Beim Zweitligisten 1860 München spitzt sich der Streit zwischen Präsident Schneider und dem jordanischen Investor Ismaik zu - die DFL dürfte es gespannt beobachten. Eine baldige Versöhnung der beiden Parteien wäre im Sinne des Vereins, scheint aber in weiter Ferne zu liegen.
Die Kulisse war symbolisch gewählt, man traf sich in einem bayerischen Wirtshaus in einem Münchner Vorort, und geredet wurde in einem Festsaal mit schwerer, tiefbrauner Deckenvertäfelung, von der massive Kronleuchter baumelten. Tradition und Heimeligkeit. Ausgewählte Mitglieder eines deutschen Fußball-Traditionsklubs, des TSV München von 1860 e. V, waren hier am Montagabend zusammengekommen zur jährlichen Delegiertenversammlung - und die Wahl dieses Ortes sollte deutlich machen, dass sich der Verein nach den finanziellen Schwierigkeiten der Vergangenheit in Bescheidenheit hüllen will.
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Abgeschnitten vom Informationsfluss: 1860-Präsident Dieter Schneider (links) sieht seine Rechte durch Investor Ismaik eingeschränkt. (© dapd)
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Als dann Präsident Dieter Schneider gegen 18.45 Uhr an das Rednerpult trat, da sollte dieser eigentlich so geruhsame Abend zu einem Politikum geraten, das Deutschlands Fußballbranche bundesweit beschäftigen wird. Denn Schneider entsandte einen Hilferuf. Es war eine politische Inszenierung, er redete hinab zu den Delegierten, aber adressiert waren seine Worte auch an die Funktionäre der Deutschen Fußball-Liga (DFL).
Um eine Insolvenz abzuwenden, war der TSV 1860 im Mai eine im deutschen Profifußball bislang einmalige Verbindung eines Traditionsvereins mit einem ausländischen Investor eingegangen. Hasan Ismaik, Geschäftsmann aus Abu Dhabi, hatte 49 Prozent der stimmberechtigten Anteile der KGaA erworben, die DFL hatte massive Bedenken angemeldet und bis zur endgültigen Genehmigung der Beteiligung mehrfach Nachbesserungen am Vertragswerk gefordert. Seit Montag ist klar, dass sich die Befürchtungen der DFL bewahrheitet haben, im Verein tobt längst ein Machtkampf zwischen Klubpräsidium und Investorenseite. Schneider fühlt sich dabei übergangen.
Fünf Monate nach der Vertragsunterzeichnung haben wir noch immer keine Übereinstimmung mit dem Investor erzielt, wie dieser Vertrag mit Leben zu füllen ist", sagte Schneider: "Bereits kurz nach der Unterzeichnung haben sich unterschiedliche Auffassungen über die weitere Zusammenarbeit immer weiter herauskristallisiert." Er, als Präsident des e.V. und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der KGaA, sei seitens der Geschäftsführung des Klubs "vom Informationsfluss abgeschnitten" - ein Vorwurf, der konkret an Geschäftsführer Robert Schäfer adressiert war.
"Von einem Eingreifen ins Tagesgeschäft, aber auch von einer irgendwie gearteten Kontrollmöglichkeit kann seitdem nicht mehr die Rede sein", präzisierte Schneider. Was er hier in aller Öffentlichkeit aussprach, bedeutet nicht weniger als einen direkten Verstoß gegen die gültige 50 plus 1-Regelung der DFL-Statuten, die vorschreibt, dass Kapitalgeber allenfalls Minderheitseigner sein dürfen, indem sie maximal 49 Prozent erwerben. Die Klubs, so die Idee der Schutzklausel, sollen Herr im eigenen Haus bleiben, um Tendenzen wie in England, Italien oder Spanien zu verhindern, wo selbst Topvereine von Investoren aus aller Welt kontrolliert werden.
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Werte Schlechinger und cafewestend,
vielen Dank für Eure kompetenten Beiträge zur Situation bei den Löwen (was man von der SZ nicht wirklich behaupten kann).
Ein Tipp meinerseits:
Ihr dürft den Sportteil der SZ nicht als Informationsteil zum sportlichen Geschehen lesen (ausser: Sport in Zahlen). Der Rest würde besser ins Feulliton oder Panorama passen!
Seit ich akzeptiert habe, dass es so ist, ärgere ich mich auch kaum noch über die Berichterstattung...
Beste Grüße,
vagabuu
Sowohl Ismaik als auch Schneider haben ein Konsolidierungsjahr angekündigt und so war die Lizenz gerade noch zu erreichen, weil es eben keine Sponsorengelder gibt, sondern Ismaik lediglich so viel für die Anteile bezahlte, dass er nach seiner Erpressung der Gläubiger auf einen Teilverzicht mit dem Anteilkauf die KGaA schuldenfrei stellte.
Dann müssen jetzt die jungen Talente nach und nach eingebaut werden, damit man langsam auch sportlich wieder nach oben kommen kann und den Kader auch wieder wertvoll macht. Dazwischen wird jetzt nichts Tolles passieren, ausser dem Machtgeplänkel der Vertragsparteien.
"Das ist eine alte Krankheit bei den 60gern, die Schuld überall zu suchen, nur nicht bei sich selbst."
Josef, bitte lesen Sie einfach meinen Kommentar noch einmal.
Dann werden Sie erkennen, dass ich keinen kausalen Zusammenhang zwischen der schwierigen Situation von 60 und der SZ Berichterstattung zur Delegiertenversammlung hergestellt habe.
Trotzdem erlaube ich mir - anhand von guten Argumenten wie ich meine - die SZ Berichterstattung als einseitig bis tendenziös zu kritisieren.
Weiter schreiben Sie:
"Sie sind anscheinend auch einer dieser "Revolutionäre", die am glücklichsten sind, wenn sich nichts verändert".
Auch hier empfehle ich, meinen Kommentar noch einmal zu lesen.
Wenn es gelingt, bei 60 dauerhaft ein professionelles Umfeld im Allgemeinen und eine solide wirtschafltiche Basis im besonderen zu schaffen, dann wäre das doch durchaus "Veränderung" im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit. Und dafür steht m.E. Schneider.
Jetzt wieder den Trainer zu wechseln, und in Eile teure Spieler auf Pump (!!!) zu kaufen, sehe ich da eher unter dem Stichwort "weiter wie bisher". Und es scheint, als ob Iraki/Ismaik/Schäfer in diese Richtung wollten. Wer jetzt wieder Schulden macht und strukturelle Defizite schafft/vergrössert, der hat aus der jüngsten Vergangenheit nun wirklich gar nichts gelernt ...
Dann lieber einen gestandenen Verteidiger für sinnvolles Geld holen, und die Saison weiter als das betrachten, was es ist: Ein Konsolidierungsjahr (sportlich UND wirtschaftlich).
Gehört das auch zur Konsolidierung, dass man über Jahre hinweg gerade so den Abstieg verhindert?
Wenn man aufsteigen kann, ist man Herr der Lage, dann kann man über dieses oder jenes Stadion diskutieren, aber nicht wenn man bis in alle Ewigkeit in der Mittelmäßigkeit verharrt.
Da muss man nehmen was man kriegt, auch einen Herrn Maurer und einen Herrn Schneider.
Ihren herabwürdigenden Unterton gegenüber Herrn Ismaik habe ich wohl bemerkt, leider gibt es auch das unter den Fans, Sie sollten in sich gehen.
Oder Fan von 1860 Rosenheim werden, dann können Sie sich in der Bayernliga konsolidieren, oder wo auch immer.
Konsolidierung heisst, mit dem Etat auf Dauer auszukommen. So ist auch die Finanzplanung mit der DFL-Lizenz abgesprochen und genehmigt.
Der Ismaik / Iraki wollen nur ein Darlehen akzeptieren und das ist nur wieder eine Hypothek auf eine ungewisse Zukunft.
Jetzt heisst es, sportlich und finanziell über die Runden zu kommen, den eigenen Nachwuchs nutzen oder nach Lust und Geschäftssinn zu versilbern und nicht mehr zu verschachern.
Dann kann man aus eigener Kraft einen langsamen Aufbau versuchen und ähnlich Düsseldorf reif für Liga I werden.
Geduld ist ein Fremdwort beim gemeinen Löwenfan, aber den Größenwahn haben wir schon häufiger teuer bezahlt.
Paging