Kunstrasen-Klage Fifa soll Fußballerinnen drohen

Ungebliebter Kunstrasen: Die Fußballerinnen wollen auf diesem Belag keine WM austragen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

61 Fußballerinnen haben die Fifa verklagt, weil sie nicht auf Kunstrasen spielen wollen. Der Weltverband reagiert nun offenbar mit Drohungen - und soll Sportlerinnen aufgefordert haben, die Klage zurückzuziehen. Andernfalls habe das Folgen für ihre Karriere.

Von Kathrin Steinbichler

Der bereits bei Gericht liegende Streit um den Einsatz von Kunstrasen bei der Frauenfußball-WM 2015 in Kanada verschärft sich weiter. Bislang besteht der Vorwurf einer international besetzten Gruppe von Spielerinnen um die vormalige Weltfußballerin Abby Wambach (USA) und die aktuelle deutsche Weltfußballerin Nadine Angerer, dass der Entscheid der Fifa, die Frauen ein Turnier auf dem höhere Verletzungsgefahr bergenden Kunstrasen spielen zu lassen, während den Männern vorläufig bis zur WM 2022 Rasen zugestanden würde, "diskriminierend" und bei geltendem kanadischen Recht "illegal" sei.

Nun kommt ein weiterer Vorwurf hinzu: Im Zuge der am 1. Oktober eingereichten Klage, heißt es in einem am Montag eingereichten Schriftsatz, habe die Fifa über einige ihrer Mitgliedsverbände Druck auf beteiligte Spielerinnen ausgeübt, um sie zur Rücknahme der Klage zu zwingen. Die klagenden Spielerinnen, deren Gruppe inzwischen auf über 60 angewachsen ist, gehen nun auch dagegen vor Gericht vor - und bringen den Fußball-Weltverband damit sieben Monate vor der WM immer heftiger in Erklärungsnot.

"Kunstrasen ist diskriminierend"

Sie wollen keine Versuchskaninchen sein: Nadine Angerer und weitere 40 Topfußballerinnen klagen gegen die Fifa wegen der Pläne, die WM 2015 auf Kunstrasen austragen zu lassen. Was sie vor allem ärgert: "Männer würden nie eine WM auf Kunstrasen spielen." mehr ...

Diesen Montag um 14.03 Uhr Ortszeit erreichte den zuständigen Gerichtshof für Menschenrechte im kanadischen Toronto/Ontario ein weiteres Schreiben der Anwaltskanzlei Ryder Wright Blair & Holmes LLP, die die Spielerinnen vertritt. Darin erläutern die Anwälte, dass die Nationalspielerinnen Teresa Noyola aus Mexiko und Camille Abily sowie Élise Bussaglia aus Frankreich von Vertretern ihrer nationalen Verbände angehalten worden seien, ihre Beteiligung an der Klage gegen die Fifa zurückzuziehen. Andernfalls, so sei den Spielerinnen bedeutet worden, habe das Folgen für ihre Karrieren.

18 Klägerinnen spielen im DFB

Der Mexikanerin Noyola sei angedroht worden, dass sie ansonsten nicht für die WM-Qualifikation im Rahmen der soeben zu Ende gegangenen Kontinentalmeisterschaften im Oktober nominiert würde. Den Französinnen Abily und Bussaglia sei bedeutet worden, dass ihre Beteiligung an der Klage Folgen haben könnte für die französische Bewerbung um die Ausrichtung der WM 2019. Weitere Spielerinnen aus Costa Rica und den USA hätten ähnliche Drohungen erfahren, was Sunil Gulati, der Präsident des US-Verbands, durch Äußerungen bestätigte.

Bei allen drei genannten Spielerinnen hat die Kanzlei nun bei Gericht darum gebeten, sie von der Liste der Klägerinnen zu nehmen, um ihnen Nachteile zu ersparen. Gleichzeitig haben die Anwälte einen Antrag auf Einstweilige Verfügung gestellt. Daneben hat die Gruppe der klagenden Spielerinnen, die trotz des Rückzugs dreier Fußballerinnen im Zuge der jüngsten Entwicklungen auf 61 angewachsen ist, den Anwälten erlaubt, ihre Namen öffentlich bekannt zu geben. 18 der 61 Klägerinnen gehören dem Kader der deutschen Nationalelf an.