Die TV-Präsenz der Leichtathletik sei dramatisch, sagt der Funktionär Helmut Digel. Statt der olympischen Kernsportarten übertrage das Fernsehen lieber "teilweise in einer widerlichen Art inszenierte" Boxkämpfe.

Sportwissenschaftler Helmut Digel (Tübingen) hat in scharfen Worten das Ungleichgewicht der Sportarten bei Fernsehübertragungen kritisiert. "Ich halte es für einen Skandal, dass die Leichtathletik und viele andere Sportarten so vernachlässigt werden. Was hat es mit dem öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag zu tun, wenn ARD und ZDF am Samstagabend Profi-Boxkämpfe in einer teilweise widerlichen Art inszenieren?", sagte Digel, der Mitglied im Council des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IIAF) ist, in einem Interview der Zeitschrift Leichtathletik.

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Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa und die Leichtathletik sind zu selte im Fernsehen - sagt der Funktionär und Wissenschaftler Helmut Digel. (© Foto: dpa)

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Es sei an der Zeit, "dass die Rundfunkräte die Interessen der Sportarten wahrnehmen, die immer weniger im Fernsehen stattfinden". Die Entwicklung der TV-Präsenz in der Leichtathletik bezeichnete Digel als "in der Tat dramatisch". Hier würden die Fernsehanstalten auf die gesunkenen Einschaltquoten reagieren. "Das hat die Leichtathletik zum Teil mit verursacht, weil sie sich nicht attraktiv genug darstellt", erklärte Digel. Aber auch das Fernsehen würde die olympische Kernsportart nicht so brillant präsentieren, wie sie es könnte.

In der Leichtathletik müsse, so der frühere deutsche Verbandspräsident, "vor allem die Langeweile verschwinden. Die Wettkämpfe dürfen nicht länger als zweieinhalb Stunden dauern, die Pausen müssen auf ein Minimum reduziert werden." Um das zu erreichen, könnten im Hoch- und Stabhochsprung die Gesamtzahl der Versuche limitiert werden. Auch eine Streichung von Disziplinen dürfe kein Tabu sein.

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(sueddeutsche.de/dpa/aum)