Mainz 05 vor dem Saisonstart Mit Impulstagen in eine bessere Zukunft

Er muss seine Mannschaft neu formen: Trainer Thomas Tuchel. 

(Foto: dpa)

Viele Etablierte sind weg, was können die Neuen? Mainz 05 muss nach dem Weggang von Topstürmer Adam Szalai wieder mal einen Umbruch bewerkstelligen. Den Fans gefällt dies zum Teil nicht - doch der Verein hat häufig bewiesen, dass er in der Lage ist, sich stets neu zu erfinden.

Von Tobias Schächter, Mainz

Vergangenen Samstag war Adam Szalai noch einmal in Mainz. Der zum FC Schalke gewechselte Stürmer wollte sich nach drei Jahren bei Mainz 05 nicht einfach davonstehlen. Der Ungar schüttelte viele Hände, sagte stilvoll tschüss und fragte noch, wann er denn mit seinem neuen Klub auf den alten treffe. Am fünften Spieltag, erfuhr Szalai und antwortete: "Dann wird's eklig."

So jedenfalls schilderte der Mainzer Trainer Thomas Tuchel Szalais Reaktion später beim Stadionfest. Von der Konkurrenz als unbequemer Gegner angesehen zu werden, fassen sie in Mainz als Ritterschlag auf. Mit solchen Anekdoten versuchen Tuchel und Manager Christian Heidel zurzeit, die Bedenken besorgter Anhänger vor dem Saisonstart zu entkräften.

Die ganz große Euphorie ist verflogen, nachdem der FSV in der Rückrunde nur zwei Heimsiege schaffte und die Saison auf Rang 13 beendete. Dass statt Mainz der SC Freiburg im Europapokal spielt, wirkt für einige Fans ernüchternd. Rund 18 000 Dauerkarten sind derzeit verkauft, knapp 2000 weniger als im Vorjahr. Und der Verlust von Torjäger Szalai sowie der erneute Umbruch im Kader gibt jenen Fans, deren Ansprüche nach fünf Jahren Bundesliga gestiegen sind, Anlass zur Sorge. Heidel sagt aber: "Für Mainz 05 ist jedes Spiel in Liga eins ein Feiertag."

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Mit rund 26 Millionen Euro für den Lizenzspielerkader befindet sich Mainz 05 in dieser Wertung nach wie vor im unteren Ligadrittel. Eine eigene, aggressive Spielweise gehört deshalb ebenso zum Markenkern des Klubs wie die Kompetenz, junge Spieler besser zu machen und gewinnbringend zu verkaufen. Werdegänge wie die von Lewis Holtby (jetzt Tottenham), André Schürrle (jetzt Chelsea) oder nun Szalai machen den Klub sogar attraktiv für Neue. Sich unter Tuchel ähnlich zu entwickeln wie die drei, sei auch für ihn Motivation gewesen nach Mainz zu wechseln, erzählt Sebastian Polter, U21-Nationalspieler und Stürmer, gekommen vom VfL Wolfsburg.

Warum aber investiert der Klub die Erlöse aus dem Verkauf von Szalai (acht Millionen Euro) und dem Weiterverkauf des in Mainz ausgebildeten Schürrle von Leverkusen zum FC Chelsea (3,8 Millionen) nicht in bekannte Namen? Heidel wird da leidenschaftlich: "Nicht mit uns", sagt er und verweist auf den Hamburger SV. Wenn stimme, was er lese, habe der HSV das Geschäftsjahr mit 20 Millionen Euro Verlust abgeschlossen, Mainz seines hingegen mit einer Million Gewinn: "Aber der HSV hatte nur vier Punkte mehr als wir." Dass mancher denke, man solle endlich höhere Ziele anpeilen, versteht Heidel nicht.

"Wir holten vor drei Jahren Adam Szalai für 600 000 Euro von Real Madrid II. Am Anfang hieß es, er sei ein steifer Bock. Nun werden wir verprügelt, weil wir ihn für acht Millionen Euro an einen Champions-League-Klub verkaufen", ärgert sich Heidel. Das sei doch der einzig gangbare Weg für Mainz 05, so der Manager.

So finanziere man auch die neue Arena, ohne die der Klub keine Chance hätte, in Liga eins zu überleben. Und langweilig wird es unter Trainer Tuchel nicht. Die Mannschaft verbringt derzeit "Impulstage" (Tuchel) mit Bergwandern, Canyoning und Gipfeltouren im Wallis unter Anleitung eines bekannten Extrembergsteigers.

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Auch bei Tuchel saß die Enttäuschung tief nach der Rückrunde. Den Kader breiter aufzustellen war eine Lehre daraus. Freiwillig verzichtet er künftig auf bewährte Kräfte wie Ivanschitz (zu Levante), Caligiuri (Braunschweig) oder Zabavnic (Sandhausen), um den Kader zu verjüngen und neue Reize zu setzen. Jan Kirchhoff schlug Tuchels Rat aus, noch ein Jahr Mainzer Stammspieler zu bleiben, um erst dann zu den Bayern zu wechseln - Schalke nutzte eine Ausstiegsklausel, um Szalai teuer zu verpflichten.

Alle Zugänge sind interessante Spieler: Polter, Dani Schahin (aus Düsseldorf), 23, Angreifer Shinji Okazaki (Stuttgart), 27, zudem Johannes Geis (Fürth), 19, Julian Koch (Dortmund), 22, und Christoph Moritz (Schalke), 23, für das Mittelfeld. Gesucht wird noch ein Linksverteidiger. Insgesamt glaubt Tuchel, man habe ein Team, das "den Funken auf die Tribüne überspringen lassen kann".

Ob einst Woronin, Friedrich, Zidan, Holtby und Schürrle oder nun Ivanschitz, Kirchhoff und Szalai - den Mainzern gelang es stets, Wegzüge von Leistungsträgern zu kompensieren. Ob sie das wieder schaffen und dabei erstmals auch erhöhten Erwartungen gerecht werden, bleibt eine spannende Frage.