Liechtensteins Nationalspieler Martin Büchel "Auf Trikottausch hatte ich keine Lust mehr"

Seit vier Jahren spielt Martin Büchel für den FC Unterföhring, stieg mit ihm in die Regionalliga auf. Inzwischen ist er 30. Sein Debüt für Liechtenstein gab er mit 17. Das Nationalteam des kleinen Landes hat akute Nachwuchssorgen. Foto: imago

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Der Osteopath Martin Büchel verlor zuletzt mit Liechtenstein in der WM-Qualifikation gegen Spanien mit 0:8. Im Interview erzählt der 30-Jährige, warum er lieber in der Regionalliga kickt.

Interview von Matthias Schmid

Der Liechtensteiner Martin Büchel, 30, hat zuletzt in der WM-Qualifikation gegen Spanien 0:8 verloren. Im Interview erzählt er, wieso er sich darüber so ärgert, obwohl er als Osteopath doch nur ein Freizeitkicker ist; und warum er sich nun darauf freut, an diesem Freitag für den FC Unterföhring wieder in der Regionalliga auflaufen zu dürfen.

SZ: Herr Büchel, haben Sie nach dem 0:8 gegen Spanien als kleinen Trostpreis wenigstens ein Trikot ergattert?

Martin Büchel: Nein, ich hatte danach keine Lust auf Trikottausch. Ich war ziemlich leer und enttäuscht.

Die Niederlage war doch zu erwarten.

Natürlich, aber ich konnte danach trotzdem nicht einschlafen und habe mich auch am nächsten Tag nicht gut gefühlt, ziemlich elend sogar. Die Niederlage tut weh.

Sie hatten schon im Hinspiel gegen Spanien mit 0:8 Toren verloren.

Ja, aber diesmal fühlt es sich noch deprimierender an. Im Hinspiel haben wir sehr gut gespielt und lagen zur Pause nur 0:1 hinten. Diesmal lagen wir schon nach zwei Minuten zurück. Gefühlt war jeder Schuss drin. Das lag nicht daran, dass die Spanier so gut gespielt hätten, sondern allein an uns, wir haben es ihnen mit unseren Fehlern zu einfach gemacht. Aber das Traurigste war nicht die Niederlage für mich, sondern die Tatsache, dass wir uns nicht gewehrt haben. Uns hat Leidenschaft gefehlt.

Und das im Spiel des Jahres.

Wir haben uns nicht auf Fußball konzentriert, sondern uns mit anderen Dingen beschäftigt.

Was meinen Sie?

Viele von uns haben schon beim Aufwärmen zu den Stars der Spanier geschaut, zu Ramos, Thiago oder Morata. Einige konnten nicht glauben, dass sie ihnen so nah kommen. Wir sind ja alle Fußballfans und kennen diese Spieler aus den Fernsehübertragungen. Wir waren viel zu ehrfürchtig. Aber wir sind doch auch Sportler, die sich für ihren Fußball nicht schämen brauchen. Wir müssen auch gewinnen wollen. Zugegeben, die Aussicht auf einen Erfolg lag vielleicht bei einem Prozent. Aber zumindest muss die Einstellung stimmen.

Was sind die Gründe?

Wir machen in Liechtenstein im Fußball gerade eine schwierige Phase durch. Der Generationswechsel macht uns zu schaffen, weil wir kaum Nachwuchskicker finden. Vor ein paar Jahren waren wir noch viel wettbewerbsfähiger.