Löw bleibt Bundestrainer Das Eigentor des Präsidenten

Jogi Löw siegt über Theo Zwanziger: Er bleibt Trainer - und die Fußball-Nationalmannschaft wird autonomer. Das Personalpaket dokumentiert die Niederlage der DFB-Spitze.

Ein Kommentar von Thomas Kistner

Joachim Löw hat lange gezögert - nun bleibt er doch Bundestrainer. Er steckte in der Zwickmühle: Nach einem massiven Rückhalt beim deutschen Fußball-Volk wäre er wohl des Hochverrats geziehen worden, wenn er hingeworfen hätte. Andererseits barg die Tatsache, dass ein ganzes Land zu Löws Fan-Meile wurde, den Vorteil, dem Deutschen Fußballbund (DFB) die Konditionen diktieren zu können.

Verbandspräsident Theo Zwanziger war zwischen alle Fronten geraten. Erst hatte er Löw und Manager Oliver Bierhoff nach hässlichen Streitereien zu Jahresanfang ein Vertrags-Ultimatum gesetzt und damit die Vertrauensbasis ruiniert. Als dann mit der Weltmeisterschaft der Druck der nationalen Fußballgemeinde spürbar war, die Löws Team feierte, hätte er dessen Rückzug nur mit dem eigenen Abschied büßen können.

Zwanziger kokettierte mit Rückzug

Nun verkaufen Zwanziger und seine Kollegen an der DFB-Spitze ein Personalpaket als Traumlösung, das in Wahrheit ihre umfassende Niederlage dokumentiert - entsprechend bitter wirkten sie bei der offiziellen Verkündigung. Dass sie den ungeliebten Bierhoff bei Hofe halten müssen, der angeblich ja die Abspaltung des Nationalteams vom Dachverband betreibt - gut, das war mit dem Vordringen ins Halbfinale unvermeidlich geworden. Dass ihnen aber der eigene, schon gekündigte Angestellte Harald Stenger wieder aufgezwungen wurde, der nun vom Medienchef zum Sprecher des Nationalteams mutieren soll, zeigt, dass Zwanziger in allen strittigen Punkten zurückrudern musste.

Während Löw in aller Ruhe die WM analysierte, attackierte Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, Zwanzigers miserables Krisenmanagement in der Causa Löw/Bierhoff und in der Schiedsrichter-Affäre; kurzzeitig wollte er deshalb sogar für das höchste Amt der Fußball-Liga kandidieren. Zwanziger selbst gab sich amtsmüde, kokettierte mit Rückzug. Ein Versuchsballon? Das Mitgefühl im DFB hielt sich in Grenzen. Da half nur eine gute Nachricht, und für die nahm der Verband eine Menge in Kauf: Löws Team erhält mehr Handlungsfreiheit; der Trainerstab hat nicht vor, die Funktionäre künftig stärker einzubinden.

Bereinigt wurde überdies das ewige Kompetenzgerangel mit Matthias Sammer um die Junioren-Auswahl. Der Sportdirektor, ein Mann der Funktionäre, ist nun für das Junioren-Tagesgeschäft zuständig, der Bundestrainer regelt das Gesamtgefüge.

Die Nationalmannschaft ist autonomer geworden. Damit hat die DFB-Spitze einen hohen Preis bezahlt. Und weil auch Stenger an Bord bleibt, wurde der Absicht ein Riegel vorgeschoben, eigene Kommunikationsleute in Löws Festung zu schleusen. Zwanziger hat Bedenkzeit gewonnen, doch er lässt selbst offen, ob er zur DFB-Wahl im Herbst noch einmal antritt. Die beste Nachricht ist: Löw und sein Team setzen eine Arbeit fort, die dem fußballverrückten Publikum wachsende Freude bereitet.

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