Leichtathletik Ex-Chef behauptet: Leichtathletikweltverband hatte Pakt mit Putin

Von 1999 bis 2015 Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF: Lamine Diack, 82, aus dem Senegal.

(Foto: Michael Steele/Getty)
  • Der ehemalige Leichtathletikweltverbands-Chef Diack hat zugegeben, dass er während seiner Amtszeit das Doping russischer Athleten vertuscht hat.
  • Das Schmiergeld kam angeblich direkt von der russischen Regierung.
  • Der Kreml wollte laut Diack damit die senegalesische Opposition im Wahlkampf unterstützen.

Lamine Diack, der aus dem Senegal stammende ehemalige Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, hat französischen Ermittlern gegenüber zugegeben, während seiner Amtszeit "die Augen zugedrückt zu haben beim Doping von russischen Leichtathleten" und dafür finanzielle Gegenleistungen bekommen zu haben. Das berichtet die französische Tageszeitung Le Monde in ihrer Samstag-Ausgabe. Der 82 Jahre alte Diack ist Anfang November in Frankreich unter dem Verdacht der Korruption und Geld- wäsche festgenommen worden, befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß; er darf das Land allerdings nicht verlassen.

Das Brisante an den von Le Monde zitierten Aussagen des langjährigen IAAF-Präsidenten ist, dass er behauptet, das Schmiergeld für die Vertuschung von zahlreichen Dopingfällen russischer Leichtathleten in den Jahren 2011 und später sei mehr oder weniger direkt von Russlands Regierung gekommen, also nicht vom dortigen Leichtathletikverband oder Athleten selbst, wie bislang vermutet wurde.

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Diack behauptet, das Geld sei in den Wahlkampf geflossen

Russlands Verbandschef Walentin Balachnitschew, der gleichzeitig IAAF-Schatzmeister war, sei quasi nur ein Mittelsmann seines Staatspräsidenten Wladimir Putin gewesen. Das Geld sei im Übrigen nicht auf seinen privaten Konten gelandet, habe Diack den Ermittlern erklärt, sondern zur Unterstützung der (letztlich erfolgreichen) Opposition im Präsidentschafts-Wahlkampf 2012 im Senegal verwendet worden. Der Kreml habe offenbar Interesse an der Abwahl des amtierenden Staatschefs Abdoulaye Wade gehabt. Ein Sprecher der senegalischen Regierung bestritt, finanzielle Zuwendungen von Diack oder aus Russland erhalten zu haben.

Diack war kurzzeitig selbst im Gespräch gewesen als Präsidentschaftskandidat in seiner Heimat, er war von 1978 bis 1993 Mitglied der senegalischen Nationalversammlung gewesen, die letzten fünf Jahre davon sogar ihr Vizepräsident. Verbindungen zu Russlands Spitzenpolitikern hatte Diack schon lange vor dem angeblichen Pakt mit Putin im Herbst 2011.

Als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees sei er bei der Bewerbung Sotschis für die Olympischen Winterspiele 2014 kontaktiert worden, schreibt Le Monde; das Ereignis war ja Putins Prestigeobjekt. Vor Olympia 2012 in London, aber vor allem vor der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau habe Russland zudem darauf hingewirkt, dass die Ergebnisse von positiven Dopingproben nicht bekannt wurden. Die IAAF sei für ihr Stillhalten auch mit Sponsorenverträgen und dem Kauf von TV-Rechten kompensiert worden.

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