Kritik vom Institut für Wirtschaftsforschung Berlin ist zu arm für Olympia

  • Die Bewerbung um Olympische Spiele ist teuer - zu teuer für Berlin, sagt Wirtschaftsforscher Karl Brenke.
  • Er kritisiert das Imponiergehabe der Stadt und fordert eine Aufklärung der Einwohner über die wirtschaftlichen Folgen.
  • Auch die Kampagnen in Hamburg und Berlin sieht er kritisch.

DIW ist kritisch

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) steht einer Bewerbung Berlins um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 oder auch 2028 kritisch gegenüber. Berlin könne sich eine derlei kostenspielige Bewerbung schlichtweg nicht leisten, hieß es.

"Die Stadt lebt von der Substanz - und die mittelfristige Finanzplanung sieht ein weiteres reales Abschmelzen der ohnehin schon geringen Investitionen sowie deren Umlenkung in den Wohnungsbau vor", schrieb DIW-Forscher Karl Brenke in einem Beitrag für die Online-Ausgabe des Berliner Tagesspiegels.

Einwohner sollten informiert werden

Wie Brenke weiter erläuterte - ohne allerdings Zahlen zu nennen -, überfordere Olympia die Hauptstadt. "Geld, das für Sportveranstaltungen verwendet wird, fehlt an anderer Stelle." Berlin sei hoch verschuldet und hänge am Tropf des Bundes und anderer Bundesländer, die "wenig Verständnis für das chronische Berliner Imponiergehabe haben dürften", sagte der Ökonom.

Angesichts der Kosten und anderer Belastungen wäre es "weise, die Einwohner rasch und ehrlich über die wirtschaftlichen Konsequenzen zu informieren", ergänzte Brenke. Zuletzt wurden die Kosten für Olympia in Berlin auf rund 2,4 Milliarden Euro beziffert. Die Organisatoren wiesen aber auch immer darauf hin, dass eine seriöse Kalkulation noch nicht möglich sei. Die Gesamtverschuldung des Landes Berlin beläuft sich derzeit auf rund 60 Milliarden Euro.

Kritik an Kampagnen

Brenke kritisierte zudem die aktuellen Olympia-Kampagnen in beiden deutschen Kandidaten-Städten Berlin und Hamburg. Von einem "breiten, zivilgesellschaftlichen Dialog" könne nicht die Rede sein. Vielmehr werde hier wie dort eifrig die Werbetrommel gerührt, um die Bevölkerung auf dem Wege einer emotionalen Ansprache für die Bewerbung zu begeistern. Brenke: "Der Steuerzahler zahlt erst einmal für seine eigene, informationslose Beeinflussung."