Jogi Löw siegt über Theo Zwanziger: Er bleibt Trainer - und die Fußball-Nationalmannschaft wird autonomer. Das Personalpaket dokumentiert die Niederlage der DFB-Spitze.
Joachim Löw hat lange gezögert - nun bleibt er doch Bundestrainer. Er steckte in der Zwickmühle: Nach einem massiven Rückhalt beim deutschen Fußball-Volk wäre er wohl des Hochverrats geziehen worden, wenn er hingeworfen hätte. Andererseits barg die Tatsache, dass ein ganzes Land zu Löws Fan-Meile wurde, den Vorteil, dem Deutschen Fußballbund (DFB) die Konditionen diktieren zu können.
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Verbandspräsident Theo Zwanziger war zwischen alle Fronten geraten. Erst hatte er Löw und Manager Oliver Bierhoff nach hässlichen Streitereien zu Jahresanfang ein Vertrags-Ultimatum gesetzt und damit die Vertrauensbasis ruiniert. Als dann mit der Weltmeisterschaft der Druck der nationalen Fußballgemeinde spürbar war, die Löws Team feierte, hätte er dessen Rückzug nur mit dem eigenen Abschied büßen können.
Zwanziger kokettierte mit Rückzug
Nun verkaufen Zwanziger und seine Kollegen an der DFB-Spitze ein Personalpaket als Traumlösung, das in Wahrheit ihre umfassende Niederlage dokumentiert - entsprechend bitter wirkten sie bei der offiziellen Verkündigung. Dass sie den ungeliebten Bierhoff bei Hofe halten müssen, der angeblich ja die Abspaltung des Nationalteams vom Dachverband betreibt - gut, das war mit dem Vordringen ins Halbfinale unvermeidlich geworden. Dass ihnen aber der eigene, schon gekündigte Angestellte Harald Stenger wieder aufgezwungen wurde, der nun vom Medienchef zum Sprecher des Nationalteams mutieren soll, zeigt, dass Zwanziger in allen strittigen Punkten zurückrudern musste.
Während Löw in aller Ruhe die WM analysierte, attackierte Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, Zwanzigers miserables Krisenmanagement in der Causa Löw/Bierhoff und in der Schiedsrichter-Affäre; kurzzeitig wollte er deshalb sogar für das höchste Amt der Fußball-Liga kandidieren. Zwanziger selbst gab sich amtsmüde, kokettierte mit Rückzug. Ein Versuchsballon? Das Mitgefühl im DFB hielt sich in Grenzen. Da half nur eine gute Nachricht, und für die nahm der Verband eine Menge in Kauf: Löws Team erhält mehr Handlungsfreiheit; der Trainerstab hat nicht vor, die Funktionäre künftig stärker einzubinden.
Bereinigt wurde überdies das ewige Kompetenzgerangel mit Matthias Sammer um die Junioren-Auswahl. Der Sportdirektor, ein Mann der Funktionäre, ist nun für das Junioren-Tagesgeschäft zuständig, der Bundestrainer regelt das Gesamtgefüge.
Die Nationalmannschaft ist autonomer geworden. Damit hat die DFB-Spitze einen hohen Preis bezahlt. Und weil auch Stenger an Bord bleibt, wurde der Absicht ein Riegel vorgeschoben, eigene Kommunikationsleute in Löws Festung zu schleusen. Zwanziger hat Bedenkzeit gewonnen, doch er lässt selbst offen, ob er zur DFB-Wahl im Herbst noch einmal antritt. Die beste Nachricht ist: Löw und sein Team setzen eine Arbeit fort, die dem fußballverrückten Publikum wachsende Freude bereitet.
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(SZ vom 21.07.2010/ehr)
Kosovo-Konflikt
Der DFB-Präsident ist bei den versammelten Medien offenbar nicht wohl gelitten. Was man ihm vorwirft, etwa an der Macht festzuhalten, ist wenig geeignet, einen Mann zu demütigen, der als einer der ganz wenigen immer wieder mutig von Gemeinnutz gesprochen hat, wenn es um seinen Verband ging. So etwas hat man von Herrn Löw und seinem Quartiermeister Bierhoff nie gehört. Ihnen ging es stets darum, eigene Ansprüche und Vorteile auszuhandeln - vor und nach der WM. Die Art und Weise, wie Löw mit Arroganz und Anmaßung nach der WM mit seinem dritten Platz kokettiert hat, ist schon beschämend und wirft ein bezeichnendes Licht auf die Einstellung dieses Trainer- und Betreuerteams. Es zeigt zudem, wie gespalten auch die Sportgesellschaft mittlerweile ist, die sich aus Habenichsten, Emporkömmlingen und satten Platzhaltern zusammensetzt. Das dies so ist, hat mit der immens hohen Verflechtung des Sports mit wirtschaftlichen Interessen zu tun. Und daran haben besonders auch die Medien einen großen Anteil zu verantworten. Ohne sie gäbe es keine Stars und Superstars, keine Dampfplauderer wie beispielsweise Beckenbauer und Hoeneß, die fast täglich auf sich aufmerksam machen müssen, ohne den Sport oder gar die Nation auch nur ein Stück voranzubringen. Die Medien, zumindest die seriösen, täten gut daran, das Wirtschaftsimperium Fußball einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen, anstatt weitzumachen wie bisher.
Die Funktuonärsriege um Zwanziger/Niersbach hat eine deutliche und gerechtfertigte Niederlage einstecken müssen. Ihr Ziehsohn Sammer wird wenigstens vorläufig nicht funktionell ins Nationalmanschaftsgefüge reinregieren können und das ist sehr gut so.
Was den Herrn Stenger anlangt, da fehlt einem von Außen so richtig ein Gefühl für die Gemengelage, doch das auch hier die Funktionärsriege quasie "den Schwanz einziehen mußte" ist klar erkennbar .
Das Diskussionsforum erinnert mich an dickbäuchige und DFB - Shirt tragende Fans die sagen(rufen, schreien, grölen) bei Niederlage: "Ihr habt verloren" , bei Sieg: "Wir haben gewonnen"!
Gewonnen hat der BT, weil er den Mut hatte, junge und talentierte Spieler aufzustellen. Der Erfolg hat ihm recht gegeben. Der 3.Platz bei den Besten der Besten ist auch eine Menge wert!
Sie halten Löw für nicht talentiert und deshalb nur für Durchschnitt. Sie kommen zu dieser Folgerung, weil er sich ja glücklich schätzen kann, auf ein paar guten jungen Spielern zurückgreifen kann. Diese allerdings sind auch von durchschnittlichen Jugendtrainern des DFB eingestellt worden. Im Umkehrschluss muss man annehmen, dass ein talentierter überdurchschnittlicher Trainer es mit dieser Mannschaft hätte weiter gebracht, nicht wahr? Um diese Ihre Ansicht besser einordnen zu können, müssten Sie schon paar Trainer nennen, die zu einen talentierter und zu dem über dem durchschnittlichen Niveau stehen.
löw hat sich gut verkauft
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