Lauf-Maut in der Leichtathletik Bedrohung für kleinere Events

Milde ist von dieser Idee bedingt begeistert. Die Marathons in Hamburg oder Berlin, "die lachen darüber", sagt er. Aber das Gros der rund 3600 Veranstaltungen seien Läufe mit 50 bis 500 Startern, mit schmalem Budget. Die Teilnehmerzahlen bei Laufveranstaltungen in Deutschland wachsen zwar noch immer, aber längst nicht mehr homogen. "Es gibt eine Sättigung", glaubt Milde. Viele Läufe verlieren Kundschaft, viele Läufer wägen ab, wo sie starten. Vor allem die kleinen Veranstalter, die derzeit zwischen vier und fünf Euro Startgebühr verlangen, fürchten, dass Gelegenheitsstarter sich künftig abwenden. "Die sagen: Wenn die Erhöhung kommt, lasse ich es sein", hat Milde beobachtet.

Als der Beschluss des DLV durchsickerte, als Milde die Sorgen mancher Veranstalter beim Verband vortrug, habe man ihm zunächst gesagt: "Da steckt doch nichts dahinter", erinnert er sich, "für die war das Majestätsbeleidigung". Die Debatte handelt nicht nur von Gebühren, sie handelt vor allem von einer Basis, die sich von Beschlüssen des Verbandes übergangen fühlt. Und davon, dass eine pauschale Preissteigerung, die vor allem größere, kommerzielle Anbieter treffen sollte, am Ende womöglich die kleinen Läufe viel härter trifft.

Treffen im Januar

Clemens Prokop hat keine leichte Aufgabe. Er hat gute Argumente im Angebot, aber wie soll er eine Gebühr als Hilfestellung verkaufen? "Wir haben Defizite im Laufsport", sagt der DLV-Präsident. Er wolle den Veranstaltern nichts wegnehmen, sondern den Laufsport fördern. Breitensport, Nachwuchssport. Auch Spitzensportler - also Läufer, die teils mit Studentenlöhnen gegen die Weltspitze antreten. Milde ist im Grunde einverstanden.

Manche Veranstalter hätten nichts gegen die neue Gebühr, sagt er, sie seien nur skeptisch. Harald Rösch, Vorsitzender des Bundesausschuss Laufen, sagte vor kurzem: Aus den Mehreinnahmen müsse "auch in den Laufsport investiert werden". Und sonst? "Es kann nicht sein", sagt Milde, "dass der DLV mit den Einnahmen Haushaltslöcher stopft." Der Laufsport stehe an erster Stelle, beteuert Prokop "es gibt viele Ideen, keine konkreten Pläne." Milde sagt, dass finanzkräftige Veranstalter derzeit Juristen in Stellung bringen, es gebe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Düsseldorfer Urteils.

Prokop, gelernter Jurist, findet: "Wir wollen Überzeugung für die Gebühr nicht auf juristischem Weg schaffen." Für den Januar haben Milde und der DLV ein Treffen ausgehandelt. Milde will die Gebühr herunterverhandeln (was Prokop nicht will), beide wollen zudem erörtern, wohin genau die Gebühren fließen sollen, und das ist ja auch ein guter Vorsatz fürs neue Jahr: weniger über-, mehr miteinander reden.