Der Leichtathletik rennen die Zuschauer davon, und die Verantwortlichen reagieren mit einem neuen Format: der Diamond League. Doch die Reform ist vorläufig nicht mehr als eine Infusion auf der Intensivstation.
Für die dahinsiechende Leichtathletik brechen wieder glänzende Zeiten an - wenn man deren Hauptvermarktern glauben mag, den Direktoren der hochkarätigen Meetings. Die waren zur Einsicht gelangt, dass ihr bisheriges Premiumprodukt, die Golden League, nicht mehr zeitgemäß ist, und haben Ersatz vorgestellt. Jetzt neu! Noch wertvoller!! Noch funkelnder - die Diamond League!!!
Bild vergrößern
Usain Bolt darf bald in der "Diamond League" abräumen. (© Foto: AFP)
Anzeige
Nun hat es im Leichtathletik-Weltverband IAAF in jüngerer Vergangenheit viele Reformen des Veranstaltungsformats gegeben, die nichts gebracht haben außer Verwirrung. Zuletzt hatte es die IAAF mit ihrem Präsidenten Lamine Diack geschafft, eine selbst für Experten nur schwer zu durchblickende Wettkampfserie mit Golden League, Super Grand Prix, Grand Prix I und Grand Prix II immer noch weiter untereinander sowie mit Begriffen wie Premium und Classical Events zu verweben, bis sie gänzlich undurchschaubar war.
Der Leichtathletik, immerhin die Großmutter aller sportlichen Bewegung, rannten die Zuschauer davon. Sie schalteten ab, gerade im fernsehtechnischen Sinn dieses Begriffs. "Nichts zu verändern, ist keine Option", hatte daher der zum Lord geadelte Olympiasieger Sebastian Coe gemahnt, der Cheforganisator der Olympischen Spiele 2012 in London sowie seit kurzem Vizepräsident der IAAF: "Wenn wir nichts ändern, stirbt die Leichtathletik."
Die neuerliche Reform ist vorläufig nicht mehr als eine Infusion auf der Intensivstation; dass sie nicht ausgereift ist, geben ihre Urheber ja zu. Es ist nicht klar, aus wie vielen Meetings die Diamant-Liga letztlich zusammengesetzt sein wird, an welchen Wochentagen sie ihren Stammplatz bekommen soll, wie die besten Athleten verpflichtet werden sollen, so oft als möglich und möglichst immer gegeneinander anzutreten. Es gibt noch eine Menge Details zu bereden. Dennoch ist diese Reform ein Schritt in die richtige Richtung, das Geschehen zu vereinfachen und für das Massenpublikum wieder verständlicher zu gestalten.
Ob Deutschland in der Diamond League mitspielen wird, ist offen. Die Verantwortlichen des Istaf in Berlin zögern, sich der Serie anzuschließen, womöglich auch, weil sie Mühe haben, einige Voraussetzungen zu erfüllen, vor allem die Garantie von Fernsehzeiten. 2009 gehört die Hauptstadt noch zur Golden League. Doch Gold genügt nicht mehr in Zeiten, in denen mit Diamanten bezahlt werden muss. Hierzulande bleiben die Zeiten also bleiern.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 03.03.2009)
Bürgermeister in Baden-Württemberg
Mein Gott!
Am Ende machen die Leute nur noch Sport aus Spaß an der Freud.
Wo kommen wir denn da hin?
Beschreibt die Umschreibung der Liga die eingesetzten pharmazeutischen Erzeugnisse? Je "wertvoller" desto teurer der Stoff?
Die Deutschen machen evtl. nicht mit? Gute Idee.