Von Moritz Kielbassa

Bereits am Wochenende hatte Toni dem Verein in einem Interview geraten, den Kader weiter zu verstärken. Nun beantwortete er die Nachfragen wie er Tore schießt.

Meistens lächelt Luca Toni wie ein italienischer Schlagersänger, der mit schmalzigen Liedern über Amore und Dolce Vita sein Publikum betört. Bei der Europameisterschaft hatte der Torjäger des FC Bayern zuletzt eine etwas rauere Optik präsentiert: ein schmales Oberlippenbärtchen, wie es sich Kinder im Fasching zum Cowboykostüm ins Gesicht malen.

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Luca Toni: "In Italien erwartet man Tore von mir, also wurde ich stark kritisiert." (© Foto: dpa)

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Das sah weder gut aus, noch brachte es Toni Glück. In allen EM-Spielen blieb er torlos, bereits nach dem Viertelfinale musste er das Alpenturnier Richtung Heimat, Sonne und Meer verlassen. Am Dienstag kehrte Toni nun aus Italien nach München zurück. "Beeindruckt" ließ er sich von Trainer Jürgen Klinsmann durchs luxuriöse neue Trainingszentrum führen, an den Leistungsdiagnose-Geräten wurden Tonis aktuelle Fitnesswerte gemessen. Den Bart hat er daheim in Cervia gelassen. "No, no, no", sagt er, "der hat mir nichts genützt", der Schnauzer wurde abrasiert.

Topspieler auf höchstem Niveau

Auch kosmetische Kleinigkeiten sind von öffentlichem Interesse, wenn der Betroffene Torschützenkönig der Bundesliga ist und beim besten Verein im Lande neben Mittelfeldzauberer Franck Ribéry die schillerndste Figur. Aus dem Strandurlaub tauchten zuletzt Bilder von Toni beim Jetski-Fahren auf, von seiner Lebensgefährtin Marta erschien eine hautlastige Fotostrecke in einem Lifestyle-Magazin. Dabei wäre es dem 1,96-Meter-Riesen sehr recht, wenn der FC Bayern noch andere Schlagzeilen-Magneten seiner Kragenweite verpflichten würde.

Bereits am Wochenende hatte Toni dem Verein in einem Interview geraten, den Kader weiter zu verstärken. Im Presseraum des Arbeitgebers betonte er zwar artig, die Entscheidungshoheit habe allein der Trainer. Durch die Blume aber wiederholte er seine Kaufempfehlung: "Um die Champions League zu gewinnen, braucht man 15, 16 Topspieler auf höchstem Niveau." Mit Blick auf die britische Insel und auf den südlichen Teil der Europakarte sagte der Gutachter Toni: "Auf dem Papier gibt es sicher stärkere Teams als uns."

Nach dem Doublegewinn in seinem Münchner Debütjahr findet es Toni "am wichtigsten, wieder Meister zu werden", ein gutes Gelingen in der Champions League wäre der Sahneklecks. Im vorgerückten Alter tritt der Spätzünder Toni, 31, erstmals in der kontinentalen Königsklasse an, sein Antrieb ist entsprechend hoch ("ich hoffe, wir gewinnen die Champions League"). Noch aber sitzt der Stachel der EM-Enttäuschung im Fleisch des "fröhlichen, optimistischen Romantikers", wie sich Toni selbst charakterisiert: "In Italien erwartet man Tore von mir, also wurde ich stark kritisiert."

In München flogen ihm bisher die Herzen zu. Mit seiner manchmal irreführend hölzern anmutenden Spielweise erzielte Toni phantastische 39 Tore in 46 Pflichtspielen, davon 24 in der Liga. Im zweiten Jahr muss er diese Quote bestätigen - wider seine Kritiker, die ihm nach Durchsicht aller Datenbanken auch Spitzenwerte bei Abseitsstellungen und Fehlpässen vorhalten können. Toni weiß das, trotz seiner Nonchalance ist er daher bereit für eine "arbeitsreiche Saison". Und er vertraut auf den Leumund seines neuen Trainers, mit dem er Italienisch reden kann: "Klinsmann", sagt er, "wird auch beim FC Bayern Erfolg haben."

Bei der EM rieb sich Toni als Turm im Strafraum meist allein in Italiens Angriffsmitte auf, Klinsmann hingegen will ein 4-4-2 mit zwei Stürmern praktizieren. Lukas Podolski und Miroslav Klose, die am Donnerstag in München eintreffen, sind wie im Vorjahr Tonis mögliche Partner. Ob dieses Kontingent reicht für die Champions League, wollte ein Reporter wissen? "Drei Stürmer können genug sein", sagte Toni, "oder zu wenig." Während der Dolmetscher übersetzte, lächelte Toni. Listiger kann man Fangfragen nicht beantworten.

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(SZ vom 16.7.2008/jüsc)