein geflügeltes Wort

Seit Marco Koch vor zwei Jahren bei der WM in Barcelona als einziger DSV-Beckenschwimmer eine Medaille gewann, damals war es Silber, hat er oft über seine Lebensmittel-Unverträglichkeiten berichtet. Sein neues Ernährungskonzept "Vegan mit Fleisch" ist fast schon zum geflügelten Wort geworden bei den Nationalmannschafts-Schwimmern.

Koch gilt jetzt als der Ernährungsexperte im Team. Das alles war aber erst der zweite Schritt eines Prozesses, der jetzt tatsächlich zum ersten Titel eines Deutschen bei einer Schwimm-WM seit 2009 geführt hat. Bevor sich Marco Koch von Gluten und Milcheiweiß verabschiedet hat, musste er sich erst mal von Fastfood und Süßigkeiten verabschieden. Das war der erste Schritt.

Man muss wissen, wie sehr Koch Burger und Gummibärchen früher mochte, um zu verstehen, warum ihn so ein Besuch im Schnellrestaurant jetzt mit so viel Glück erfüllt, dass er ihn in Kasan fast in jedem Interview erwähnt. Marco Koch sagt es so: "Das ganze Jahr über ist man hart zu sich selbst. Da ist es für mich jetzt halt eine Belohnung, einfach mal sinnlos irgendeinen Dreck zu essen."

Sorry McDonald's, sorry Burger King. Marco Koch, der jetzt quasi der Chef-Koch der deutschen Schimmer ist, hat tatsächlich "Dreck essen" gesagt.

Medaille im Rucksack

Marco Koch hat all das am Samstagmittag in einer Lounge des Fußballstadions von Kasan erzählt, in der sein Ausrüster für die Zeit der Schwimm-WM einen Treffpunkt eingerichtet hat. Seine Medaille lag auf der Lehne des weißen Leersessels; man hatte ihn extra darum gebeten, sie mitzubringen. Wegen der Fotos. Sonst hätte Koch nicht daran gedacht. Er hat am Freitagabend den Rucksack mit der Medaille in seinem Hotelzimmer ins Eck gestellt und nicht mehr reingeguckt, obwohl er bis um drei Uhr morgens nicht in den Schlaf fand. Seine zwei anderen wichtigen Medaillen, WM-Silber 2013 und EM-Gold 2014? "Könnte ich jetzt gar nicht sagen, wo ich die habe."

Und als Marco Koch dann am Samstagmorgen aufgewacht ist nach einer kurzen Nacht, da war sein erster Gedanke auch nicht etwa: "Wahnsinn, ich bin Weltmeister!" Sondern: "Welcher Zug hat mich denn überrollt?"