Von Thomas Hahn

Tobias Angerer hat sich verändert: Aus dem Pechvogel ist der Führende des Weltcups geworden.

Zu dieser Zeit, die keine schlechte ist, gehört es offenbar, die Müdigkeit nicht zuzulassen, und so macht Tobias Angerer aus Traunstein gute Miene. Am Samstag hat er noch in Canmore/Kanada das Massenstartrennen über 30 Kilometer gewonnen und seine Führung im Gesamtweltcup gefestigt. Tags darauf war Abfahrt mit dem Bus nach Calgary, es folgte ein Nachtflug über Frankfurt mit Ankunft in München am Montagnachmittag um drei. Da hatte er auch das nächste Rennen schon wieder im Blick, die Deutsch-Österreichischen Sprint-Meisterschaften im Münchner Olympiapark am heutigen Mittwoch (15.10 Uhr, Bayerisches Fernsehen). Und jetzt, Montagabend, sitzt er als Jet-Lag-geschädigter Oberfeldwebel in einem entlegenen Kulturhaus nahe München bei einer Veranstaltung mit Podiumsdiskussionen zum Thema Sport und Bundeswehr. Der Abend zieht sich, aber Angerer bleibt standhaft. Erst als ihn jemand nach seinem Gemütszustand fragt, sagt er: ¸¸Im Moment bin ich schon a bisserl müde."

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So also fühlt es sich an, ein Siegertyp zu sein: Glück und Erschöpfung fließen ineinander, und die Zumutungen des Alltags bleiben die gleichen. Tobias Angerer hat sich nie beschwert über das entbehrungsreiche Leben eines Langläufers, und so schaut er auch jetzt milde darüber hinweg, dass es nicht gerade rücksichtsvoll ist, ihn und die Kollegen Viola Bauer und René Sommerfeldt nach einer Überseereise stundenlangen Gesprächsrunden auszusetzen. Oder ihn als Attraktion einer Meisterschaft zu verwenden, die in dieser Zeit so unnötig wirkt wie ein gebrochener Skistock. Er weiß, dass der Job es erfordert. Also ist er da, und findet es auch in Ordnung, dass er als Bayer den Start in seiner Landeshauptstadt auf sich nehmen muss, während seine Thüringer Trainingspartner fehlen dürfen.

Zumal er grundsätzlich durchaus eine Begeisterung in sich spürt, die er so noch gar nicht kannte. Angerer galt doch immer ein bisschen als Pechvogel, der beim Höhepunkt verunfallte oder nicht seine Bestform fand. Erst bei der WM 2005 in Oberstdorf fiel er als trauriger Held auf, als ihm im Staffelrennen sein Kreislauf versagte und er die Deutschen empfindlich in Rückstand brachte. Aber jetzt? Angerer wirkt immer noch so zurückhaltend freundlich, fast unsicher, wie damals in Oberstdorf, als er verwinden musste, dass er das Staffel-Silber gefährdet hatte, das Schlussläufer Axel Teichmann dann doch noch rettete.

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