Beim Sieg der Rumänin Constantina Tomescu wird Marathonläuferin Melanie Kraus 38. - und freut sich über ihren Platz mehr als eine Konkurrentin, die weiter vorne landet.
Achteinhalb Minuten sind keine Ewigkeit, und deswegen hat es sich Melanie Kraus, 33, von Bayer Leverkusen erlaubt, zu jubeln bei ihrem Zieleinlauf nach 2:35:17 Stunden beherzter Lauferei beim Olympia-Marathon von Peking. Achteinhalb Minuten Rückstand, genauer gesagt 8:33 Minuten Rückstand auf Constantina Tomescu aus Rumänien, Siegerin in 2:26:44 Stunden, bedeuteten Platz 38 für Melanie Kraus, was nach nicht viel klingt, in Wirklichkeit aber sehr wohl ein kleiner Sieg war für sie.
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Constantina Tomescu, Siegerin des Marathons. (© Foto: dpa)
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"Ich habe vor dem Rennen gesagt, ich kann zufrieden sein, wenn ich mir das Rennen gut eingeteilt habe und ich keine taktischen Fehler mache", sagte Kraus. Und das hatte sie getan, sich bis Kilometer zurückgehalten mit dem Tempo, Kraft gespart, ehe Paul-Heinz Wellmann, Leichtathletik-Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen und früher selbst ein Spitzenläufer, bei Kilometer 25 vom Streckenrand aus ihre Befindlichkeit prüfte und ihr das Zeichen zur Tempoverschärfung gab.
Mit ausgebreiteten Armen, segelnd wie ein Vogel, ist Melanie Kraus ins Ziel eingelaufen, als Tomescu längst ihre Ehrenrunde drehte und auch die übrigen Medaillengewinner die Glückwünsche ihrer Anhänger entgegennahmen: Catherine Ndereba aus Kenia (2:27:06) hatte sich im Zielsprint Silber gegen die Chinesin Chunxiu Zhou (2:27:07) gesichert. Melanie Kraus' Ziel war gewesen, ins imposante Nationalstadion in Peking einzulaufen, das alle nur Vogelnest nennen, und weil Melanie Kraus eine Schwäche für Symbolhandlungen hat und daheim viele Freunde sich die Nacht um die Ohren geschlagen hatten, um das Rennen zu anzuschauen, wollte sie ihren Zieleinlauf aussehen lassen wie die Landung nach kühnem Vogelflug.
Grund zur Freude
Mancher mag diesen Jubel etwas übertrieben gefunden haben, aber Melanie Kraus hatte schon recht, sich zu freuen. Schon die Qualifikation für den Olympia-Marathon ist keine Selbstverständlichkeit, und mit den Besten mitzuhalten unmöglich für eine wie sie, die eine Bestzeit von 2:27:57 hat. Ihre Wattenscheider Landsfrau Irina Mikitenko, die Gewinnerin des London-Marathons 2008, hätte das vielleicht schaffen können, aber die hatte kurz vor der Abreise nach China verletzt absagen müssen.
Melanie Kraus musste sich darauf verlegen, aus ihrer Teilnahme einen für ihre Verhältnisse guten Wettkampf zu machen, genauso wie vor einem Jahr bei der WM im schwülheißen Osaka/Japan, als sie 20. wurde. Und das gelang. "Ich denke, ich bin sehr gut angekommen", sagte sie. Zumal sie beste Deutsche war. Susanne Hahn aus Saarbrücken kam in 2:38:31 Stunden auf Platz 52.
Es hatte ein paar Befürchtungen gegeben vor dem Marathon, vor allem zu Beginn der Spiele, als noch ein heißer, dreckiger Nebel über Peking lag und den Menschen den Atem raubte. Aber dann kam der Regen, wusch die Luft rein und milderte die Bedingungen. Es war schwül am Sonntag in der chinesischen Hauptstadt, aber nicht unerträglich heiß unter dem bedeckten Himmel. "Die Bedingungen waren nicht so schwer wie in Osaka", sagte Melanie Kraus. Und zwischendurch konnte sie sich sogar amüsieren. Sie hatte vorher gesagt, dass es bei ihrem Lauf bestimmt regnen würden. Leichter Regen tut gut beim Laufen. Prompt begann es nach ein paar Kilometern zu tröpfeln. "Da musste ich ein bisschen lachen", sagte Melanie Kraus.
Der Lauf ging ohne schwere Zwischenfälle zu Ende. Nur eine stand hinterher etwas traurig in der Interviewzone. Paula Radcliffe, die britische Weltrekordlerin (2:15:25), New-York-Marathon-Gewinnerin, Weltmeisterin von 2005. Sie war gekommen, um ihr Olympia-Trauma zu besiegen. Aber ihre Vorbereitungen waren wegen eines Ermüdungsbruchs gehemmt. Sie kam nicht gut durch, musste zwischendurch sogar vor Schmerzen gehen und humpelte nach 2:32:38 Stunden ins Ziel. Auf Platz 23. Paula Radcliffe konnte sich darüber nicht so freuen wie Melanie Kraus über ihren 38. Platz.
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(sueddeutsche.de/aum)
Kosovo-Konflikt