Indiskretionen über den Transfer von Torwart Howard enthüllen ein Intrigengeflecht um Manchesters Trainer.
Lügen, Intrigen, krumme Geschäfte und Unsummen von Geld - im "United Clan", der täglichen Fußball-Seifenoper aus Old Trafford, Manchester, sind die Geschichten zur Zeit mal wieder besonders aufregend. Auch, weil Trainer Sir Alex Ferguson in seiner brillanten Rolle als "Alexis", das Biest, alle Register zieht.
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Erst letzte Woche wurde er vom PSV Eindhoven und dem FC Fulham bezichtigt, zwei jungen Stürmern mit unlauteren Methoden den Kopf verdreht zu haben: Ferguson hatte PSV-Talent Arjen Robben, 19, ohne Wissen des Vereins zu einer Stippvisite nach Manchester eingeladen und gleichzeitig zum Ärger von Fulham-Besitzer Mohamed Al Fayed heftigst mit Louis Saha geflirtet. Diese Affären sind vorerst beendet - vor dem Sommer wird sich in beiden Fällen nichts tun. Doch die nächste Story ist ohnehin viel explosiver.
Jetzt hat die Sunday Times merkwürdige Details des Transfers von Torhüter Tim Howard von den New York MetroStars zu Manchester United enthüllt. Der 24-jährige Amerikaner, derzeit Stammkeeper bei ManU, war im Sommer für umgerechnet 3,3 Millionen Euro gekommen.
Manchester zahlte dem in der Schweiz residierenden Fußballagenten Gaetano Marotta, der laut United die Verhandlungen geleitet hatte, eine sechsstellige Kommission. 200.000 Euro, der Großteil dieser Summe, floss wiederum an Mike Morris weiter, einen Agenten aus Monaco. Warum Morris, der allem Anschein nach an dem Deal nicht beteiligt gewesen ist, Marotta diese stattliche Kommission in Rechnung stellte, konnte und wollte United bisher nicht erklären.
Transfers von 70 Millionen Euro
Pikant ist die Sache jedoch, weil Morris seit langem sehr eng mit Jason Ferguson zusammenarbeitet; der Sohn von Sir Alex betreibt eine Agentur namens Elite, die laut Sunday Times die Telefonrechnung von Morris bezahlt. Es gibt keine Hinweise, dass Morris das Geld an Ferguson junior weitergegeben hat, aber es ist nicht das erste Mal, dass Jason Ferguson in einen United-Transfer verwickelt ist.
Der junge Mister Ferguson handelt derzeit im Auftrag des Vaters dessen neuen Vertrag aus, und mit der Hilfe von Elite hat der Verein in den vergangenen Jahren Spieler im Wert von rund 70 Millionen Euro gekauft und verkauft; allein für den 24 Millionen Euro teuren Abgang von Jaap Stam zu Lazio Rom bekam Elite etwa zwei Millionen Euro Vermittlungsgebühr.
Fifa-Statuten schreiben vor, dass höchstens fünf Prozent der Transfersumme an Agenten gehen dürfen. Ein Vorstandsmitglied von United hat Sir Alex damals beiseite genommen und vor einem Interessenkonflikt gewarnt; ähnlich besorgt dürfte man im Aufsichtsrat auch diesmal sein. Als Aktiengesellschaft muss sich United um Transparenz und hohe Standards bemühen.
Dem englischen Fußballverband (FA) liegt ebenfalls ein Dossier des Howard-Transfers vor. Große Gefahr droht dem Trainer daraus allerdings nicht: Erstens ist Nepotismus noch kein Verbrechen, und zweitens hat die FA in der Vergangenheit wenig Initiative gezeigt, wenn es um mysteriöse Zahlungen an Agenten ging. Graham Bean, ein vom Verband eigens dazu eingesetzter ehemaliger Polizist, trat aus Mangel an Unterstützung im Sommer entnervt zurück.
Streit mit früheren Geschäftspartnern
Damit könnte diese Episode schließen. Aber es wird noch ein bisschen dramatischer. Zitat Marotta: "Diese Geschichte hat nichts mit mir oder Tim Howard zu tun. Sie kommt von Leuten, die der Familie Ferguson zusetzen wollen." Wen der Agent damit meint, ist klar: Seit sich Alex Ferguson im Herbst zur Überraschung vieler Experten entschlossen hat, seine früheren Geschäftspartner John Magnier und JP McManus vor Gericht zu ziehen - er fordert die Hälfte der zukünftigen Decktaxen des Rennpferdes Rock of Gibraltar, der Streitwert beläuft sich auf circa 36 Millionen Euro -, glauben viele Insider, dass die schwerreichen Iren gegen den Trainer intrigieren.
Nur wenige Menschen hatten Einblick in die Howard-Unterlagen, die der Sunday Times zugeschoben worden waren. Der Verdacht fällt also natürlich auf Magnier und McManus, die ihre Anteile an Manchester United im vergangenen Jahr von einem Zehntel auf knapp 25 Prozent vergrößert und entsprechenden Einfluss im Klub haben.
Michael Crick, ein angesehener Journalist, will jetzt herausgefunden haben, dass zwei Schauspielerinnen und zwei Privatdetektive in Uniteds Aktionärsversammlung im November eingeschleust worden sind, um Ferguson mit unangenehmen Fragen in ein schlechtes Licht zu stellen. Außerdem soll eine Detektivagentur gegen Sir Alex ermitteln. Cric hat seine Beweise David Gill überreicht, doch dieser hat wenig Handlungsspielraum: Wie soll sich Uniteds Vorstandsvorsitzender verhalten, wenn der wichtigste Angestellte zwei der größten Aktionäre verklagt? Fortsetzung folgt. Garantiert.
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(SZ vom 14.1.2004)
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