Machtkampf beim TSV 1860 "Da wird eine Mär aufgebaut"

Miteinander? Oder nur nebeneinander? 1860-Präsident Mayrhofer (links) und Investorenvertreter Basha.

(Foto: imago/MIS)
Von Markus Schäflein und Philipp Schneider

Am Wochenende hat sich Noor Basha mal wieder bei Instagram gemeldet. Diesmal nutzte der Cousin und Münchner Statthalter des jordanischen Investors Hasan Ismaik das soziale Netzwerk allerdings nicht für kryptische Drohbotschaften ans Präsidium des TSV 1860 München, sondern, innerlich fast schon romantisch gestimmt, als digitale Postkarte: Der 29-Jährige postete ein Foto des idyllischen Attersees im Salzkammergut, an dem er offenkundig Inspiration tanken wollte für den Machtkampf beim Fußball-Zweitligisten.

Dieser Machtkampf dreht sich um die Rolle des Sport-Geschäftsführers Gerhard Poschner, der den von Basha und dem Präsidium um Gerhard Mayrhofer gleichermaßen gewünschten großen Umbruch gestaltete - dabei aber derart scheiterte, dass der Klub beinahe in die dritte Liga abstieg.

Das Herz blutet weiß-blau

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Während die Vereinsvertreter die Personalie korrigieren und den früheren Spielervermittler entlassen wollen, bleibt Basha ihm treu, wie er in einem Interview mit dem Münchner Merkur am Montag noch einmal betonte. "Wir glauben an Poschner. Wir geben ihm Zeit", sagte Basha, "natürlich trägt er die Verantwortung, aber mir gefällt das Wort ,gescheitert' nicht." Er stehe "hinter Poschners starker Persönlichkeit, hinter seiner Philosophie und seiner Unabhängigkeit". Da hatte Basha die Punkte aufgelistet, an denen Mayrhofer, seine Präsidiumskollegen und der Verwaltungsrat des Vereins Zweifel hegen dürften.

Dass die Vereinsvertreter eine abweichende Meinung in der Personalie Poschner haben, führte dazu, dass Basha die Strukturen des Vereins als ungeeignet für ein großes Investment bezeichnete. "Bei 1860 fehlen die Sicherheiten", klagte er. "Wenn jemand richtig Geld investieren will, dann muss das Projekt solide, stabil sein. Das Problem ist: Bei Sechzig haben viele etwas zu sagen. Der Präsident spricht, der Verwaltungsrat spricht. Es gibt viele Einflüsse von außen. Wir sind einfach nicht Red Bull oder Hoffenheim oder Ingolstadt."

Das sollte eine Erklärung sein, weshalb Ismaik auch in der vergangenen Saison mal wieder nicht im erhofften und angekündigten Umfang investierte. Doch kein Präsidium hat Ismaik den roten Teppich derart schwungvoll ausgerollt wie das amtierende um Mayrhofer. Die ersten Monate seiner Amtszeit bestanden ausschließlich daraus, das gute Verhältnis zu beschwören und interne Strukturen anzupassen. Allein - investieren wollte Ismaik auch in der vergangenen Spielzeit nicht in größerem Stil.

"Da wird eine Mär aufgebaut", kontert Verwaltungsratschef Siegfried Schneider gegenüber der SZ Bashas Ausführungen: "Dieses Präsidium hat alles getan, um mit Hasan Ismaik in Partnerschaft zu arbeiten. Und der Verwaltungsrat und sein Vorsitzender haben eineinhalb Jahre keinerlei öffentliche Äußerungen getan, damit das Präsidium mit Hasan Ismaik in Ruhe arbeiten kann." Er habe sich nach dieser langen Zeit in der Sportchef-Frage "einmal geäußert - weil ich es für dringlich gehalten habe".

Bashas Einschätzung sorgte nicht nur in den Gremien für Aufregung, sondern auch in den zahlreichen Löwen-Foren, die es im Internet so gibt - natürlich möchten die Fans nicht, dass ihr Klub so wäre wie Red Bull, Hoffenheim oder Ingolstadt. "Wenn Noor Basha Red Bull als Vorbild sieht, hat er 1860 nicht verstanden", sagt Schneider, "1860 ist kein Investorenmodell, sondern eine Familie."