Radfahrer Lance Armstrong gibt in Australien das dreisteste Comeback, das der Sport je sah - die allseits goutierte Rückkehr belegt eindrucksvoll, wie intakt das alte System ist.
Australien ist ein schönes Land, daran werden auch die Tonnen Ungeziefer und Insekten nichts ändern, mit denen sich dort deutsche Fünftliga-Promis in einem sogenannten TV-Dschungelcamp übergießen oder füttern lassen. Und auch Lance Armstrong dürfen sie diese Woche down under bis zur Besinnungslosigkeit zujubeln, die Australier lieben eben den Sport, und ein Sportler ist Armstrong ja jetzt doch wieder, irgendwie.
Lance Armstrong: Das dreisteste Comeback, das der Sport bisher sah. (© Foto: rtr)
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Im Grunde muss man dem 37-jährigen Fitnessfreak sogar dankbar sein für das dreisteste Comeback, das der Sport bisher sah. Denn es soll ja zuvor doch Menschen gegeben haben, die wirklich an ein Umdenken im Radsport glaubten.
Niemand behauptet, dass Armstrong zurzeit dopt, denn das ist fast einerlei. Wertvoll genug ist das Signal, das seine Branche aussendet, indem sie vor einem mutmaßlichen Großmeister des Mobbings und medizinischen Betrugs kuscht und ihn feiert, als verlöre man beim Strampeln nicht nur Kalorien, sondern auch Hirn.
Armstrongs allseits goutierte Rückkehr belegt eindrucksvoll, wie intakt das alte System ist, ein System, das selbst die Puerto-Affäre um den Madrider Arzt Fuentes überstanden hat. Dass jetzt ein Madrider Berufungsgericht diesen Skandal und damit die entlarvenden Ermittlungsergebnisse der eigenen Guardia Civil wieder thematisieren möchte, mag einige Drahtzieher der Blutbank beunruhigen. Aber Armstrongs Radsport?
Nein, dieser Radsport zittert jetzt bestimmt nicht, denn zu weit reichen seine Arme. Denn Claqueure sitzen ja nicht nur im Weltverband, sondern angeblich sogar in Laboren und ganz sicher, siehe Spanien, in der Regierung: Jaime Lissavetzy ist dort ein Sportminister, der sich nicht etwa vom aktenkundigen Fuentes-Kunden Alberto Contador fernhält - sondern dem Landsmann nach Erfolgen bei der Tour oder im Giro küssend um den Hals fällt.
Lissavetzky besitzt zudem die Exlusivsicht, nur Radler wie Ullrich, Basso, Hamilton oder Schleck hätten sich von Fuentes flottmachen lassen - spanische Tennis- und Fußballidole entgegen Fuentes' Hinweisen aber nicht, Ehrenwort! Folgerichtig wurde Lissavetzky soeben - kein Scherz - zum europäischen Vertreter in der Weltantidoping-Agentur ernannt. Präsident der Wada ist übrigens John Fahey. Seine Empfehlung fürs Amt: War mal Finanzminister. In Australien.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Dopingaffäre Der Radsport zittert wieder 18.01.2009
- Flügelflitzer Steile Thesen 17.07.2007
(SZ vom 19.01.2009/jüsc)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Glückwunsch!
Den Bezug zwischen Dschungelcamp und Radsport herzustellen ist ganz großer Journalismus. Da wird der Bogen vom eigentlich schönen Australien über die Negativauswüchse wie Dschungelcamp zur Radsportbegeisterung gespannt. Die Botschaft lautet: Nur in einem Land mit so einer primitiven Veranstaltung kann sich die Bevölkerung noch für Radsport begeistern. Für den Durchschnittsleser fehlt die Erläuterung, dass die Australier eigentlich nicht beleidigt werden sollten, sondern der Kommentar Teil einer Kampagne gegen den Radsport ist und die dortige Radsportbegeisterung nicht ins " Bild " passt
Und täglich grüßt das Murmeltier! Der Radsport ist tot und bleibt tot!
Ganz ruhig, ich will ihnen ja die Berichterstattung über diese 'Sportart' nicht wegnehmen. Was ich zum Ausdruck bringen wollte ist, dass sich die Medien (auch die SZ) über Doping im Radsport gar köstlich echauffieren, aber gleichzeitig, durch ihre Berichterstattung, dass System unterstützen. Ein Beispiel: ZDF und ARD erwägen eine Berichterstattung über die 'Tour de France 2009'. Kann mir keiner erzählen, die Sportler bei der Tour würden dieses Jahr weniger dopen, hier locken doch eindeutig die Werbemillionen. Das ist ähnlich wie mit 'Wrestling', jeder weiß, es ist ein einzig riesiger 'fake' und die Leute sind trotzdem begeistert.
...und zwar über jeden Doper, den sie finden. Es sind die Sponsoren, die das Thema entscheiden! Wer zahlt, schafft an! Dazu ist es natürlich ziemlich dämlich die UCI Dopingkontrollen machen zu lassen. Damit wird der Bock zum Gärtner, da die UCI natürlich kein Interesse daran hat, schwarze Schafe zu finden.
Dopingkontrollen müssen transparent und unabhängig durchgeführt werden. Allle die am RAdsport verdienen zahlen eine "Dopingsteuer" an die WADA und die ist für Regeln und Tests zuständig, fertig ist der Lack. Das gilt natürlich für alle Sportarten!
Gruß Balldieb
Wo bleibt die Begründung für diese tendenziöse Behauptung? Keine Wort zu den Dopingkontrollen, denen er wegen des Misstrauens in besonderem Maße unterworfen ist, stattdessen ein Brückenschlag zu Fuentes, um zu suggerieren, Armstrong sei in die Affäre verwickelt.
Appropos Fuentes: Ich vermisse eine Berichterstattung über die zahlreichen Nichtradsportler, die sich bei Herrn Fuentes die Klinke in die Hand gegeben haben. An eine Recherche über die in Freiburg behandelten Nichtradsportler oder die Qualitat der Dopingkontrollen in anderen Sportarten wage ich gar nicht zu denken.
Bitte etwas mehr Objektivitat und Fairness auch gegenüber Herrn Armstrong
Paging