Manuel Baum im SZ-Interview "Ein Sieg gegen den FC Bayern wäre eine Zwei"

Früher Realschullehrer, heute Bundesligatrainer: Augsburgs Manuel Baum.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Früher war Manuel Baum Realschullehrer, jetzt trainiert er den FC Augsburg. Vor dem Bundesliga-Spiel in München erklärt er die "Scheißhausfliegenmentalität" seines FCA.

Von Sebastian Fischer und Maik Rosner

Trainer Manuel Baum vom FC Augsburg geht mit großen Ambitionen in das Spiel beim FC Bayern am Samstag (15.30 Uhr). "Ein Sieg wäre eine Zwei. Ein Sieg und richtig gut zu spielen, das wäre eine Eins", sagt der frühere Realschullehrer im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Donnerstags-Ausgabe). Die Vorbereitung auf die Begegnung würde nicht anders laufen als vor anderen Bundesligaspielen. "Wir unterschätzen oder überschätzen niemanden. Auch beim FC Bayern bleibt der Ablauf derselbe", sagt er.

Sein erstes Gastspiel beim FC Bayern verlor Baum in der vergangenen Saison mit 0:6. Es war das vierte sieglose Augsburger Spiel in Serie, zwei weitere sollten folgen, damals drohte der Abstieg. Der FCA hielt zwar die Klasse, galt jedoch im Sommer wieder als Abstiegskandidat. Und so mancher unterschätzte wohl auch den Trainer. 2014 war er in der dritten Liga bei der SpVgg Unterhaching beurlaubt worden, dann arbeitete er in Augsburg zunächst als Nachwuchs-Cheftrainer, im Dezember 2016 übernahm er die Profimannschaft. Und nun trainiert der 38-Jährige eine der Überraschungsmannschaften der Saison: Augsburg ist Zehnter, mit acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Von der Mannschaft fordert Baum eine "Scheißhausfliegenmentalität"

Im Interview erklärt Baum die Augsburger Stärke. "Unser Stil legt den Schwerpunkt auf hohe Laufbereitschaft, aggressives Pressing und Balleroberung", sagt Baum, von der Mannschaft fordere er eine "Scheißhausfliegenmentalität": "Dass man sofort hinterhergeht, wenn man den Ball verliert. Wie bei einer Fliege, die ich nie loswerde. Und dann ist die schon wieder da und schon wieder, und irgendwann sagt man: ,Ach, jetzt bleibst du halt da sitzen, jetzt habe ich keine Lust mehr.' Das ist einfach eine Mentalität, die die Jungs mitbringen. Das ist eine Eigenschaft, die der Verein gerne sieht, und wir versuchen dieses ,Nie aufgeben' als Wert in die Mannschaft zu bringen."

Baum unterstreicht Augsburgs Ziele - nicht die Europa League, sondern der Klassenverbleib - und die Rolle als Entwicklungsverein: "Unser Alleinstellungsmerkmal ist es, dass wir ruhiger Spieler entwickeln können als andere Mannschaften." Beispielhaft dafür nennt er die Sommer-Zugänge Michael Gregoritsch und Rani Khedira, oder Philipp Max, den zurzeit besten Tor-Vorbereiter der Liga, für den Baum eine Nominierung für die Nationalmannschaft fordert: "Er hätte es sich verdient gehabt."

Warum Baum, der bis 2014 an der Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen Sport und Wirtschaft, Recht und Buchführung unterrichtete, Trainingseinheiten wie Schulstunden vorbereitet, was er von Prüfungen in der Kabine und auswendig gelernten Spielzügen hält, wie er seinen eigenen Aufstieg erklärt und welche taktischen Trends er in der Bundesliga ausgemacht hat, lesen Sie im kompletten Interview mit SZ-Plus. Darin lesen Sie auch, wie ihn seine Arbeit als Taktik-Flüsterer von Erik Meijer für den TV-Sender Sky inspiriert: "Der Fußball von Real Madrid würde bei uns wahrscheinlich nicht funktionieren, weil wir einfach die Spieler dazu nicht haben."

"Die Spieler werden auf ein Szenario trainiert"

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