Leichtathletik-WM in Moskau Russin gewinnt Gold im Chaos-Rennen

Elena Lashmanova (re.) gewinnt das 20-km-Gehen.

(Foto: AFP)

20-Kilometer-Geherin Jelena Laschmanowa denkt bereits auf ihrer Schlussrunde, das Rennen sei vorbei und bremst ab. Trotzdem gewinnt sie WM-Gold. Siebenkämpferin Claudia Rath hat Medaillen-Chancen.

Kurzmeldungen zur Leichtathletik-WM

20 Kilometer Gehen, Frauen: Die 21 Jahre alte Olympiasiegerin Jelena Laschmanowa ist am Dienstagmorgen in ihrer Heimat zum ersten Mal Weltmeisterin im 20 Kilometer Gehen geworden. In einem auf den letzten Metern völlig chaotischen Wettbewerb siegte die Weltrekordhalterin nach 1:27:08 Stunden vor der Olympia-Dritten Anissja Kirdjapkina (1:27:11). Bronze ging an Hong Liu aus China (1:28:10).

Laschmanowa dachte auf ihrer Schlussrunde im Luschniki-Stadion gleich zweimal, dass das Rennen bereits vorbei sei. Sie bremste sowohl 400 als auch 200 Meter vor dem Ende jeweils ab und musste beide Mal von den Kampfrichtern darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie noch nicht im Ziel ist. Ihr Vorsprung war allerdings so groß, dass ihre Verwirrung den Sieg nicht mehr gefährdete.

Usain Bolt siegt über 100 Meter Goldlauf unter zuckenden Blitzen

Usain Bolt gewinnt das 100-Meter-Finale von Moskau vor Justin Gatlin und Nesta Carter in 9,77 Sekunden. Der Regen lässt keinen glanzvolleren Auftritt zu. Aber das Problem der Sprint-Fraktion ist ohnehin ein ganz anderes: die Vertrauenskrise in der eigenen Gemeinde.

Lange Zeit sah es sogar nach einem russischen Dreifach-Erfolg aus, aber Vera Sokolowa wurde rund 500 Meter vor dem Ziel als Drittplatzierte disqualifiziert. Davon profitierte die Chinesin Hong Liu. Titelverteidigerin Olga Kaniskina, die 2007, 2009 und 2011 jeweils Weltmeisterin geworden war, fehlte am Dienstag. Die 28-Jährige war kurz vor der WM offiziell aus gesundheitlichen Gründen aus dem russischen Aufgebot gestrichen worden.

Siebenkampf, Frauen: Claudia Rath von der LG Eintracht Frankfurt ist am zweiten Siebenkampf-Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften überraschend auf den dritten Platz vorgerückt. Die 27 Jahre alte EM-Siebte erzielte am Dienstag im Weitsprung mit 6,67 Metern das beste Ergebnis aller Teilnehmerinnen und kletterte mit 4795 Punkten vom achten auf den dritten Rang. Dabei steigerte Rath ihre Bestleistung um fünf Zentimeter.

Mit nur einem Zähler mehr ist die Niederländerin Dafne Schippers Zweite, während Ganna Melnitschko mit 4916 Punkten nach fünf Disziplinen in Führung liegt. Die Neubrandenburgerin Julia Mächtig kam im Weitsprung nicht über 6,07 Meter hinaus. Mit 4402 Punkten steht sie nur auf dem 19. Platz. Wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel hatte Kira Biesenbach aus Leverkusen den Wettkampf aufgeben müssen.

20 Kilometer Gehen, Männer: Christopher Linke wird nach seinem neunten Platz über 20 Kilometer bei den Weltmeisterschaften in Moskau an diesem Mittwoch nicht mehr über 50 Kilometer antreten. Dies bestätigte der Deutsche Leichtathletik-Verband am Dienstag. Der Potsdamer hatte zunächst diese "Mammutaufgabe" erwogen. Der 24-Jährige hat mit seiner Top-Ten-Platzierung auf der kürzeren Strecke jedoch bereits sein Ziel erreicht, in den A-Kader aufzurücken. Somit ist kein deutscher Geher am Start.

5000 Meter, Männer: Arne Gabius ist bereits nach dem Vorlauf ausgeschieden. Der EM-Zweite aus Tübingen wurde am Dienstag in 13:34,26 Minuten nur Zwölfter seines Rennens, hatte dabei aber auch großes Pech: Einer der unmittelbar vor ihm laufenden Konkurrenten stürzte während des Rennens, so dass auch Gabius völlig aus dem Tritt kam und den Anschluss an die Spitze verlor. "Ich habe mich einfach nur geärgert. Ich hatte keine Chance mehr", sagte der 32-Jährige. "In dem Moment, in dem beschleunigt wurde, ist der Kenianer gestürzt. Er fiel zur Seite, ich habe seinen Kopf unter mir gesehen, musste rüber und ausweichen. Dann stand ich auf einmal. Das Tempo war komplett raus. Ich war perplex."

Gabius war mit dem Ziel nach Moskau gereist, den Endlauf zu erreichen. "Die Chance war da. Einige, die vor mir waren, habe ich vor einem Monat geschlagen", meinte er. "Die Enttäuschung ist groß. Ein WM-Finale wäre eine gute Motivation für den Winter gewesen." Der zweifache Olympiasieger Mo Farah dagegen darf auch in Moskau weiter von einem Doppelsieg träumen. Drei Tage nach seinem Erfolg über 10 000 Meter erreichte der Brite auch mühelos den 5000-Meter-Endlauf. Farah sparte Kräfte und lief nach 13:23,93 Minuten nur als Fünfter seines Vorlaufs durchs Ziel. "Ich fühle mich gut. Jetzt muss ich mich für das Finale am Freitag erholen", meinte der 30-Jährige.