Die Sperre von fünf jamaikanischen Sprintern ist wieder aufgehoben worden. An den grundsätzlichen Zweifeln an Bolt & Co. ändert dieses kuriose Intermezzo nichts.
Jamaikas Leichtathleten gibt es jetzt auch mit nationalem Anti-Doping-Kampf. Was für eine schöne Nachricht so kurz vor der WM in Berlin. Denn lange lebte der Verdacht, Jamaikas Akkord-Weltrekordler Usain Bolt und seine Nebenschnellläufer könnten auf ihrer Karibikinsel nicht nur Sonne und Reggae genießen, sondern auch den Schutz vor unabhängigen einheimischen Fahndern.
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Sheri-Ann Brooks darf doch bei der WM in Berlin starten. (© Foto: Reuters)
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Und jetzt? Ein Gebilde namens Jamaikanische Anti-Doping-Kommission (Jadco) hat sich fünf selbstgetestete Stimulans-Fälle aus Jamaikas WM-Team vorgeknöpft. Hat sie befragt. Beurteilt. Und ... freigesprochen, zugegeben, in erster Linie weil die Jadco-Funktionäre keine Schuld erkennen konnten. Trotzdem: Das war ein Akt für mehr jamaikanische Glaubwürdigkeit. Oder?
Eher nicht, denn die Affäre erweist sich nach anfänglicher Aufregung als so harmlos, dass Jamaikas Leichtathleten am Ende sogar damit werben können für sich: Seht her, bei uns wird getestet. Außerdem verlief der Prozess wenig transparent, dafür sehr glatt für die Verdächtigen. Yohan Blake und Marvin Anderson, zwei Mitglieder des Bolt-Vereins Racers Track Club, die 400-Meter-Läufer Spence und Fothergill sowie die Commonwealth-Games-Gewinnerin Brooks waren laut Medienberichten bei Jamaikas Meisterschaften positiv auf Methylxanthine.
Was schon deswegen stutzig macht, weil die Gruppe der Methylxanthine laut Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Antidoping-Labors, nicht auf der Dopingliste steht. Und alle hatten die gleiche unbedeutende Substanz intus? Da kann man ein gesteuertes Komplott nicht ganz ausschließen, das sich nun ja auch vollends in Wohlgefallen aufgelöst hat - gerade noch rechtzeitig vor der WM.
Es ist, als wäre nichts gewesen, und deswegen ändert dieses Jadco-Intermezzo nichts an der Situation um Jamaikas Sprinter, die bei Olympia 2008 erstmals dominierten. Ihr Tempo fasziniert, aber keiner weiß, was außer Talent und Training noch dahinter steckt. Ihre Nicht-Affäre passt glänzend zu dem klugen Gedanken, den die Mainzer Stabhochspringerin Anna Battke gerade erst in einem Interview gefasst hat. "Warum werden wohl immer nur die mittelmäßigen Athleten erwischt?", fragt sie und weiß die Antwort selbst: "Sie haben einfach nicht das nötige Kleingeld für das edle Designer-Doping."
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 11.08.2009)
Berliner Zeitung
aber die Medien ticken doch auch nicht richtig : im DSF praesentiern sie POKERN und Polo, aber an der Sportart, deren WM nach Fussball die meisten Zuschauer weltweit hay, naemlich Rugby gehen sie ziemlich vorbei.
Es ist überall das gleiche. Verbandsfunktionäre - egal ob national oder international - wollen nicht den sauberen Sport, sie wollen so wenig we möglich Dopingfälle in ihrer Sportart.
Nachdem es bei der Tour der France 08 zuviele Dopingfälle gab, hat der Weltverband die Kontrollen wieder selbst übernommen. Man will ja keine schlechte Publicity, denn dies schadet der Einnahmensituation. Bei der Schwimm-WM hat man heuer gleich auf Blut-Kontrollen verzichtet. Dies ließe sich beliebig fortsetzen.
Die LeichtathletikWM wird von den Medien weitgehend ignoriert bzw. negativ ( siehe Kommentar )präsentiert, Radsport wird als Leistungsschau der Pharmaindustrie tituliert, Schwimmen als Weltrekordflut der Schwimmanzüge herabgewürdigt, beim Handball werden angebliche Spielmanipulationen selbst von Gazetten, die noch nie über Handball berichtet haben zum großen Skandal hochstylisiert, Biathlon und Eiskunstlauf werden über die DDR-Vergangenheit heruntergezogen.
Es gibt praktisch nur eine Sportart, über die sehr umfassend und ausschließlich positiv geschrieben wird. Ich habe nichts gegen Fußball, mir missfällt nur dieser Lobbyismus und ich bedauere diese Entwicklung vom Sportjounalismus zum reinen Fussballjournalismus, der sich zudem nicht nur auf die Anpreisung der " Ware " Fussball beschränkt, sondern zugleich die " Mitbewerber " abqualifiziert.