Roy Makaay spielt beim Freundschaftsspiel in Nürnberg 72 Minuten lang, Bayern und La Coruña streiten derweil weiter wegen des teuersten Transfers in der Vereinsgeschichte des deutschen Rekordmeisters.
Es ist angebracht, an dieser Stelle an den kürzlich verstorbenen Adi Preißler zu erinnern und an sein legendäres Wort von der Wahrheit, die auf dem Platz liege. Die Wahrheit um Roy Makaay, den 28 Jahre alten Angreifer niederländischer Herkunft, zirkulierte bisher nur in Bilanzbüchern, tickerte über Fax-Geräte und wurde von allen Seiten gebogen und interpretiert. Roy Makaay war bis gestern Abend ein Phantom, ein Name, mit dem sich gigantische Zahlen verbanden, eine Person, die im Mittelpunkt eines großen Streits zweier Fußballklubs stand, für die Makaay vor allem ein Verhandlungsobjekt war.
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Seit gestern aber, 19.34 Uhr, ist aus dem Transfergegenstand Roy Makaay endlich ein Fußballer geworden, der ab sofort auf dem Platz beweisen muss, ob er den ganzen Ärger und das ganze Geld für den FC Bayern München wert war. Immerhin weiß man nun, nach dem 2:0-Sieg der Bayern beim 1. FC Nürnberg, dass Makaay vielleicht einen längeren Anlauf in die Bundesliga nehmen muss, als dass manche erhofft hatten. In seinem ersten Spiel jedenfalls schoss nicht Makaay ein Tor, sondern Giovane Elber - sein ziemlich unverblümt zum Verkauf gestellter Sturmpartner, und Sebastian Deisler das zweite, als Makaay schon gar nicht mehr mitspielen durfte.
Ob der ganze Zwist zwischen seinem bisherigen Verein Deportivo La Coruña und dem FC Bayern München nun vergessen sein wird, ist aber sehr fraglich. Denn sie raufen sich weiter, die beiden Parteien, die so viele Wochen um den Torschützenkönig der spanischen Liga gestritten haben, inzwischen auf reichlich schlammigem Terrain. Zuletzt konterte Augusto Cesar Lendoiro, der etwas selbstherrliche Präsident von Deportivo, Anwürfe aus München mit einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Er hatte den Deutschen mitzuteilen, dass sie "gut Fußball spielen mögen, aber sie verhandeln sehr schlecht".
Lendoiro reagierte auf den Vorwurf aus München, geäußert vom Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern AG, Karl-Heinz Rummenigge, wonach Lendoiro "menschlich sehr klein" sei, wobei er ungalant auf die geringe Körpergröße des Deportivo-Chefs anspielte und zudem noch von einer regelrechten "Erpressung" zu berichten wusste. Roy Makaay habe, um seine Freigabe zu bekommen, auf sein rechtmäßig ihm zustehendes Juli-Gehalt der Spanier verzichten müssen. Außerdem empfahl Rummenigge den Lizenzprüfern in Spanien einen besonders aufmerksamen Blick in die Bücher des Klubs. Was sie dort finden könnten, ließ er im Dunkeln.
Lendoiro mag solche Vorlagen, es war ihm auch gestern eine Freude, den Bayern ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Er habe sofort gewusst, sagte Lendoiro, dass die Bayern "alles unterschreiben würden", als sie Makaays Berater Rob Jansen als Unterhändler zu ihm geschickt hätten. "Sie haben es uns einfach gemacht, weil sie schwerwiegende Fehler begingen", sagte Lendoiro höhnisch, und er nannte eine neue Zahl: Wenn er alles zusammen rechne, dann hätte dieser Transfer den FC Bayern annähernd 30 Millionen Euro gekostet. Der deutsche Klub habe mit der Ehre von Deportivo gespielt. Und die Sache mit der Erpressung? Lendoiro sagte, er habe Makaay das Monatsgehalt abgeschwatzt, weil der sich im Juli ohnehin schon für einen neuen Verein geschont habe.
Es ist also mal wieder Zeit für eine Deeskalation, den ersten Schritt unternahm Bayern-Manager Uli Hoeneß. Zwar nannte er die Verhandlungsstrategie Lendoiros nochmal "unseriös", weil der fertige Vertrag, der vergangenen Montag nach Spanien geschickt worden sei, plötzlich nicht mehr gegolten habe. Aber immerhin, Hoeneß nahm die Androhung Rummenigges zurück, Deportivo wegen einer Erpressung bei der Fifa anzuzeigen, und er kündigte an, dass der FC Bayern vertragsgemäß bei einem der nächsten beiden Sommerturniere in La Coruña antreten wird: "Da machen wir einen schönen Ausflug".
Den unternahmen auch erstaunlich viele Menschen ins Frankenstadion, wo der Makaay-Hype seinen vorläufigen Höhepunkt fand, in einem Freundschaftsspiel vor fast 30.000 Zuschauern gegen den Zweitligisten. Makaay lief als erster ins Stadion, stolz die Nummer zehn tragend. Er brauchte zwölf Minuten, bis er zum ersten Mal den Ball berührte, und weitere vier Minuten, ehe er ihn Richtung Tor schießen wollte - der Ball rutschte ihm ab und strebte der Eckfahne zu. In der 31. Minute prüfte er zum einzigen Mal Nürnbergs Torwart Darius Kampa, und nach der Pause lachte ihn das überwiegend feindlich gesinnte Publikum aus, als er über den Ball trat. Nach 72 Minuten wechselte Ottmar Hitzfeld Roy Makaay aus. Das Phantom ist nun endlich keines mehr.
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