Von Jürgen Schmieder

Es ging fast unter: Lukas Podolski feierte gegen den Hamburger SV sein Comeback nach viermonatiger Verletzungspause. Aber wie sieht seine Rolle bei den neuen Bayern aus?

Es gab viele Geschichten zu erzählen vom Spiel des FC Bayern beim Hamburger SV: Oliver Kahn kassierte nach saisonübergreifenden 550 Minuten wieder ein Tor, Miroslav Klose traf trotz zeitweiliger Unsichtbarkeit, die Mannschaft spielte zum ersten Mal in dieser Saison nur unentschieden. Da blieb die 64. Spielminute beinahe unbemerkt, als Ottmar Hitzfeld den übermotivierten Schweinsteiger vom Platz holte und dafür Lukas Podolski aufs Feld schickte.

Lukas Podolski

Lukas Podolski freut sich über ein gelungenes Comeback. (© Foto: dpa)

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Nach zwei Einsätzen bei den Amateuren (jeweils nicht über die komplette Spielzeit) durfte der Nationalspieler 26 Minuten lang wieder Bundesliga-Luft schnuppern. Er fand sofort ins Spiel, bewegte sich gut und hatte sogar die Chance zum 2:0 - HSV-Torhüter Frank Rost konnte einen Schuss aus 18 Metern parieren. Sein Knie schien ihm keine Probleme mehr zu machen.

Am 21. April machte Podolski sein letztes Spiel für die erste Mannschaft des FC Bayern und lieferte sich mit Roy Makaay einen internen Kampf im Wettstehen. Hinter ihm agierten Roque Santa Cruz, Owen Hargreaves und Hasan Salihamidzic. Nun spielte er mit Franck Ribéry, Miroslav Klose und Zé Roberto - und ihm war anzumerken, wie gut es ihm tat, wieder auf dem Platz zu stehen. Er harmonierte mit Miroslav Klose, ließ sich von Ribéry die Bälle zuspielen und wich auch gerne an die Seitenline aus.

Nach dem guten Auftritt von Podolski stellt sich jedoch unweigerlich die Frage nach dessen Rolle in der neuen Mannschaft des FC Bayern. Er war vor einem Jahr als WM-Star geholt worden, um Roy Makaay und Claudio Pizarro den Kampf anzusagen. Nun ist seine Situation eine völlig andere.

Wenn der Begriff "Wunschspieler" jemals zutreffen sollte, dann im Fall von Ottmar Hitzfeld und Luca Toni. Der Trainer des FC Bayern wollte den Italiener unbedingt verpflichten und sein System auf den Wandspieler ausrichten. Der Transfer von Toni war quasi die Pflicht, die Uli Hoeneß zu erledigen hatte, Miroslav Klose war die Kür.

Apropos Klose: Der hat nun in drei Spielen drei Tore erzielt (ebenso wie Luca Toni) und harmoniert mit seinem italienischen Sturmpartner so gut, dass eine Boulevard-Zeitung die beiden schon mit dem Begriff "Kloni" umschrieb.

Auch der Platz hinter den Spitzen - eine Position, die Podolski durchaus spielen könnte - ist derzeit belegt: Franck Ribéry ist nicht wegzudenken, dazu spielen Schweinsteiger und Altintop auf hohem Niveau. Auch an eine Abkehr vom erfolgreichen 4-4-2-System hin zu einer Variante mit drei Spitzen scheint derzeit eher unwahrscheinlich.

Lukas Podolski bleibt erst einmal nur die Möglichkeit, sich in Geduld zu üben - und die Chancen zu nutzen, die ihm Ottmar Hitzfeld bietet. Die 26 Minuten gegen den Hamburger SV waren ein guter Beginn. Wenn er sich weiter so engagiert zeigt, wird Ottmar Hitzfeld einen Stammplatz für ihn finden - und die Boulevardpresse bessere Wortschöpfungen als "Klodolski" und "Podotoni".

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(sueddeutsche.de)