Mainz - Freiburg (20.30 Uhr) Kreativer Protest

Die Fans von Mainz und Freiburg wählen eine originelle Demo gegen das letzte Montagsspiel dieser Saison: mit einem selbst organisierten Duell zweier Teams zur bevorzugten Anstoßzeit - am Samstag um 15.30 Uhr.

Von Frank Hellmann, Mainz

Es ist eher ungewöhnlich, dass in einem Fußballstadion die Protagonisten in der Halbzeitpause nicht in die Kabine gehen. Sondern bei einem 0:3-Rückstand zu ihrem Fanblock marschieren, erst am Zaun die Geschehnisse der ersten Halbzeit besprechen, dann die Hände über den Kopf zusammenführen und das gemeinsame Klatschen beginnen. Schließlich rekrutierte sich jene Mannschaft in den Originaljerseys des FSV Mainz 05 aus denjenigen, die wie in den Bundesliga-Anfangszeiten des selbst ernannten Karnevalsvereins die Gegengerade des alten Bruchwegstadions füllten - statt wie bei einem Bundesligaspiel den Q-Block der Arena am Europakreisel.

Bei dem Aufeinandertreffen der Fanauswahlen des FSV Mainz 05 und SC Freiburg war das Resultat - 9:4 für die spielerisch reiferen, körperlich fitteren und deutlich jüngeren Gäste aus dem Badischen - völlig nebensächlich. Ging es doch den Fan-Vertretern beider Klubs darum, mit einer selbst organisierten Konkurrenzveranstaltung gegen das fünfte und letzte Montagsspiel dieser Bundesliga-Saison zu protestieren. Rund 2000 Mainzer und immerhin auch 200 Freiburger Fans fanden sich dafür zusammen. Bezeichnend, wie lange die beteiligten Kicker nach Schlusspfiff von beiden Lagern mit dem lauten Singsang "Montagsspiele abschaffen" gefeiert wurden.

Die meisten werden zwar auch kommen, wenn die akut gefährdeten Bundesligisten sich am Montag (20.30 Uhr) begegnen, aber die Ansetzung gefällt niemandem. Eine andere Anstoßzeit wäre den allermeisten lieber gewesen, wie das große Banner vor der Hintertor-Tribüne verriet: "Samstags halb Vier - Fußball, Bratwurst, Bier." Dass stattdessen 53 Stunden später angestoßen wird, kann zudem nicht mit der Entlastung der Europa-League-Teilnehmer erklärt werden, womit die Deutsche Fußball-Liga (DFL) bei der Einführung der fünf Montagsspiele stets argumentiert hatte.

Grenze überschritten

"Für uns war bereits bei der Terminierung klar, dass wir das Montagsspiel nicht einfach hinnehmen können. So sind wir auf das Fanspiel gekommen", sagte Jürgen Girtler von den "Supporters Mainz". Seine Herangehensweise: "Ein Banner hochhalten kann jeder, wir wollten mehr machen. Wir können dieses System und die Ursachen nicht bekämpfen, aber wir können ein Zeichen setzen." Der 59-Jährige hat schon in Oberliga-Zeiten die Nullfünfer am Bruchweg unterstützt ("Ich sage immer, ich war schon gegen Gummi Mayer Landau dabei") und sieht mit den Montagsspielen wie so viele Anhänger eine imaginäre Grenze überschritten. Weil er nur zehn Minuten Fußweg von der neuen Arena entfernt wohne, kein Schichtarbeiter sei und keine kleinen Kinder habe, könne er das Kellerduell zwar besuchen, aber er habe viele Bekannte, denen sei das nicht möglich. "Kurz- und mittelfristig führen diesen fan- und familienunfreundlichen Anstoßzeiten zu einem Zuschauerrückgang", warnt Girtler. Für seine These spricht, dass die Rheinhessen tatsächlich nur rund 23 000 Zuschauer erwarten, obwohl es in der letzten Begegnung dieses 30. Spieltags um so viel geht.

Unterstützung erfuhr der nach Abpfiff mit Sprechchören auf den Rasen gebetene Organisator auch aus der aktiven Fanszene des SC Freiburg. Für diese trat Helen Breit als Sprecherin auf: "Die DFL besteht aus den Vereinen - und diese sind gut beraten, wenn sie mehr auf die Faninteressen eingehen." Die 30-Jährige, nach eigenen Angaben im Kindesalter vom Vater mit Stadionbesuchen zum Sportclub geführt, weiß, dass die Fernsehverträge bindend sind, möchte aber der Basis Gehör verschaffen. "Und dass wir Einfluss haben, hat die Abstimmung über die 50+1-Regel gezeigt."

Nebenbei landet der Videobeweis in der Mülltonne

Dem FSV Mainz 05 gehört seit Jahresbeginn als kaufmännischer Vorstand Jan Lehmann an, der zuvor für die DFL gearbeitet hat. Aus seiner Sicht ist es wichtig, dass die Protestpartie nicht als Veranstaltung des Vereins wahrgenommen wurde. Über die eigene Fanabteilung sei Infrastruktur und Organisation gestellt worden, alles andere habe die aktive Fanszene gemacht. "Im Endeffekt sind wir froh, dass der Protest auf diese konstruktive und kreative Weise ausgedrückt wird - und sich nicht am Montag gegen die eigene Mannschaft richtet", sagte Lehmann. Der Mainzer Vorstand war nur als "Gast" zugegen: "Die Anhänger haben hier etwas geschaffen, statt etwas kaputt zu machen: Das passt zu Mainz 05." Man kann auch auf fröhliche und humoristische Art gegen etwas sein.

Nach dem ersten Tor kam übrigens auch noch der vermeintliche Videobeweis zum Einsatz. Dazu rollte Girtler einen uralten Monitor aufs Feld, der kurz darauf von ihm selbst in einer grünen Mülltonne versenkt wurde. Somit war nebenbei an diesem frühlingshaften Samstagnachmittag gleich noch geklärt, was Mainzer Fans von diesem technischen Hilfsmittel halten. Und natürlich wurde noch - mitten in der zweiten Halbzeit - ein Erinnerungsbild eines aus Fanperspektive denkwürdigen Fußballspiels geschossen. Hinterher gab der Trainer der Nullfünfer-Fanauswahl, der Ex-Profi Petr Ruman, noch ein Versprechen ab: "Mainz 05 spielt am Montag 100 Prozent besser."