Manuel Neuer im Gespräch "Ich habe Rücksicht genommen"

SZ: Und in Buer wird man quasi automatisch zum Ultra? Sie trugen ja auch als Profi lange ein Hemd mit der Aufschrift "Buerschenschaft" unter Ihrem Trikot.

"Ich weiß nicht, ob es richtig ist, immer so loyal zu sein": Nationaltorhüter Manuel Neuer.

(Foto: dpa)

Neuer: Die Buerschenschaft hat nichts mit dem Klub Schalke zu tun, das ist ein Freundeskreis mit vielen begeisterten Schalke-Fans. Wir sind immer gemeinsam zu Spielen gefahren. Das T-Shirt trage ich übrigens schon länger nicht mehr, ich hab darin zu sehr geschwitzt.

SZ: Trotzdem nehmen Ihnen radikale Bayern-Fans dieses Jugendkapitel übel.

Neuer: Ich kann mit 16 Jahren doch nicht wissen, wie ich mich als Fußballer entwickle, ob ich mal Profi oder vielleicht sogar Nationalspieler werde.

SZ: Ob Sie also mal eine Entscheidung im Sinne der Karriere treffen müssen.

Neuer: Genau. Ich kann als 16-Jähriger schlecht sagen: Ich höre jetzt auf, mich in die Fankurve zu stellen, weil in sieben oder acht Jahren vielleicht mal ein Vereinswechsel ansteht. Ich hätte all meine Freunde verloren, wenn ich mit 16 aufgehört hätte, Schalke-Fan zu sein.

SZ: Im Winter hat die Bundesliga noch heftig über Söldner diskutiert...

Neuer: ...und mir hat man meine jahrelange Treue zu Schalke vorgeworfen. Ich habe das schon als komisch empfunden.

SZ: Was haben Sie aus der ganzen Geschichte gelernt?

Neuer: Dass man manchmal besser seinen Mund halten sollte. Es ist anscheinend nicht immer richtig, wenn man als Spieler zu allen ehrlich ist. Ich habe schon im März Felix Magath (früherer Schalke-Trainer, d. Red.) Bescheid gesagt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern will. Es war abgestimmt, dass wir nach dem Valencia-Spiel bekannt geben, dass ich den Verein verlassen möchte. Das wäre eine klare Aussage gewesen, ich glaube, dass mein Abschied dann anders verlaufen wäre.

SZ: Aber?

Neuer: Ich habe Rücksicht genommen. Ich merkte, dass bei uns ein Trainerwechsel ansteht, da wollte ich nicht noch mehr Unruhe reinbringen. Ich habe abgewartet, wie die Positionen besetzt werden, und dann mit Manager Horst Heldt und dem neuen Trainer Ralf Rangnick gesprochen. Das lief wieder offen und ehrlich.

SZ: Aber der richtige Zeitpunkt war verpasst, es wurde eine Hängepartie.

Neuer: Ich hab schon gelitten in dieser Zeit. Ich weiß nicht, ob es richtig ist, immer so loyal zu sein. Vielleicht muss ich künftig mehr an mich denken. Aber ich kann in den Spiegel schauen und sagen, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe.

SZ: Worunter litten Sie am meisten?

Neuer: Dass ich mich nicht richtig verabschieden konnte. Nicht mal auf der eigenen Siegesfeier nach dem Pokalfinale, erst recht nicht am Tag danach beim Autokorso. Der Verein hat sich Zeit gelassen, ich verstehe ja die Interessen des Klubs, aber es wäre vielleicht nicht verkehrt gewesen, wenn ich wenigstens intern eine kleine Abschiedsfeier hätte machen können, im Kreise der Mannschaft.

SZ: Beim Bankett nach dem Pokalsieg sah man, wie Vereinschef Clemens Tönnies mit Ihnen mitten in der Nacht an der Spree stand und auf Sie einredete. Ganz ehrlich: Hat diese letzte Schalker Offensive Sie noch mal schwanken lassen?

Neuer: Nein. Es ging da nochmal ums Geld, dass ich noch mehr verdienen könnte auf Schalke, aber das war für mich nicht wichtig. Geld ist kein Kriterium bei meinem Wechsel. Es geht um meine persönliche Weiterentwicklung und um den sportlichen Erfolg. Bayern ist einfach der beste Verein in Deutschland, deshalb wechsle ich dorthin. Es geht um meine Karriere, ich habe nur diese eine.

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