Löwenstüberl-Wirtin Christl verlässt die Mannschaft

Es ist eine Ära, die zu Ende geht: Christl Estermann beendet ihre Zeit als Wirtin des Löwenstüberls am Trainingsgelände des TSV 1860 München. Das stellt natürlich das anstehende Spiel in Kaiserslautern in den Schatten.

Der Fußballtrainer Werner Lorant hat bei ihr am Stammtisch neben der Theke jeden Tag seinen geliebten "Expresso" getrunken, der Geschäftsführer Stefan Ziffzer holte hier in der Mittagspause und bei nächtlichen Sitzungen seine Käsesemmeln, und die fußballfachkundigen Stammgäste waren sowieso immer da. Und für alle hatte sie ein Ohr. Es ist ohne Übertreibung eine Ära, die zu Ende geht, wenn Christl Estermann ihre Zeit als Wirtin des Löwenstüberls am Trainingsgelände des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München zum Jahresende beendet.

Christl Estermann vor ihrem Löwenstüberl.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Am Donnerstag wurde das bekannt, und es stellte bei Sechzig natürlich alle Debatten über das anstehende Spiel in Kaiserslautern in den Schatten.

Milzwurst, Kartoffels." (5,65 Euro), "Bratensülze, Bratk." (5,20 Euro), "Blut- u. Leberwurst, Kraut, Salzk." (5,95 Euro) - auf Christls Karte herrscht oft eine gewisse Monostruktur, was den Gästen nichts ausmacht. Für Vegetarier gibt es ja die Ziffzersemmeln. Seit 1994 sei sie "mehr oder weniger jeden Tag" in ihrer Wirtschaft in dem alten Bungalow gewesen, sagt die 69-Jährige. Es ist also Zeit für den verdienten Ruhestand.

1860-Pressesprecherin Lil Zercher verspricht natürlich eine "große Verabschiedung" für Christl. Der Verein muss sich nun nach einem neuen Pächter umsehen. Oberstes Ziel sei, "den Stil und die Charakteristik des Löwenstüberls zu erhalten", sagt Zercher. In der vergänglichen Fußballwelt hat 1860 schließlich schon seine Heimat im Stadion an der Grünwalder Straße und seine Eigenständigkeit als Verein verloren, da tut es gut, dass es wenigstens im Löwenstüberl auch künftig auf der Toilette nach Essen riecht. Aber was die Zeit auch bringt, einer wie Werner Lorant, da ist sich Christl sicher, kommt eh' nicht wieder: "Er war der Beste."