Grit Breuer hat sich einer Dopingkontrolle entzogen, indem sie unangemeldet in den Urlaub fuhr. "Das ist ein Verstoß gegen die Doping-Richtlinien, der Konsequenzen hat", erklärte ein Nada-Sprecher. Ihr Trainer Thomas Springstein war zuvor suspendiert worden, weil in seiner Wohnung Dopingsubstanzen gefunden worden waren.

Am Tag nach Bekanntwerden der dritten Doping-Affäre um Sprinttrainer Thomas Springstein überschlagen sich die Ereignisse. Während die große Hürden-Hoffnung Anne-Kathrin Elbe als jene Athletin feststeht, die das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft ins Rollen brachte, wurde der 46-Jährige am Donnerstag von seinem Verein SC Magdeburg suspendiert.

Springstein, Breuer

Das Erfolgsduo der deutschen Leichtathletik ist in Verruf geraten. (© Foto: AP)

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Gleichzeitig sieht sich seine Lebensgefährtin Grit Breuer unter Verdacht, weil sie am Mittwoch nicht zur Doping-Zielkontrolle angetroffen wurde.

Ähnlich wie die griechischen Sprintstars Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou war die 33 Jahre alte Vize-Europameisterin über 400 m nicht zur Stelle, als der Kontrolleur der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) die Staffel-Weltmeisterin von 1997 aufsuchte.

Laut Nada-Geschäftsführer Roland Augustin hatte sich die Magdeburgerin nicht abgemeldet, bevor sie zusammen mit Springstein in Urlaub nach Griechenland fuhr.

"Das ist ein Verstoß gegen die Doping-Richtlinien, der Konsequenzen hat", erklärte Nada-Sprecher Matthias Blatt und meinte weiter: "Athleten müssen sich bei ihrem Fachverband abmelden, wenn sie mehr als drei Tage nicht an ihrem eigentlichen Aufenthaltsort sind."

Springstein wurde indes vom SC Magdeburg "auf Grund der durch die Staaatsanwaltschaft gesicherten Indizien von der Betreuung jeglicher SCM-Sportler entbunden", teilte das Präsidium des Klubs mit. Der SC Magdeburg behält sich zudem rechtliche Schritte gegen den Diplom-Sportlehrer vor.

Die aus Dessau stammende Anne-Kathrin Elbe, die auf Grund ihrer Sprintschnelligkeit als das derzeit größte deutsche Talent im Nachwuchsbereich gilt, hatte sich bei einem Trainingslager Sprint-Bundestrainer Thomas Kremer (Dortmund) offenbart und war danach vom SC Magdeburg zu Bayer Leverkusen gewechselt, wo sie nun von Manfred Fink betreut wird.

Kremer, der auch die Athleten-Verpflichtungen beim Golden-League-Meeting Istaf in Berlin tätigte, schaltete den DLV ein, der nach Prüfung des Falles die Anzeige erstattete.

Anne-Kathrin Elbe brachte den Stein ins Rollen

Anne-Kathrin Elbe ist die Tochter des früheren Weltklasse-Dreispringers Jörg Elbe (Chemnitz), der vor 19 Jahren 17,30 m erreicht hatte. Sie trainierte unter Springstein bis zum Sommer im so genannten Anschlusskader mit Theresia Strecker (20), Anja-Maria Lehmann (19), Korinna Fink (22) und Katrin Trauth (21). Springstein betrieb in Magdeburg zusammen mit Grit Breuer auch eine so genannte Sprint-Schule.

Wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und möglicherweise versuchter gefährlicher Körperverletzung droht Springstein, wenn sich die Anschuldigungen bestätigen, nach Paragraf 95 des Arzneimittelgesetzes, Absatz 1 bis 3, eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren im Falle einer Abgabe von Dopingmitteln an minderjährige Sportler.

Nur bei einer Verurteilung zu einem Jahr Haft könnte diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Laut DLV-Präsident Clemens Prokop, von Beruf Amtsgerichtsdirektor in Kelheim/Bayern, ein "schweres kriminelles Delikt - wenn es sich am Ende bestätigt".

Am Dienstag waren bei einer Durchsuchung des Hauses von Springstein in Gerwisch bei Magdeburg laut dem Leitenden Oberstaatsanwalt Rudolf Jaspers Arzneimittel gefunden worden, die den verbotenen Wirkstoff Testosteron-Undecanoat enthalten. Offenbar handelt es sich dabei aber nicht um Mittel, die jüngeren Athletinnen verabreicht wurden, sondern um so genannte "Anti-Aging-Produkte", die Springstein für den Eigenbedarf benutzte.

Springstein erfuhr von Nis Schumann von der Razzia

Springstein hatte von dem Fall am Mittwoch offenbar durch seinen prominentesten Schützling Nils Schumann erfahren. Laut dessen Manager Frank Thaleiser (Leverkusen) habe sich der 46-Jährige im Griechenland-Urlaub total geschockt über die bereits am Vortag erfolgte Hausdurchsuchung gezeigt.

Springstein hatte dem Magdeburger Sport-Koordinator Martin Sanne zugesagt, sofort den Urlaub abzubrechen und zurückzufliegen.

Thaleiser zur Position von Schumann: "Er ist mit Thomas Springstein befreundet. Aber wenn sich herausstellt, dass die Mädchen vom Trainer Dopingmittel erhielten, ist dies ein Vertrauensbruch, der sicherlich zur sofortigen Trennung führt. Derzeit ist dieser Schritt noch nicht vollzogen."

Grit Breuer und Springstein standen 1992 zweimal im Zentrum von Dopingaffären, die als "Fall Krabbe" in die Sportgeschichte eingingen. Die Sprint-Doppel-Weltmeisterin Katrin Krabbe, Breuer und Silke Möller-Gladisch (Rostock) waren im ersten Fall straffrei ausgegangen, weil die Doping-Proben vom 24. Januar 1992 in Stellenbosch/Südafrika manipuliert und unbrauchbar waren, ihnen die Schuld aber nicht angelastet werden konnte.

Im zweiten Fall wurden Krabbe, Breuer und Manuela Derr (alle Neubrandenburg) wegen der Einnahme des später verbotenenen Steroids Clenbuterol vom DLV für elf Monate wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz bestraft. Doch der Weltverband IAAF verlängerte die Strafe wegen "unsportlichen Verhaltens" dann um zwei Jahre bis 1995.

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(sid)