Leichtathletik-WM in Moskau Die deutsche Sehnsucht nach einer Medaille

Pascal Behrenbruch springt 1,99 Meter hoch.

(Foto: dpa)

Erster Tag bei der Leichtathletik-WM in Moskau: Die deutschen Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch und Michael Schrader haben beste Chancen auf eine Medaille - auch weil Titelverteidiger Trey Hardee im Hochsprung patzt. Mehrere Deutsche erreichen ihre Endläufe.

Kurzmeldungen zur Leichtathletik-WM

Zehnkampf, Männer: 16 Jahre nach Frank Busemann greifen mit Europameister Pascal Behrenbruch und Michael Schrader wieder deutsche Zehnkämpfer nach einer Medaille bei einer Weltmeisterschaft. Beide Athleten streben nach einem starken ersten Tag ein Ergebnis von über 8500 Punkten an und könnten sogar Silber gewinnen. Olympiasieger und Weltrekordler Ashton Eaton aus den USA liegt trotz einer durchwachsenen Vorstellung auf Gold-Kurs. Neben Behrenbruch (Frankfurt) und Schrader (Leverkusen) darf auch Rico Freimuth (Halle/Saale) noch von einer Medaille träumen.

Der Olympia-Zehnte Behrenbruch liegt nach fünf Disziplinen mit 4258 Punkten zwar nur auf dem zwischenzeitlichen siebten Rang, hat im Vergleich zu seinen Konkurrenten aber einen stärkeren zweiten Tag. Schrader ist mit 4427 Zählern momentan sogar Dritter, Freimuth (4296) übernachtet auf Rang sechs. Neben dem deutschen Zehnkampf-Trio machen sich noch mindestens fünf weitere Athleten Hoffnungen auf Edelmetall. Busemann hatte 1997 in Athen Bronze gewonnen.

Behrenbruch kämpfte sich am ersten Tag nach einem zwischenzeitlichen Tief wieder nach vorne. Mäßigen 15,86 Meter im Kugelstoßen ließ er im Hochsprung 1,99 Meter folgen - diese Höhe schaffte er noch nicht einmal bei seinem EM-Triumph 2012 in Helsinki. "Früher war es für mich hart, weit hinten zu liegen. Aber damit kann ich jetzt umgehen, weil ich weiß, dass ich aufholen kann", sagte Behrenbruch, nachdem er zunächst auf Rang 20 gelegen hatte. Im Kampf um Edelmetall könnte der Olympia-Zehnte wie Schrader vom Ausfall Trey Hardees profitieren. Der Titelverteidiger aus den USA blieb im Hochsprung - offenbar verletzungsbedingt - ohne gültigen Versuch und beendete den Wettkampf.

Neben Behrenbruch, der im Stadion von seiner Freundin Sina unterstützt wird, präsentierten sich auch die beiden WG-Kumpel Schrader und Freimuth in ausgezeichneter Verfassung. Beide glänzten besonders im Hochsprung, wo sie mit jeweils übersprungenen 1,99 Metern persönliche Bestleistungen erzielten. Schrader verbesserte zudem seine Bestleistung über 400 Meter um fast eine halbe Sekunde auf 47,66 Sekunden. "Am Sonntag will ich mich weiter steigern und gleich über die Hürden angreifen", sagte Schrader, der in den vergangenen Jahren immer wieder von Fußverletzungen zurückgeworfen worden war. Die abschließende 400-m-Zeit von Eaton (46,02) hatte vor ihm noch nie ein Mehrkämpfer bei einer WM erreicht.

100 Meter, Männer: Die deutschen Sprinter Julian Reus und Martin Keller sind bereits nach den Vorläufen über 100 Meter ausgeschieden. Beide wurden am Samstagabend jeweils nur Fünfte ihres Rennens. Keller blieb in 10,32 Sekunden 25 Hundertstel über seinem nur eine Woche alten persönlichen Rekord (10,07). Der deutsche Meister Reus lief 10,27 Sekunden und hatte damit ebenfalls keine Chance, über die Zeitwertung ins Halbfinale am Sonntag einzuziehen.

Weitspringen, Frauen: Weitspringerin Sosthene Moguenara aus Wattenscheid steht bei der Leichtathletik-WM im Finale. Der Zweiten der Weltjahresbestenliste, die beim Vorbereitungs-Meeting in Weinheim erstmals über sieben Meter gesprungen war, reichten in der Qualifikation im ersten Versuch 6,63 Meter, um am Sonntag (17.00 Uhr/ZDF und Eurosport) die Medaillen ins Visier zu nehmen. Ausgeschieden sind dagegen die Youngster Lena Malkus (Münster) und Malaika Mihambo (LG Kurpfalz), beide kamen auf 6,49 Meter.

Erwartungsgemäß das Finale erreicht hat Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Brittney Reese aus den USA. Die Weltjahresbeste musste allerdings lange zittern. Mit 6,57 Meter rutschte Reese als letzte Springerin in den Endkampf der besten Zwölf. Die weitesten Sprünge in der Qualifikation zeigten die Britin Shara Proctor (6,85) und Blessing Okagbare aus Nigeria (6,83) - jeweils im ersten Versuch.

Hammerwerfen, Männer: Der deutsche Serienmeister Markus Esser steht bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau im Finale der Hammerwerfer. Der WM-Dritte von 2005 qualifizierte sich mit 75,90 m im letzten Versuch für den Endkampf der besten zwölf Athleten am Montag (18.30 Uhr/ARD und Eurosport). Ebenfalls weiter sind Olympiasieger Kristián Pars aus Ungarn (79,06) und der Olympiazweite Primos Kozmus aus Slowenien (78,10).

400 Meter, Frauen: Die Kölnerin Esther Cremer hat das Halbfinale erreicht. In 52,17 Sekunden belegte die 25-jährige Staffel-Vizeeuropameisterin von 2010 am Samstag zwar nur den letzten Platz in ihrem Vorlauf, zog aber mit dieser Zeit dennoch in das Semifinale am Sonntag ein. Neben den vier Erstplatzierten jedes Laufes kamen nämlich noch die vier auf den nächsten Rängen folgenden zeitschnellsten Läuferinnen weiter.

3000 Meter Hindernis, Frauen: Antje Möldner-Schmitt aus Cottbus und die Frankfurterin Gesa Felicitas Krause haben das Finale über 3000 Meter Hindernis erreicht (Dienstag, 19.25 Uhr). Die 29 Jahre alte EM-Dritte und Olympia-Siebte Möldner-Schmitt lief in ihrem Vorlauf auf Rang vier und verbesserte ihre Saisonbestleistung auf 9:29,27 Minuten. Krause, EM-Vierte von Helsinki und acht Jahre jünger als Möldtner-Schmidt, musste dagegen kurz um den Finalplatz zittern. Nach Rang sechs im Vorlauf qualifizierte sich die Studentin mit 9:42,19 Minuten aber als letzte der fünf Zeitschnellsten doch noch für den Endlauf. Die Top-Favoritin und Weltjahresbeste Lydia Chepkurui (Kenia) lief locker ins Finale. Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Julija Saripowa aus Russland hatte sich unter der Woche im Training schwer verletzt und ihren Start absagen müssen.

Stabhochsprung, Männer: Die deutschen Medaillen-Hoffnungen Björn Otto, Raphael Holzdeppe und Malte Mohr haben das Stabhochsprung-Finale erreicht. Alle drei mussten am Samstag in der Qualifikation lediglich 5,55 Meter überspringen und werden nun am Montagabend ab 17 Uhr deutscher Zeit im Endkampf der besten 12 um den Titel mitspringen. Der Olympia-Zweite Otto und der Olympia-Dritte Holzdeppe leisteten sich je einen Fehlversuch. Der nach einigen Rückenproblemen mit fehlender Wettkampfpraxis nach Moskau gereiste Mohr dagegen erreichte mit nur einem souveränen Sprung das Finale.

Diskus, Frauen: Diskuswerferin Nadine Müller hat sich ohne Probleme für das Finale am Sonntag (18.15 Uhr/ZDF) qualifiziert. Die WM-Zweite von 2011 übertraf im ersten Versuch die geforderten 63 m um 16 Zentimeter. Souverän weiter ist auch Olympiasiegerin Sandra Perkovic (Kroatien). Die Top-Favoritin warf im ersten Durchgang 63,62 m. "Das war noch nicht das, was wir wollten, im Finale kann ich bestimmt zwei bis drei Meter draufpacken", sagte Müller und bestätigte ihre Ambitionen auf eine WM-Medaille: "Das war heute ein Armwurf, aber mein Arm ist eine Waffe. Morgen kommen noch die Beine dazu, darum bin ich zuversichtlich." Ausgeschieden ist dagegen Julia Fischer (Berlin). Die Freundin von Diskus-Olympiasieger Robert Harting warf nur 60,09 m und verpasste die Qualifikation für das Finale deutlich.

Gehen: Die Geher-Olympiasieger Sergej Kirdjapkin und Olga Kaniskina sind überraschend aus dem russischen Aufgebot gestrichen worden. Gründe für die Maßnahme wurden zunächst nicht bekannt gegeben. "Wahrscheinlich geht es um ihre Gesundheit", sagte ihr Trainer Walentin Malaskow, der zudem erklärte, dass die Russen keine Ersatz-Geher nominieren dürfen. Der 33 Jahre alte Kirdjapkin hatte 2012 in London Olympia-Gold über 50 km geholt und war 2005 sowie 2011 Weltmeister über die lange Distanz. Die 28-jährige Kaniskina wurde 2008 Olympiasiegerin über 20 km und holte bei den letzten drei Weltmeisterschaften den Titel.