Lukas Mai "Natürlich darf er Fehler machen, aber er hat keine gemacht"

Lukas Mai im Spiel gegen Hannover 96.

(Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)
  • Gegen Hannover 96 kommt der 18-jährige Lukas Mai zu seinem Debüt für den FC Bayern.
  • Er ist Verteidiger und Kapitän der A-Jugend. Beim 3:0-Sieg macht er ein gutes Spiel.
  • Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus - der Hamburger SV soll Interesse haben.
Von Carsten Scheele, Hannover

Jupp Heynckes, und so ist das manchmal, brauchte diesen 18-jährigen Jungspund einfach. Der Trainer wollte Mats Hummels vor dem Champions-League-Knaller gegen Real Madrid eine Pause gönnen, und Niklas Süle wurde im Mittelfeld gebraucht. "Es fehlte ein Innenverteidiger", bemerkte Heynckes. In Hannover mit nur einem Innenverteidiger aufzulaufen, war dann doch keine Option; das wäre zu frech gewesen, selbst für die Bayern.

Also schaute sich Heynckes auf dem Trainingsplatz um - und er blieb bei Lukas Mai hängen. Der junge Mann, gerade 18, trainiert seit einigen Wochen bei den Profis mit. Mai ist sonst der Kapitän des A-Jugend-Teams, war Abwehrchef der deutschen U17, die bei der EM in Kroatien das Halbfinale erreicht hat. "Kopfballstark, relativ gute Spieleröffnung", wusste Heynckes zu berichten. Ein unaufgeregter Typ, was seinem Trainer besonders imponierte.

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Der 18-Jährige wirkte so gar nicht wie ein Debütant

Mai übernahm beim lockeren 3:0-Auswärtssieg den Part hinten mittig neben Weltmeister Jérôme Boateng, und wirkte gar nicht wie ein Debütant. Robust lief er den Hannoveraner Stürmern die Bälle ab, schaltete sich in die Spieleröffnung ein, wirkte von Minute zu Minute sicherer. Mai konnte dann zugucken, wie vorne Thomas Müller (57.), Robert Lewandowski (73.) und Sebastian Rudy (89.) gelassen den Sieg herausschossen. Hinten hielt er dicht.

"Natürlich darf er Fehler machen, aber er hat keine gemacht", lobte Heynckes, der nebenbei, geboren 1945, von Lebenserfahrung her locker der Großvater seines Debütanten sein könnte. Mai kam im März 2000 zur Welt; er ist damit der erste Spieler aus dem aktuellen Jahrtausend, der für die Bayern in der Bundesliga auf dem Platz stand.

Medienberichten zufolge wird Lukas Mai vom Hamburger SV umworben

Unaufgeregt war auch Mais Abschied aus der Arena. Rote Kopfhörer auf die Ohren, schnurstracks Richtung Ausgang. Nur mit Co-Trainer Peter Herrmann wechselte er ein paar Worte. Sinngemäß wird ihm der Coach mitgeteilt haben: Weiter so, Junge. Fand auch Niklas Süle, der in ungewohnter Rolle vor Mai spielte. "Er hat das richtig gut gemacht", befand Süle. Ein "Top-Talent", sei dieser Mai. Auch Thomas Müller fand neben all den Fragen zum Hinspiel-Duell gegen Real Madrid kurz Zeit, seinen jungen Mitspieler zu loben: "Es freut mich ganz besonders, dass er ein gutes Debüt gemacht hat."

Gegen Real Madrid am Dienstag wird Lukas Mai dann nicht gebraucht, in Zukunft vielleicht aber schon. Medienberichten zufolge wird Mai vom Hamburger SV umworben, wo er - mutmaßlich in der zweiten Liga - Spielpraxis sammeln könnte. Sein Vertrag bei den Bayern läuft am Saisonende aus. Die Wertschätzung der Münchner Bosse ist an diesem Nachmittag aber sicher nicht gesunken.

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