Leichtathletik: Der Fall Caster Semenya Sie ist eine Frau!

Seit fast einem Jahr weiß die 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya nicht, welches offizielle Geschlecht sie hat. Nun berichten südafrikanische Medien, dass der Verband sie als Frau anerkennt.

Von Thomas Hummel, Johannesburg

Die 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya darf weiterhin als Frau an Wettbewerben teilnehmen. Das berichten Medien in Südafrika und verweisen auf verschiedene Quellen, eine offizielle Stellungnahme des Internationalen Leichtathletik Verbands (IAAF) steht allerdings noch aus. Die 19-jährige Semenya musste sich nach ihrem sensationellen Sieg in Berlin einem Geschlechtstest unterziehen, weil ihr muskulöser Körperbau und ihrer harten Gesichtszüge im IAAF den Verdacht schürten, sie könnte intersexuelle Geschlechtsmerkmale besitzen, also ein Zwitter sein.

Kurz vor dem 800-Meter-Finale machte im August 2009 im Berliner Olympiastadion die Runde, Semenya sei vielleicht gar keine Frau und dürfe deshalb möglicherweise nicht an Frauen-Wettbewerben starten. Nachdem sie dann das Rennen über zwei Stadionrunden klar gewann und mit ihrem lockeren aber sehr kraftvollen Laufstil die Konkurrenz abhängte, begann ein aufgeregtes und bisweilen unwürdiges Spektakel. Semenya erhielt zwar ihre Goldmedaille, doch die IAAF behielt sich vor, nach den Geschlechtstests diese wieder einzukassieren.

Testosteron von großem Vorteil

Damals hieß es, die Ergebnisse würden binnen weniger Tage vorliegen, inzwischen verging fast ein Jahr und noch immer wusste Semenya nicht, ob sie weiterhin als Frau an Leichtathletik-Veranstaltungen teilnehmen darf. Medizinisch das Geschlecht eines Menschen einwandfrei festzustellen, kann mitunter sehr kompliziert sein. Die Einflüsse und Störungen der Chromosomen und Hormone sind so vielfältig, dass sich in einigen Fällen beim besten Willen nicht medizinisch festlegen lässt, ob ein Mensch ein Mann oder eine Frau ist. Im Frauensport aber ist ein Überhang des männlichen Hormons Testosteron, das den Muskelaufbau unterstützt, von großem Vorteil für die Athletin, was die Frage der Chancengleichheit aufwirft.

Nun stützt sich etwa die Zeitung The Citizen in Johannesburg auf Informationen aus dem "inneren Zirkel des südafrikanischen Leichtathletikverbands", dass die IAAF ihr Urteil gefällt habe: Der Fall Semenya sei geklärt und die Athletin könne wieder an Wettbewerben der Frauen teilnehmen. Ohne dass sie sich, wie in Südafrika spekuliert wurde, einige männliche Geschlechtsmerkmale wegoperieren lassen müsse. Einen Auftritt auf einer Pressekonferenz des südafrikanischen Sportministers Makhenkesi Stofile in Johannesburg sagte Semenya kurzfristig ab.

In Südafrika war der Aufschrei groß, als die neue Laufheldin im vergangenen Sommer derartigen Zweifeln ausgesetzt war. Von Rassismus war die Rede, Anwälte wollten den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anrufen. Umso größer ist nun in Südafrika die Befriedigung, dass Semenya offenbar rehabilitiert ist: Die Jugendorganisation der Regierungspartei ANC teilte mit, die Entscheidung des IAAF zum "golden girl Caster Semenya", sie als Athletin und als Frau anzuerkennen, sei überfällig gewesen.

"Durchleuchtet und ausgezogen"

Semenyas Vater Jacob sagte, wenn die Nachricht stimme, würde das seinen Schmerz und seine Wut lindern. Das Geschlecht seiner Tochter habe sich nie verändert, "was von Gott gemacht wurde, wird nie von Menschen geändert werden können". Seine Familie habe sehr unter dieser "Entmenschlichung" gelitten, seine Tochter musste schmerzvoll hinnehmen, wie sie "durchleuchtet und ausgezogen wurde von Menschen, die denken, sie kennen sie besser als wir". Aber sie habe schlicht ein gottgegebenes Talent und niemand könne das ändern, sagte Jacob Semenya.

Die 19-Jährige ist seit ihrem WM-Sieg in Berlin nicht mehr öffentlich gelaufen. Von lokalen Wettkämpfen in Südafrika wurde sie immer wieder ausgeschlossen, Semenyas Anwälte drohten bereits, ihren Start gerichtlich durchzusetzen. Sie plante eine Rückkehr auf die internationale Leichtathletik-Bühne am 24. Juni bei einem Meeting in Saragossa, Spanien. Die Veranstaltung wurde aber aus finanziellen Gründen abgesagt.

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