Biathletin Uschi Disl düpiert die Langläufer beim Sprint von Düsseldorf.

Düsseldorf - Claudia Künzel war bedient. Sechste nur im Einzel beim Weltcup-Auftakt der Langläufer am Düsseldorfer Rheinufer, und schlimmer noch: als WM-Zweite 2003 im Sprint geschlagen von der Biathletin Uschi Disl. Ob sie wenigstens etwas Schönes habe einkaufen können in der Modestadt Düsseldorf, wurde Künzel am Samstag nach dem Rennen gefragt. "Stiefel bis übers Knie und einen superkurzen Rock", antwortete sie lakonisch. Dabei hat sie ihren sechsten Platz gar nicht mit dem Erwerb gewagter Wäsche therapieren müssen, denn im Teamsprint am Sonntag ist sie dann mit Uschi Disl Zweite geworden hinter den Norwegerinnen Pedersen und Bjoergen. Der Star dieses Langlauf-Wochenendes aber war die 32-jährige Biathletin Uschi Disl, und deshalb wirkte Spezialistin Künzel ein bisschen genervt.

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Die 25-Jährige aus Oberwiesenthal hatte sich so schön ausgemalt, beim Langlauf-Sprint am Rhein im Rampenlicht zu stehen, nachdem sich die prominenteste deutsche Läuferin Evi Sachenbacher krank gemeldet hatte. Aber dann stahl ihr Uschi Disl einfach die Show. Eigentlich hatte Disl nur aus Spaß mitgemacht beim Langlauf, damit der Wettbewerb mehr Aufmerksamkeit erregt und weil dieses letzte Oktober-Wochenende gut in ihren Terminplan gepasst hat. Doch dann lief die zweimalige Biathlon-Olympiasiegerin in der am Düsseldorfer Rheinufer aufgeschütteten Schneespur am Samstag sogar auf den vierten Platz. "Unglaublich", sagte Disl selbst. Sie hatte es als einzige Deutsche überhaupt in den Finallauf der besten Vier geschafft, in dem sie sich dann jedoch mit dem letzten Platz begnügen musste. "Ich bin jetzt ganz vorne im Gesamt-Weltcup der Langläuferinnen mit dabei", sagte sie und schüttete sich aus vor Lachen. Für die deutschen Langlauf-Spezialisten war das nur bedingt lustig. Claudia Künzel als Sechste, Tobias Angerer als Elfter, Isabel Klaus als Vierzehnte und Axel Teichmann als Fünfzehnter waren am Samstag neben Disl die einzigen von 23 Deutschen, die es in die Finalrunde der jeweils besten 16 geschafft hatten.

Nicht einmal Sprint-Spezialist Dirk Klessen konnte sich als 23. des Prologs für das Viertelfinale qualifizieren. Das Erstaunlichste aber war, dass sich am Ende eine Biathletin als beste deutsche Langläuferin erwies. Den Männern immerhin gelang im Teamsprint am Sonntag noch ein zweiter Platz durch Axel Teichmann und Tobias Angerer hinter den Schweden Brink und Fredriksson. "Mit den Ergebnissen vom Sonntag bin ich zufrieden", sagte Jochen Behle.

Noch am Samstag hatte sich der Bundestrainer allerdings bemühen müssen, das Abschneiden seiner Spezialisten ins rechte Licht zu rücken. "Mit den Männern kann ich nicht zufrieden sein - ansonsten im Großen und Ganzen schon", lautete seine Bilanz. Immerhin sei Evi Sachenbacher nicht dabei gewesen, und die Sprinttalente seien noch jung. Es hätte nur noch gefehlt, dass er sich entschuldigt für seine Idee, die Biathletin Uschi Disl einzuladen zu diesem Weltcup-Auftakt, nur damit sie am Ende alle seine Kadermitglieder düpiert. Aber man darf diesen Sprint in Düsseldorf dann auch wieder nicht überbewerten, denn die Wintersport-Gaudi, die bereits im zweiten Jahr hintereinander am Rhein stattfand, ist so früh im Winter und einen Monat vor dem eigentlichen Saisonauftakt in Norwegen mehr Werbung als Wettbewerb, mehr Spektakel als Sport.

3200 Kubikmeter Kunstschnee haben sie in Düsseldorf zu einer 800 Meter langen Loipe aufgeschüttet, dabei war die Austragung des Weltcup-Auftakts bis zum Sommer noch der Stadt Dortmund vorbehalten gewesen. Erst in letzter Minute erkaufte sich die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt den Zuschlag. Am liebsten würden die Düsseldorfer nun jedes Jahr den Weltcup am Rhein eröffnen und befinden sich mit den Verbänden auch bereits im Gespräch. Auch den Topathleten gefällt der Spaß in der Großstadt, dem Schweden Peter Larsson genauso wie der Italienerin Gabriella Paruzzi, die am Samstag die Einzelwettbewerbe gewannen und sich über die gute Stimmung bei den dicht an der Loipe stehenden Zuschauern freuten.

"Das Publikum ist wirklich toll", sagte auch Uschi Disl grinsend und freut sich bereits auf eine ähnlich gute Stimmung am 27. Dezember im nahe gelegenen Gelsenkirchen. Dort wird in der Arena "AufSchalke" nach Weihnachten in zweiter Auflage ein Spektakel-Biathlon stattfinden, bei dem auch Disl wieder dabei ist. Denn trotz ihres glänzenden Ergebnisses im Langlauf stand für sie fest: "Ich bin Biathletin und bleibe es auch." Und das war dann auch die beste Nachricht dieses Wochenendes für Claudia Künzel.

Ulrich Hartmann

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