Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge müssen einen neuen FC Bayern basteln - und sich öffentliche Sticheleien von Franz Beckenbauer gefallen lassen.
Sobald die Auffassung grassiert, die Situation in einem Fußballklub sei dramatischer als die Weltlage, hilft ein Ausflug in die Historie. Und wenn die Tradition so üppig ist wie die des FCBayern, findet sich Trost im Gestern: Alles schon mal dagewesen, alles war schon mal viel schlimmer! Damals zum Beispiel, in den Siebzigern, als sich Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer an der Säbener Straße noch in kurzen Hosen begegneten, erlebten die Bayern die längste Durststrecke der Geschichte: 10., 7., 3., 12., 4. waren die Münchner in der Liga zwischen 1974 und 1979. So was nennt man Krise.
Anzeige
Aber der historische Blick - wie auch der Humor - steht in diesem Spiel längst abseits, Fußball ist millionenschweres Tagesgeschäft, und ein Klub wie der FCBayern erinnert derzeit an die Politik in Berlin, wenn Ministerpräsidenten hektisch durch Mikrofon- und Kamerawälder rauschen. ,,Ich habe nichts zu sagen. Wiederschaun'', so Uli Hoeneß, der Manager, am Montag bei Aufnahme der Wochen- und Trauerarbeit auf dem Klubgelände; Karl Hopfner, der Geschäftsführer, bat ,,um Verständnis: Heute gibt es keinen Kommentar. Zu gar nichts''.
Die Bayern sind dabei, sich neu zu ordnen. Nach dem schockierenden 0:2 von Stuttgart, das die Münchner erstmals seit zehn Jahren aus der Champions League katapultiert haben dürfte, zieht sich die (immer noch) erste deutsche Fußball-Firma in ihre Gemäuer zurück. Ob es die richtige Strategie ist, sich einzuigeln, was schon der Mannschaft auf dem Rasen nicht gelingt? Hoeneß glaubt daran: ,,Wir haben so hart gearbeitet wie noch nie'', sagte er unlängst. Und wenn der Klub in ein paar Wochen die Ergebnisse im Paket und als neue Konzeption verkünden werde, werde mancher, der den FC Bayern heute ins sportliche Grab rede, verwundert Abbitte leisten müssen.
Sie nehmen sich Zeit; die ist auch nötig, weil Trainer Hitzfeld eine Rundum-Renovierung der Mannschaft mit bis zu acht Zugängen ankündigte. Drei Neue (Schlaudraff, Hamit Altintop, Sosa) sind erst verkündet, die übrigen Kandidaten müssen sich nun mit der Perspektive von strapaziösen Uefa-Cup-Fahrten nach Mattersburg und Kristiansand befassen. Die Frage ist, ob die Bayern ihre selbstgewählte Stille aushalten, eine nicht billig zu habende Ruhe, in der schon die Morgenlektüre stören dürfte. Weltweit einmalig ist nämlich die Konstruktion, in welcher der Aufsichtsratsvorsitzende des Klubs, Franz Beckenbauer, eine eigene, große Zeitung hat, die ihn dafür bezahlt, ständig Aktuelles aus dem Innenleben seines Vereins zu verraten. Eines Vereins, der offiziell sagt, er wolle konsequent schweigen.
Diese mediale Schizophrenie sah am Montag in Bild seltsam aus. ,,So kann man in der Bundesliga kein Spiel gewinnen. So können wir die Saison als verkorkst abhaken'', holte Kolumnist Beckenbauer mächtig aus, ehe er sein Fazit zog: ,,So kann es nicht mehr weitergehen.'' Und wer ist zuständig, dass es künftig anders läuft: ,,Da kommt auf Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge, unsere Verantwortlichen für das operative Geschäft, einige Arbeit zu.'' Direkt neben der Kolumne des mächtigen Stichwortgebers stand die Empfehlung aus der Bild-Redaktion an die Bayern: ,,Chaos-Bosse. Eigentlich müssen sie sich selbst feuern.'' Gezielt wird von dieser Stelle auf Hoeneß und Rummenigge.
Es ist nicht einfach, das Spiel zu lesen, das Beckenbauer seit ein paar Wochen abseits des Rasens spielt. Und es ist auch nur mit der jahrzehntelangen, schicksalsgeprüften Bekanntschaft von Beckenbauer/Rummenigge/Hoeneß zu erklären, dass dieses Trio bislang jede Morgenlektüre tapfer überdauert hat. Die Frage, ob Bayern-Vorstand Rummenigge, 51, und Bayern-Manager Hoeneß, 55, noch jung, noch ehrgeizig genug sind für die Aufgabe, die erste Elf zu erneuern, wird in Beckenbauers Zentralorgan seit dem Champions-League-K.o. gegen den AC Mailand ständig wiederholt. Und via Welt am Sonntag hat Beckenbauer soeben erst der Deutschen Fußball Liga (DFL) empfohlen, noch einmal zu prüfen, ob Rummenigge nicht doch der ideale Ligapräsident sei - ein neuer Versuch, den Vorstand nach Frankfurt wegzuloben?
Bayerns Entscheider verstehen sich offenbar nicht mehr gut, zumindest sticheln sie öffentlich gegeneinander, und das Pikante ist nun, dass genau auf dieser Etage die neue Mannschaft gebastelt werden muss. Es muss die Frage geklärt werden, ob es künftig nur noch Stars sein dürfen oder auch einmal Überraschungstransfers, wie sie den Bayern nicht mehr viele zutrauen. Es ist ja nicht so, dass Kolumnist Beckenbauer an der Personalpolitik nicht beteiligt wäre; er sitzt dem Aufsichtsrat vor, der jeden Transfer abnickt, mag er noch so teuer sein. Und teuer dürfte es werden, doch die Finanzen scheinen - trotz der Belastung durch den Stadionneubau - das geringste Problem der Münchner zu sein. Jetzt geht es um das Image der handelnden Personen.
Hoeneß und Rummenigge hatten ja auch Gründe dafür, dass sie jenem Kader, der unter Felix Magath zum Doppel-Double-Gewinner wurde, die Chance gaben, sich im Nach-Ballack-Jahr zu beweisen. Es gab Gründe, dass Deisler, Santa Cruz, Schweinsteiger, Makaay oder Podolski sich anders entwickelten als erhofft; obwohl es sogar diesem Kader gelang, Inter Mailand oder Real Madrid aus der Champions League zu schießen. Doch das Unternehmen schweigt. Bayern macht die Schotten dicht und liest lieber Zeitung.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 24.4.2007)
Kosovo-Konflikt
Die Arbeit von Uli Höneß in Frage zu stellen ist meiner Meinung nach zu weit gegangen.
Man muß erkennen, das ein Diego nach spätestens 3 schlechteren Spielchen in München sofort als Fehleinkauf gehandelt wird (BILD & Co). Wie mann ja bei Lukas P., egal ob berechtigt oder nicht, sieht. Und das muß ein (junger) Spieler erst
einmal verkraften! ;-)
Bei schlecht geschätzten mind. 1,0Mio. Jahresgehalt schon verständlich!
Allerdings ist FCB's Transferpolitik nicht einfach zu verstehen! Ali Karimi? Vahid H.
H. Altintop? Meiner Meinung nach nur Durchschnitt und das nicht mal international.
Und das müsste man bei Personen wie K.H Rumenigge,... schon erkennen.
Was die CL betrifft muss man doch klar sagen, daß Bayern schwach war und eben z.B. REAL noch schwächer. Aber dieser Sieg als Triumph gefeiert wurde!
Genauso der AC Milan schwach war aber eben Bayern noch schwächer war! Im Vergleich muß man nur mal die ersten 20 min von ManU gegen AS Rom sehen, dann sieht man was gutes Spiel ist.
Ich denke einen 2-fachen DOUBLE Gewinner Trainer Felix M. zu feuern wegen einer schlechteren Hinrunde und zwei schlechten Spielen grenzt an Arroganz. Die Gründe die zu dieser Entlassung geführt haben werden wir wohl nie erfahren. Das Problem bei dem FCB liegt woanders... Wie man an der Arbeitsverweigerung in Stuttgart oder gegen den AC Milan in München gesehen hat.
Andererseits gute Nacht BundesLiga. Einen Schalke 04 Sieg im Halbfinale der CL gegen Ac Milan oder ManU, ... kann ich mir nicht Vorstellen. Ich denke das da wohl spätestens beim Achtelfinale Schluss ist. Da diese Vereine international mit Sicherheit nur Durchschnitt sind, ausgenommen BREMEN.
mfg
Lb
Entschuldige bitte, wenn ich Dich Duze. Ich weiß nicht, ob Berlin wirklich Dein Heimatort ist. - Aber ich glaube, Du solltest Dich, wenn ja, mal nach dem anderen Hoeneß erkundigen. Der zugegebener Maßen auch was drauf hat.
Aber "lebende Arroganz" zu Uli H.? - Mein lieber Freund, da kann ich Dir nur antworten: "BM_Berlin" - lebende Dummheit".
Du weißt anscheinend nicht, was U.H. (nicht nur in der BL) leistet:: Seine soziale Einstellung zu den Mitarbeitern seiner (viel belächelten) Wurstfabrik ist epochemachend.
Der handelt heute noch (nicht viele Industriemanager, die ein Schweinegeld verdienen und ganze Wirtschaftszweige in den Ruin treiben, Arbeitsplätze vernichten, Arbeitnehmer skrupellos an die Armutsgrenze bringen und anschließen ein fette Millionen-Abfindung kassieren) nach dem MOtte: "Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden" - Verstanden??
Mach mal eine Rundfrage durch die Belegschaft. Du wirst erstaunt sein, was Du da zu hören bekommst. - Wahrscheinlich "lebende Arroganz". - Oh, Mann. Du diskutierst so am Thema vorbei!!!!! - Aber das ist eben der Beweis dafür, dass Du keine Ahnung hast.
Also bitte erst informieren und dann kommentieren. Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph gewesen. - Vielleicht verstehst Du das.
Und wenn der FCB mal ein schlechtes Jahr hat (nach 10 erfolgreichen) den U.H. und Kalle R. direkt in Frage zu stellen (Vielredner F.B.) ist natürlich für die Journalisten, die sich immer mehr in Extrem - Berichterstattung ergehen (siehe DSF) das gefundene Fressen.
Regt sich noch jemand auf, das Börsenmitglied BVB sich mitten im Abstiegskampf befindet? Regt sich jemand darüber auf, dass BMG durch (und hier nun wahrlich) durch MIssmanagment in die zweite Liga absteigt.
Und: (!!!) Der FCB hat ja wohl mehr für den deutschen Fußball geleistet, als die eben erwähnten.
Also, BM_Berlin - schön den Ball Flach halten. - Denn dummbaxige Kommentare mussten wir schon genug lesen. Und noch etwas: Invictis victi victuris. - Verstanden?
Bis später.
Mulholland
Also, ich kann mich über manche Beiträge hier nur wundern.
Man muss doch die Fakten betrachten:
Bayern hat seit vielen Jahren international nichts mehr gerissen.
Weltklassespieler werden bei Bayern München keinen Vertrag unterschreiben, weil die sportlichen internationalen Erfolge und der vorhandene Kader keine Perspektive bieten.
Da kann Bayern noch soviel Geld auf den Tisch legen, die Spieler werden nicht kommen.
Riquelme und Aimar wurden hier in den Kommentaren genannt. Diese beiden Spieler wären für Bayern eine Möglichkeit, sich zu verstärken.
Denn: Riquelme und Aimar sind international gesehen, durchschnittliche Spieler, die (wieder international gesehen) zu einem durchschnittlichen Verein, wie Bayern es ist, passen würden.
Das ist nun mal Fakt und daran sollte man sich orientieren.
Meinen Sie, dass eine Steffi Graf oder ein Michael Schumacher des Geldes wegen solange Hochleistungssport betrieben haben???
Beide hätten sich nach zwei oder drei Jahren aktiven Sports bereits zur Ruhe setzen können. Nur die Sucht nach Erfolgen hat sie immer wieder vorangetrieben, sehr gute Leistungen abzurufen. Nicht das Geld, dass Ihnen dafür gezahlt wurde.
Bei Fußballern ist es ähnlich!
Oder glaube Sie, dass ein Michael Ballack beispielsweise zu Mainz 05 wechseln würde, wenn diese ihm 15 Mio Euro im Jahr böten?
Wohl kaum. Er würde ablehnen, denn ihm drohen sportliche Auseinandersetzungen mit dem FC Augsburg, TUS Koblenz oder Erzgebirge Aue anstatt mit ManU, Milan oder Barca.
Fazit:
Die Bayern-Führung macht das schon richtig. Diese Saison ist der Versuch "... guckt mal, bei uns schießt der Ottl die Bayern ist CL-Finale, da könnt ihr euren Ronaldinho vergessen!" gescheitert. Aber München ist auf dem richtig Weg.
Grüße von einem HSV-Fan
Dass es für Bayern einem Erdrutsch gleichkommt, wenn sie "nur" vierter werden, ist ja irgendwie logisch...
Aber wo ist das Problem? Dann spielen sie halt eine Saison nicht in der Champions League...
Bremen verliert ihre Leistungsträger, der VFB kauft sich Bastürk... naja, also da brauch es den Bayern in der nächsten Saison nicht bange werden.
Sie kommen eh wieder mind. unter die ersten drei und dann spielen sie auch wieder CL.
Ist doch immer so bei großen Clubs, dass sie auch mal ne Saison durchhängen um sich dann wieder zu fangen.
Bayern wird national immer ganz oben mitmischen und somit auch CL spielen... Und dann kommen größere Namen halt im nächsten Jahr.
Spieler aus der eigenen Jugend im aktuellen Kader:
Rensing, Lahm, Lell, Hummels, Schweinsteiger, Hargreaves, Ottl, Fürstner...
Zugegebenermaßen spielen spielen Einige nun nicht, bzw. sehr selten; dennoch fände ich es mehr als interessant ob sich noch eine Bundesligamannschaft findet in der 33% aller Spieler im aktuellen Kader aus der eigenen Jugend kommen.
Dass man allerdings mit "Jugend forscht" nichts gewinnen kann, zeigen ja die Erfahrungen aus den 90ern, als es mit Nerlinger, Babbel, Hamann, Ziege, usw. zur Hochzeit von Borussia Dortmund eine ähnluche Durststrecke zu überwinden galt (vgl. 5:2 Abschuss in der CL durch Ajax Amsterdam ... was machen die eigentlich heute?)
Also... die Mischung machts... und den Bayern vorzuwerfen, sie hätten keine ausgezeichnete Jugendarbeit ist leider grober Unfug.
Paging