"Leitwölfe" im modernen Fußball Bedeutungsverlust der alten Fußballgarde
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Lahm und Schweinsteiger waren die wichtigsten Diplomaten dieser stillen Revolution. Und der damals verletzte Michael Ballack, der wohl letzte Vertreter des von Kahn präferierten Feldherren-Fußballs, wirkte schon bei seinem Kurzbesuch am Spielfeldrand wie ein Fremdkörper und ist gleich wieder abgereist.
Der Flügelflitzer – Da jault der Leitwolf
Nun will niemand behaupten, dass es in sogenannten flachen Fußball-Hierarchien keine herausragenden Figuren geben dürfe. Einer der begnadetsten und erfolgreichsten Spieler dieser Tage, der Spanier Xavi Hernandez, ist aber gerade die lebende Antithese zur Vorstellung von einem kickenden Feldherren. Xavi ist ein uneitler Dienstleister seiner Mitspieler, einer, der weniger mit Worten als mit Kurzpässen spricht. Und damit ist er eine Stilikone seiner Zeit geworden.
Nach einem ähnlichen Muster wie Xavis Barcelona funktioniert an guten Tagen übrigens auch das Gesamtkunstwerk Borussia Dortmund, das, wie die vergangene Saison zeigte, ebenfalls ohne klaren Leitwolf begeistern und gewinnen kann.
Wenn nun vor diesem Hintergrund einer wie Kahn meint: "Man sollte nicht so tun, als wären die heutigen Führungsmuster das Nonplusultra." Und wenn einer wie Sammer ergänzt, "die Gleichmacherei" sei der "Tod des Fußballs", dann wird klar, dass es hier längst nicht nur um Lahm und Schweinsteiger, sondern um eine Generationendebatte geht.
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Die alte Fußballgarde sieht sich inmitten der allgemeinen Begeisterung um einen neuen, antiautoritären Jugendstil mit einem schleichenden Bedeutungsverlust konfrontiert. Sammer hat bei der EM 1996 den letzten internationalen Titel mit der Nationalmannschaft gewonnen, Kahn 2001 mit dem FC Bayern letztmals den Champions-League-Pokal nach Deutschland gebracht. Aber irgendwie scheint sich dafür niemand mehr so recht zu interessieren.
Und wenn sie nun trotzdem daran erinnern, wie sie das eigentlich gemacht haben, dann wirkt es, als wolle Reinhold Messner eine Gruppe von Freestyle-Kletterern darüber aufklären, wie man einen Berg besteigt.
Das Wesensmerkmal des von Kahn propagierten echten Führungsspielers ist, dass er "die letzten fünf Prozent abrufen kann" - und zwar dann, wenn es darauf ankommt. Kein Zweifel, Kahn, Sammer und Effenberg konnten das - manchmal.
Effenberg hat bei der WM 1994 seinen Leitwolf-Stinkefinger präsentiert, noch bevor es ernst wurde, und musste nach Hause.
Und der Leitwolf Kahn hat im WM-Finale 2002, als es wirklich ernst wurde, um etwa fünf Prozent daneben gegriffen. Daran muss man vielleicht auch mal erinnern.