Leichtathletik-WM Deutsche Zehnkämpfer holen Silber und Bronze

Medaillen-Trio: Rico Freimuth (Silber), Kevin Mayer (Gold) und Kai Kazmirek (Bronze).

(Foto: REUTERS)
  • Rico Freimuth gewinnt Silber im Zehnkampf, Kai Kazmirek wird Dritter.
  • Pamela Dutkiewicz holt die Bronzemedaille über 100 Meter Hürden. Die Australierin Sally Pearson gewinnt.
  • Mo Farah verliert dagegen überraschend über 5000 Meter und wird hinter dem Äthiopier Muktar Edris Zweiter.

Nach 34 Jahren haben Rico Freimuth und Kai Kazmirek bei einer Leichtathletik-WM wieder zwei Medaillen für Deutschland im Zehnkampf gewonnen. Der 29-jährige Freimuth vom SV Halle holte sich am Samstag in London mit 8564 Punkten Silber, Bronze sicherte sich Kazmirek von der LG Rhein Wied mit 8488 Zählern. Neuer Weltmeister und Nachfolger von Weltrekordler und Titelverteidiger Ashton Eaton aus den USA wurde der Franzose Kevin Mayer mit der Weltjahresbestleistung von 8768 Punkten.

In seiner Medaillen-Seligkeit dachte Freimuth an seinen Kumpel Michael Schrader, der für das ZDF als Experte ihn interviewte. "Ich habe schon vorher gesagt. Wenn ich eine Medaille gewinne, dann widme ich sie nur einem Menschen: Michael Schrader", sagte er. "Er ist mit mir ins Trainingslager gefahren und war nur für mich da. Wenn man so eine Freundschaft hat, ist es nur fair, wenn ich ihm die Medaille widme."

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WM-Dritter Kazmirek war wie Freimuth nur glücklich. "Ich bin einfach nur happy. Mit der Punktzahl eine Medaille zu holen, ist megaklasse", meinte er. Bronze und Silber für deutsche Zehnkämpfer hatte es zuvor nur bei der ersten WM 1983 durch Jürgen Hingsen und Siegfried Wentz gegeben.

Freimuth, der bei der WM 2015 Dritter in Peking geworden war, ist erst der vierte deutsche Zehnkämpfer, der Silber gewinnen konnte. 1983 gelang dies Hingsen, 1987 landete Wentz hinter dem damaligen DDR-Athleten Torsten Voss auf Platz zwei, 2013 wurde Schrader Vizeweltmeister.

Die beiden deutschen Weltklasse-Mehrkämpfer trumpften an der Themse bereits am ersten Tag groß auf: Kazmirek und Freimuth gingen als Zweiter und Dritter in die Nachtruhe. Und Freimuth ging mit großer (Medaillen-)Zuversicht ins Bett, weil er sicher war, seine Stärken am "zweiten Tag ausspielen" zu können. "Ich fühle mich bereit für den nächsten Schritt in meiner Karriere", sagte er selbstbewusst - und hatte noch Zeit, sich um Trainer Wolfgang Kühne zu kümmern: "Er war übernervös. Da habe ich ihm gesagt: "Geh' doch mal Popcorn kaufen."

Diese Ruhe und Courage half ihm am Samstag auf seinen Erfolgsweg konzentriert weiter zu gehen. Nämlich mit der zweitbesten Zeit von 13,68 Sekunden über die 110 Meter Hürden zu kommen, als einziger den Diskus über 50 Meter (51,17) zu werfen, im Stabhochsprung mit 4,80 Meter nur zehn Zentimeter unter seiner Bestleistung zu bleiben sowie den Speer über 62,34 Meter fliegen zu lassen. Im abschließenden 1500-Meter-Lauf verteidigte Freimuth in 4:41,57 Minuten Platz drei.

Auch der Halbzeit-Zweite Kazmirek hatte am zweiten Tag alle Kräfte mobilisiert, um vorne dran zu bleiben und seine erste internationale Medaille zu holen und dabei seine persönliche Bestleistung um zehn Punkte zu steigern. Vor dem 1500 Metern war er 98 Punkte hinter Freimuth. Dafür hätte er 15 Sekunden schneller sein müssen als sein deutscher Rivale, was ihm mit 4:38,07 Minuten nicht mehr gelang.

Dutkiewicz gewinnt Bronze

Hürdensprintern Pamela Dutkiewicz hat bei der Leichtathletik-WM in London mit einem couragierten Lauf die Bronzemedaille und damit das zweite Edelmetall für Deutschland gewonnen. In 12,72 Sekunden kam die deutsche Meisterin vom TV Wattenscheid 01 am Samstag über 100 Meter Hürden als Dritte ins Ziel. "Ich war wie im Flow. Ich bin kurz aufgewacht und habe gedacht: du bist vorne. Ich kann das nicht glauben, ich kann das nicht glauben", sagte die 25-Jährige im TV-Sender ZDF.

Weltmeisterin wurde die Australierin Sally Pearson, die in 12,59 Sekunden ihren zweiten Titel nach 2011 holte. Auf den Silberrang lief die US-Amerikanerin Dawn Harper Nelson in 12,63 Sekunden.

Richtig Fahrt aufgenommen hat die Karriere von Dutkiewicz mit Bestzeiten, Siegen und Medaillen erst in diesem Jahr - gekrönt nun von WM-Bronze. Angefangen mit Platz drei bei der Hallen-EM im März. Es folgten erste Plätze bei der Team-EM und dem Diamond-League-Meeting in Oslo. "Es lief alles wie am Schnürchen", sagte sie. "An eine Medaille habe ich nicht gedacht. Ich war schon glücklich, hier im Finale zu sein."

Im vergangenen Jahr hatte die Lehramts-Studentin bei der EM in Amsterdam Pech: Im Finale stürzte sie über die erste Hürde. Bei Olympia in Rio lief sie ins Halbfinale.In London gelangte Europas schnellste Hürdensprinterin souverän bis in den Endkampf, nachdem sie im Halbfinale mit 12,71 Sekunden ins Ziel gekommen war - die zweitbeste Zeit, die sie je gelaufen ist.

Am Startblock musste Dutkiewicz kurz zittern. Sie hatte kurz gezuckt. Das Rennen musste zurückgeschossen werden, weil dadurch vielleicht ein Fehlstart ausgelöst worden wäre. Das Kampfgericht bestrafte niemanden, weil während der Startphase ein Flugzeug über das Olympiastadion geflogen war. "Den Satz hatte ich mir schon zurechtgelegt, falls ich raus hätte müssen", sagte Dutkiewicz.