Ein Kommentar von Andreas Burkert

Radfahrer Lance Armstrong gibt in Australien das dreisteste Comeback, das der Sport je sah - die allseits goutierte Rückkehr belegt eindrucksvoll, wie intakt das alte System ist.

Australien ist ein schönes Land, daran werden auch die Tonnen Ungeziefer und Insekten nichts ändern, mit denen sich dort deutsche Fünftliga-Promis in einem sogenannten TV-Dschungelcamp übergießen oder füttern lassen. Und auch Lance Armstrong dürfen sie diese Woche down under bis zur Besinnungslosigkeit zujubeln, die Australier lieben eben den Sport, und ein Sportler ist Armstrong ja jetzt doch wieder, irgendwie.

Lance Armstrong

Lance Armstrong: Das dreisteste Comeback, das der Sport bisher sah. (© Foto: rtr)

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Im Grunde muss man dem 37-jährigen Fitnessfreak sogar dankbar sein für das dreisteste Comeback, das der Sport bisher sah. Denn es soll ja zuvor doch Menschen gegeben haben, die wirklich an ein Umdenken im Radsport glaubten.

Niemand behauptet, dass Armstrong zurzeit dopt, denn das ist fast einerlei. Wertvoll genug ist das Signal, das seine Branche aussendet, indem sie vor einem mutmaßlichen Großmeister des Mobbings und medizinischen Betrugs kuscht und ihn feiert, als verlöre man beim Strampeln nicht nur Kalorien, sondern auch Hirn.

Armstrongs allseits goutierte Rückkehr belegt eindrucksvoll, wie intakt das alte System ist, ein System, das selbst die Puerto-Affäre um den Madrider Arzt Fuentes überstanden hat. Dass jetzt ein Madrider Berufungsgericht diesen Skandal und damit die entlarvenden Ermittlungsergebnisse der eigenen Guardia Civil wieder thematisieren möchte, mag einige Drahtzieher der Blutbank beunruhigen. Aber Armstrongs Radsport?

Nein, dieser Radsport zittert jetzt bestimmt nicht, denn zu weit reichen seine Arme. Denn Claqueure sitzen ja nicht nur im Weltverband, sondern angeblich sogar in Laboren und ganz sicher, siehe Spanien, in der Regierung: Jaime Lissavetzy ist dort ein Sportminister, der sich nicht etwa vom aktenkundigen Fuentes-Kunden Alberto Contador fernhält - sondern dem Landsmann nach Erfolgen bei der Tour oder im Giro küssend um den Hals fällt.

Lissavetzky besitzt zudem die Exlusivsicht, nur Radler wie Ullrich, Basso, Hamilton oder Schleck hätten sich von Fuentes flottmachen lassen - spanische Tennis- und Fußballidole entgegen Fuentes' Hinweisen aber nicht, Ehrenwort! Folgerichtig wurde Lissavetzky soeben - kein Scherz - zum europäischen Vertreter in der Weltantidoping-Agentur ernannt. Präsident der Wada ist übrigens John Fahey. Seine Empfehlung fürs Amt: War mal Finanzminister. In Australien.

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(SZ vom 19.01.2009/jüsc)