Machtkampf bei 1860 München Ismaik fordert den Rücktritt von Präsident Schneider

Was bringt die Präsidiumssitzung bei 1860 München? Investor Hasan Ismaik.

(Foto: dpa)

Bei seiner Ankunft in München gibt sich Hasan Ismaik, Investor des Zweitligisten TSV 1860, unnachgiebig. Er poltert los, noch bevor der Krisengipfel mit den Klubverantwortlichen überhaupt begonnen hat - bleibt der Aufsichtsrat unverändert, will Ismaik nicht länger investieren.

Von Gerald Kleffmann, Markus Schäflein und Philipp Schneider

Der Chauffeur der Limousine gab noch einmal alles. Er hatte nur wenige Meter vor dem Ausgang jenes exklusiven "General Aviation"-Bereiches am Münchner Flughafen geparkt, Hasan Ismaik, 35, würde nach seinem langen Flug von Abu Dhabi nicht weit zu laufen haben. Vorsichtshalber klopfte der Chauffeur also noch einmal die Fußmatte aus, und kleine bräunliche Partikel rieselten tatsächlich zu Boden. Ansonsten, sein ganzer Wagen: picobello, alles tiptop. Gerade rechtzeitig.

Der Investor des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München, der zuletzt vor acht Monaten in München gesichtet worden war, bahnte soeben seinen Weg durch die Passkontrolle, dann begrüßte er die zwei Journalisten, die ihn am Montagmittag erwarteten, mit einem knappen "Hello all!" - nur um sogleich zur Sache zu kommen. "Persönlich gibt es kein Problem mit Dieter Schneider", flötete er noch kurz vergnügt, "aber was das Business angeht, möchte er in etwas involviert sein, das er nicht liefern kann." Das sei "das Problem", sagte Hasan Ismaik, um dann zu verkünden: "Ich hoffe, dass er zurücktritt. Wir werden sehen."

Für die Aufsichtsratssitzung der Profifußballabteilung (KGaA), die am Montagabend begann, bedeutete schon diese knappe Ansage des Investors den größten anzunehmenden Ernstfall: Deutlicher als je zuvor erhob Ismaik, der in Besitz von 49 Prozent der stimmberechtigten Anteile des Klubs ist, den Anspruch, den basisdemokratisch gewählten Präsidenten des Mehrheitsgesellschafters 1860 e.V. aus dem Amt zu drängen. Oder zu erpressen. Wie man es auch sehen mag. Mit seinem Geld, dem Druckmittel, das er zur Verfügung hat.

Aber Ismaik war ja längst noch nicht fertig, er sprach weiter. Sein Oberkörper bebte. Ob es eine gute Idee sei, weiter in 1860 zu investieren? "Mit dem selben Aufsichtsrat? Nein." Was er eigentlich ändern möchte? "Alles in Ordnung bringen." Was er für ein Problem mit Dieter Schneider habe? "Wenn ich ihn frage, warum er etwas gesagt hat, dann sagt er: ,Habe ich nicht.' Und wenn ich dann frage, wer hat das gesagt, dann sagt er nichts. Und wenn ich dann frage: Warum hast du das gemacht, dann sagt er: ,Das war ich nicht. Habe ich vergessen.' Er ist nicht ehrlich zu mir."

Es war nicht leicht, seiner Gedankenwelt zu folgen, daher fiel die Frage: Gibt es konkrete Belege, was er meine?