Manipulationsskandale in Frankreich 400 Flaschen Wein für ein Remis

Verdächtige Verbindungen: Marseilles Stürmer André-Pierre Gignac (links mit dem Pariser Blaise Matuidi)

(Foto: AFP)

EM-Gastgeber Frankreich plagen gleich zwei Fußball-Skandale. Während Nîmes Olympique mit Alkohol um den Ligaverbleib gekämpft haben soll, steht Olympique de Marseille im Verdacht, der korsischen Mafia als Geldmaschine zu dienen.

Von Oliver Meiler, Paris

400 Flaschen Wein für ein dienliches Unentschieden - was sich wie eine barocke Posse anhört, zieht gerade wie ein "Sturm" über den französischen Fußball, wie die Sportzeitung L'Équipe titelt. Andere Zeitungen schreiben von einer "schwarzen Stunde", einem "Albtraum", gar von der "Apokalypse". Eineinhalb Jahre vor der Europameisterschaft in ihrem Land beschäftigen die Franzosen gleich zwei Skandale, in denen es um mutmaßliche Spielmanipulationen, Bestechung, Korruption, dunkle Transferkommissionen, falsche Rechnungsführung und Verbindungen zur Unterwelt geht. Mehrere Vereinspräsidenten, aktive und ehemalige, wurden schon verhört - in Polizeigewahrsam.

Aber zunächst zurück zum Wein. Die Szene trug sich im vergangenen Mai in der Normandie zu, beim Spiel Stade Malherbe Caen gegen Nîmes Olympique, Ligue 2. Nîmes kämpfte um den Ligaverbleib, Caen um den Aufstieg. Beiden Teams reichte ein Punkt für ihr Ziel.

Die Präsidenten redeten miteinander, man fand sich schnell. Es gibt eine Aufzeichnung des Telefongesprächs. Nîmes' Präsident Jean-Marc Conrad sagt darin, er werde sich mit einem Geschenk erkenntlich zeigen. Und so reisten im Gepäckabteil des Busses der Nîmois auch 400 Flaschen Wein mit, die dann vor dem Spiel in die Kabine Caens getragen wurden. Das Spiel endete 1:1, es gab Pfiffe von den Rängen: Die letzten zwanzig Minuten waren ein trostloses Ballgeschiebe.

Nun erfahren die Franzosen, dass die "Krokodile", wie der Verein aus Südfrankreich genannt wird, in etlichen weiteren Fällen versucht hatten, ihre Gegner zu bestechen. Oft mit viel Geld statt nur mit Wein. Der Hauptaktionär des Klubs, Serge Kasparian, Betreiber eines Pariser Wettbüros, hatte sich im vergangenen Frühjahr in den Verein eingekauft und fürchtete um sein Investment; ein Abstieg hätte ihn viel Geld gekostet.