Die extremen Schwankungen in den Hämoglobinwerten der deutschen Staffel-Olympiazweiten sind nicht erklärbar.

Der "Fall Sachenbacher" bleibt auch nach einer Blutstudie des Internationalen Skiverbandes rätselhaft. Der einstige Antidopingbeauftragte Bengt Saltin sagte im finnischen Kuusamo bei der Vorstellung der Langzeit-Tests unter 38 Toplangläufern, dass die extremen Schwankungen in den Hämoglobinwerten der deutschen Staffel-Olympiazweiten "nicht erklärbar" seien. Die FIS will bis 2008 individuelle Grenzwerte für jeden Läufer einführen - eine Hoffnung für Evi Sachenbacher-Stehle.

Der Fall "Sachenbacher" bleibt unklar

Der Fall "Sachenbacher" bleibt unklar. (© Foto: dpa)

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"Sachenbacher ist eine von den so genannten Spezialfällen, die deutlich größere Schwankungen als der Durchschnitt hat. Es ist nicht klar, wie es zu diesen extremen Ausschlägen kommt", sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis, "zumal sie nur ausnahmsweise passieren." Zum Beispiel bei den Olympischen Spielen von Turin, wo Sachenbacher eine fünftägige Schutzsperre wegen eines Hämoglobinwertes von 16,4 Gramm pro Deziliter Blut (Grenzwert 16,0) aufgebrummt bekam. Derlei hohe Werte oder Schwankungen können natürliche Ursachen haben, aber auch durch Doping mit EPO oder Eigenbluttransfusionen verursacht sein.

Auch in dem im Sommer und Herbst durchgeführten Saltin-Test differierten die Werte der Deutschen um bis zu 2,1 Punkte binnen zwei Tagen, lagen allerdings im Durchschnitt deutlich unter dem Grenzwert. Deshalb, so Saltin, sei die geforderte Ausnahmegenehmigung für Sachenbacher-Stehle für einen Start mit Werten über 16,0 verweigert worden. Ansonsten wurden bei dem Test unter Topläufern aus Deutschland, Schweden und Frankreich nur geringe Schwankungen bei den Hämoglobinwerten festgestellt - Einflussfaktoren können hartes Training, die Höhe und Wasserzufuhr sein.

"Evi und das gesamte deutsche Team können jederzeit nachweisen, dass alle sauber sind. Ich hoffe, wir können uns jetzt endlich wieder auf den Sport konzentrieren", sagte Bundestrainer Jochen Behle: "Es wird Zeit, dass individuelle Grenzwerte eingeführt werden. Sonst werden weiter unschuldige Sportler bestraft." Lewis stellte das schon ab 2008 in Aussicht. Dann könnte statt der üblichen Grenzwerte von 16,0 (Damen) und 17,0 (Herren) ein individueller Hämoglobinwert festgelegt werden, wobei Schwankungen von Plus/Minus 10 Prozent als mögliches Doping-Indiz gelten könnten. Sachenbacher liegt in ihren Schwankungen als Mitglied einer 5-Prozent-Minderheit allerdings deutlich über zehn Prozent.

Laut Lewis werde es um dieses Thema in der nächsten Woche beim dritten Treffen einer speziellen Ausdauersport-Gruppe bei der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) gehen. Diese will zudem die Möglichkeiten einer Harmonisierung der Blut-Grenzwerte ausloten, die derzeit zum Beispiel im Skisport, Biathlon, Radsport (Hämatokritwert) oder Eisschnellauf unterschiedlich sind.

Saltin stellte noch einmal die Wichtigkeit der beispielsweise von Behle attackierten Grenzwerte heraus: "Leute, die gegen obere Grenzen sind, wollen Bluttransfusionen machen oder mit Mikrodosen EPO dopen." Die Hämoglobinwerte im Ausdauersport seien bis 1999 stetig angestiegen, nach Einführung der Blutkontrollen gesunken und 2002 nach der Überführung von Dopingsündern wie Johann Mühlegg noch einmal nach unten gegangen.

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